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[Sonntagsfrage] Piracy

piracyEin bestimmendes Thema auf der diesjährigen Buchmesse waren Chancen und Risiken der „digitalen Revolution“ in der Branche. Zirkulierende digitale Raubkopien der eigenen Titel sind ein Schreckengespenst in vielen Verlagshäusern, resultieren in DRM-Gängelungen der Kundschaft und markigen Worten gegenüber (potenziellen) Buchdieben.

Obwohl eine jüngst veröffentlichte Studie sogar eine umsatzsteigernde Wirkung von zirkulierenden Raubkopien nahelegt, fürchtet die Branche eine ähnliche Entwicklung wie die Musikindustrie mit jährlichen Schrumpfungsraten im zweistelligen Prozentbereich infolge von Piracy. Unklarheit herrscht dabei gemeinhin über den Umfang des (vermuteten) Problems.

Eine vergangenen Monat veröffentlichte Hitliste der beliebtesten illegalen eBooks legt nahe, dass sich nur eine kleine und sehr spezielle Nutzergruppe über Bittorrent & Co. mit digitaler Literatur versorgt. Auf der anderen Seite zirkulierten von Dan Brown’s jüngst publiziertem Megaseller The Lost Symbol innerhalb kürzester Zeit dutzende Raubkopien in Filesharing-Netzwerken. Auch Lesefreunde auf der Suche nach (englischsprahiger) Mainstream-Literatur finden hier inzwischen ein reichhaltiges und gut aufbereites Angebot frei von DRM-Restriktionen.

Allerdings gibt es gerade im Belletristik-Bereich auch ein breites Angebot an kostenlosen Titeln. Und während es lange Zeit einen Mangel an aktuellen Verkaufserfolgen gab, sind inzwischen nahezu alle großen Verlage im eBook-Markt aktiv oder kurz davor. Allerdings steht das bisherige Pricing – häufig DRM-eBook = Hardcover – Verkaufserfolgen im digitalen Bereich noch im Wege, mahnende Stimmen aus der Branche haben die großen Verlage noch nicht zu einer anderen Strategie bewegen können.

In unserer neuen Sonntagsfrage interessieren wir uns für den „Status quo“ in der Morgendämmerung des komerziellen eBook-Handels. Besorgst du dir eBooks aktuell vorwiegend über illegale Kanäle – aus Bequemlichkeit, Kostengründen, größerer Auswahl, … -, oder kommen Raubkopien für dich nicht (mehr) in Frage? Ist Piracy in der aktuellen eBook-Community tatsächlich ein Massenphänomen oder eher eine von Wenigen praktizierte Randerscheinung? Die Umfrage läuft eine Woche, am kommenden Sonntag präsentieren und analysieren wir in einem weiteren Artikel die Ergebnisse.

Hast du dir schon einmal ein "illegales" eBook heruntergeladen?

  • Nein (43%, 55 Votes)
  • Ja (zuletzt innerhalb der letzten 4 Wochen) (33%, 42 Votes)
  • Ja (zuletzt vor mehr als 4 Wochen) (21%, 27 Votes)
  • Bin mir nicht sicher (3%, 4 Votes)

Total Voters: 128

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Aufgrund des Themas eine Anmerkung: Zur Vermeidung von doppelten Stimmen loggt unser Script von jedem Teilnehmer die IP, allerdings nicht die gewählte Antwortoption. Die Umfrage ist somit 100%ig anonym. Vielen Dank für deine Teilnahme!

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Kommentare


Odan 26. Oktober 2009 um 10:01

Hallo,

die Fragestellung lässt kein eindeutiges Bild zu. Da es sein kann, das viele innerhalb der letzten Wochen ein Buch „illegal“ geladen haben, aber nur, weil es nicht käuflich als ebook erwerbbar ist.

Z.B. „The Girl with the dragon Tatoo“ ein Bestseller nur als englischsprachiges eBook nicht für einen Deutschen kaufbar.

Und es gibt eine unglaubliche Menge an englisch sprachigen eBooks, die wir als Deutsche nicht kaufen dürfen, aufgrund Regionaler Lizenzrechtlicher Restriktionen in einer globalisierten Welt.
Und die deutschen Verlage vertreiben diese wohl nicht, weil Sie glauben, das es keine Deutschen gibt, die wohl englisch lesen können.

Daher finde ich, daß die obigen Antwortmöglichkeiten die aktuelle Situation nicht wiederspiegeln, da Sie das „Warum“ nicht hinterfragen.

Antworten

Johannes 26. Oktober 2009 um 11:29

@Odan Stimmt grundsätzlich, allerdings wollte ich die Umfrage nicht allzu komplex machen – darunter leidet zwangsläufig die Trennschärfe.

