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Studie: Gemeinsames Lesen kann chronische Schmerzen lindern

Gemeinschaftliches Schmökern von Texten erfreut sich wachsender Beliebtheit, in immer mehr Städten gründen sich Lesegruppen. Deren Besuch nicht nur unterhaltsam