Aber wenn ein englischsprachiges (E-)Buch wegen „lizenzrechtlicher Restriktionen“ hierzulande nicht zu haben ist und man es sich darum (!) aus der Piratenbucht holt, ist das trotzdem ganz klar eine Raubkopie – auch wenn Zahlungsbereitschaft eigentlich da gewesen wäre, darum geht es ja nicht.

Ciao
Johannes

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Odan 26. Oktober 2009 um 12:38

Hallo Johannes,

genau da liegt der Hase im Pfeffer begraben.
Es muss getrennt werden zwischen runtergeladenen Raubkopien, weil der- oder diejenige eh nicht bereit wäre für das Original und zur Unterstüzung des Autors zu bezahlen oder weil es offensichtlich keine andere Möglichkeit derzeit gibt, weil sich die Verlage noch darum streiten wem außer dem Autor noch die gebührenden Gelder zufließen sollen.

Die Fragestellung sollte also eher sein, ob die Leute eBooks generell umsonst haben wollen oder auch dafür bereit sind zu zahlen.

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bart 26. Oktober 2009 um 13:17

klar wird in zukunft wie blöde raubkopiert, ihr glaubt doch nicht allen ernstes, das die leute dann noch ebooks KAUFEN ? xD… und im moment mag es noch eine kleine gruppe sein, die raubkopien lädt, aber spätestens wenn reader für 50 € auf dem mediamarkt wühltisch liegen, wird es mode sein, das man sich den neuesten harry potter oder twilightschinken aus dem netz saugt. ebooks werden den markt verändern und wie ein tornado durch die branche fegen. es werden arbeitsplätze an die raubkopierer verloren gehen und es werden ne menge verloren gehen, wenn man mehrstöckige buchtempel in pommesbudengrösse eindampft.

da lob ich mir meine normalen bücher, die sind nicht so chic, aber ich verliere auch nicht meine komplette büchersammlung, wenn mein pc abraucht, mein reader geklaut wird, o.ä., und ich unterstütze klassische buchläden und arbeitsplätze…

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Odan 26. Oktober 2009 um 13:36

@Bart

Doch glaube ich. Musik wird auch noch verkauft. Und Arbeitsplätze werden genauso verloren gehen wie in ALLEN Branchen. Z.B. Stahlindustrie und da wird nicht rationalisiert, weil die „Leute“ Ihren Stahl aus dem Netz saugen und zuhause selber zusammen basteln. Nur die Musik- und Zukünftig die Verlagsindustrie wird Ihre Rationalisierung auf Raubkopierer schieben, ist ja auch viel einfacher.

Und genau wie sich damal keiner eine CD kaufen wollte und später keine mp3´s so wird auch jetzt keiner einen eBook-Reader kaufen wollen; alles schon mal da gewesen.
Die Welt verändert sich seit Menschengedenken!

Apropo ich hoffe doch, daß Du auch nicht bei Aldi & Co. sondern nur bei Edeka oder Tengelmann einkaufst. Denn die billigen Preise der Discounter kommen schließlich auch nur durch Rationalisierung zustande, und daß Waren aus Billig-Lohn Ländern importiert werden. Soviel zu Deinen Arbeitsplätzen. Also denk dran, beim nächsten Joghurt Kauf!

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Noverus 26. Oktober 2009 um 16:26

Die Verlage sollten einfach aus der Musik und Filmindustrie lernen.

Anreize anstelle Restriktionen.
Oreilly macht es vor. Da konnte ich erst letztens meine erworbenen Hardcover Bücher (Englisch) für 5$ je Buch auf die E-Book Varianten updaten.. noch dazu sind diese E-Books DRM Frei. Reine E-Books sind in der Regel 20-30% Billiger…

Als schlechtes Gegenbeispiel: Addison Wesely -> Buchpreis + DRM (max 1 Rechner, aber mit Sondersoftware Verleihbar oder „umzugsfähig)

Wenn ich wirklich E-Books illegal runterladen würde, dann: Solche die weder als „Buch“ noch elektronisch erhältlich wären

oder

E-Books die Preise weiter über Relation verlangen (Verkaufspreis = Original Buch + DRM + Sondersoftware + nur auf 2 von 100 Readern lesbar, usw)

Hier wäre sicher mal eine Umfrage interessant -> Was ist bei E-Books am wichtigsten: Preis, Kompatiblität, Zusatzinhalte/funktionen…

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bart 26. Oktober 2009 um 16:52

@odan: stahl ist kein digitalisierbares gut wie bücher, bilder, filme und musik, also hinkt der vergleich ein wenig ;) … sicher wirds noch leute geben, die geld für sowas ausgeben, aber trotzdem wird sich gewaltig was ändern, es stellt sich nur noch die frage, in welchem tempo…

meine lebensmittel bekomm ich von meinem bruder, der arbeitet im lebensmittelgrosshandel für die gastronomie, und da bekomm ich sachen, die otto normal niemals auf den tisch bekommt, zum personalrabattpreis, ist zwar immer noch teurer als im supermarkt, dafür aber 1a futter ;).. herzlichen dank aber trotzdem für dein interesse an meinem kühlschrank :D…

übrigens: auch lebensmittel kann man nicht digitalisieren, ich wage aber zu behaupten, das wenn jemals ein star trek replikator in jedem haushalt steht, über 90% der lebensmittelabhängigen berufe verschwinden würden ;) …

übrigens: die leseprobenterminals gabs schon auf der buchmesse, es ist also nur ne frage der zeit, bis buchhändler wegrationalisiert werden. macht aber nix, denn die sind eh meist unfähiger als diverse fangemeinden im internet, da hab ich bis dato immer bessere beratung bekommen, als beim „fach“händler, egal, obs ums auto, eine armbanduhr oder ein buch ging ;) ..

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bart 26. Oktober 2009 um 16:59

übrigens, teil III : die popkomm wurde dieses jahr ja nicht deswegen abgesagt, weil mp3 verkäufe so wahnsinnig boomen xD…

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Odan 26. Oktober 2009 um 17:02

@bart

Sorry, aber entweder hast Du mich nicht verstanden oder Du willst mich nicht verstehen.

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Pauline 27. Oktober 2009 um 00:42

Also, Ebooks werden kommen, wie bisher alles technisch Machbare. Die Frage muß deshalb doch darauf abzielen, wie eine Win-Win-Situation für alle Marktteilnehmer daraus entsteht. Libreka hat da einen interessanten Ansatz, indem sie den Ebook-Kauf über ihre Homepage dem Buchhändler meines Vertrauens gutschreiben – da kann ich dann in Zukunft zwar seltener aber mit bestem Gewissen hingehen. Trotzdem bleibt Piraterie solange ein „Kavaliersdelikt“, wie die Verlage ihre Einsparungen an Papier, Druckkosten, Bindung und Transport (immer öfter aus China) nicht an die Ebook-Leser weitergeben. Jede Druckdatei existiert doch heutzutage vom Autor bis zur Druckvorstufe überhaupt nur digital, das Ebook ist also längst vor der gedruckten Ausgabe fertig. Dann sollte es aber nach durchschnittlichem Gerechtigkeitsempfinden auch preiswerter zu kaufen sein (maximal Taschenbuchpreis).

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jazznrhythm 27. Oktober 2009 um 15:44

Grundsätzlich könnte ich mir vorstellen, das die Bereitschaft für ein ebook Geld auszugeben viel höher ist als man momentan anhand der Umsätze meint. Die Mehrzahl der Leser in den Foren bemängelt die kleine Auswahl und den hohen Preis, allein daran sollte man schon merken, das es hier um eine Bereitschaft geht Geld auszugeben, aber das Angebot noch nicht den Erwartungen entspricht. Soll heißen: Der Markt ist grundsätzlich da – her mit den Büchern :-)

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Patrick 29. Oktober 2009 um 16:17

Ich glaube, man kann jetzt schon davon ausgehen, das mit dem digitalen Büchermarkt ähnliches passiert, wie im Musik- und Videomarkt. Nur vermutlich in verkürzter Form.

Der Markt existiert, das Angebot nicht, die potentiellen Kunden greifen daher auf die längst illegal vorhandenen Alternativen zurück, legal geht es ja leider nicht.

Und der Gewohnheitsmensch wird dann ggf. auch bei dieser „Alternative“ bleiben.

Dann jammern die Verlage und geben die Schuld allen anderen, nur nicht sich selbst.

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Jazznrhythm 29. Oktober 2009 um 19:36

Ich sehe das zwar auch so, das Buchverlage langfristig in eine ähnliche Situation wie Musikverlage geraten, aber sie haben noch etwas mehr Reaktionszeit, als es Musikverlage hatten. Letztendlich fehlt es zur Zeit noch an einer breiten Akzeptanz am Markt für Lesegeräte. Die Zahlen, die derzeit kolportiert werden, sind nicht so gefährlich wie man sich das auf manchen Portalen, Blogs etc vorstellt. 67.000 verkaufte Lesegeräte gegenüber einem Gesamtumsatz in der Buchbranche auf Papierbasis von 8 Milliarden Euro (während man bei der Musikbranche von 1,8 Milliarden Gesamtumsatz spricht) klingt für mich persönlich nach einem sehr konservativen Marktsegment, das dieser Technik verhalten und abwartend gegenübersteht. Das kann sich durch Amazons Vorstoß in Deutschland drehen, und durch Vodafons Einsatz dramatisch ändern, aber Piracy wird in den nächsten zwei Jahren kein Verlag wirklich ruinieren oder bedrohliche Einbußen bringen, denn die Mehrheit der Buchkunden ist auf jeden Fall papierfixiert, wird es vorerst wegen dem traditionellen Handhabungsmodel (kaufen, leihen, fotokopieren, beschreiben, unabhängig lesen, weitergeben und überall benutzen) bleiben. Es gibt weder eine sprunghaft gestiegene Nachfrage nach Lesegeräten, noch eine explosiver Ansturm von Blogs, die sie des Themas bemächtigen, noch eine Vielzahl von Open-Source/Public-Domain oder Crack-Programmen, die Scans,epub oder DRM-Beseitigung zum Thema haben usw. Das Einzige, was es wirklich gibt, das ist eine Technik, die ihren Kundenkreis sucht, eine Menge Innovationen, die für sich werben und eine Promotionpräsenz, die das Thema alle drei Tage irgendwo in der Presse lanciert. Wäre es aber wirklich ein Thema, das ein Selbstläufer wäre, dann wäre jeden Tag ein fetter Brocken in der Presse, würden die Bookz-Foren wie Pilze aus den Boden schiessen und man tagtäglich von dem Untergang des Verlagswesens durch Rapidshare und Co. hören. Momentan ist es eher so, das die Lesegeräte sehr aufgeschlossene Menschen ansprechen, die dadurch ihr Leseverhalten positiv ändern und plötzlich nach Büchern suchen. Eigentlich könnten die Verlage jetzt Leserkreise zusätzlich gewinnen, und in dieser Phase Mehrgewinne durch Flexibilität einfahren. Das wird sich vielleicht mal ändern, aber zur Zeit suchen die bisherigen Kunden nach Quellen um einen gewaltigen Durst zu stillen.

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Christoph Kaufmann 31. Oktober 2009 um 23:50

Die Verlage sollten sich nicht immer in erster Linie die Frage stellen, wie man es schafft Raubkopien zu verhindern (die wird es immer geben), sondern viel mehr gute Angebote machen um es ehrlichen Käufern leichter zumachen auch die eBooks zu kaufen, die sie möchten.
Im Moment bieten Raubkopien ja gegenüber gekauften eBooks oft sogar einen Mehrwert weil man Sie ohne DRM flexibler nutzen kann. Das ist doch Paradox.

Natürlich muß gegen Urheberrechtsverletzungen vorgegangen werden. Aber es sollte dem eBook Käufer nicht gleich automatisch der Vorsatz einer Straftat unterstellt werden.

So zieht man keine Kunden.

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Rückblick Sonntagsfrage: Piracy » eBooks » lesen.net 1. November 2009 um 21:27

[…] du dir schon einmal ein illegales eBook heruntergeladen?”, fragten wir vor einer Woche im Rahmen unserer zweiten Sonntagsfrage. Trotz des durchaus “intimen” […]

Antworten

Wendy 24. November 2009 um 12:52

Hi

ich sehe das Problem dort angelegt, wo Verlage versuchen, einen zusätzlichen Reibach zu machen. Denn der Datenbestand fürs Ebook ist ja da (wird für den Druck ja benötigt). Eine echte Ersparnis an „Harware“ ist ebenfalls da (Papier, Druck etc.). Trotzdem wird oft der volle Druck-Buchpreis verlangt (sogar Hardcover), während die Möglichkeiten gegenüber dem gedruckten Buch eingeschränkt sind, da ich das Buch ja nicht nach Nutzung so ohne weiteres weiterverkaufen darf.
Die deutsche Buch-Branche hat nichts aus den Erfahrungen der Musikindustrie gelernt. Sie weigert sich sogar, positive Erfahrungen aus den USA zu übernehmen. Dort kosten ältere Ebooks oft nur Cent-Beträge.

Als Ebook kosten Bücher noch den vollen Preis, die längst als gedruckte Version für 2 € aufm Grabbeltisch verkauft werden.

Wendy

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Chris 26. Dezember 2009 um 00:45

Ich lese schon seit vielen Jahren digital. Ich wäre bereit ebooks zu einem angemessenen Preis zu kaufen, boykottiere aber die regelrechte Abzocke, die es derzeit auf dem ebook-Markt gibt.

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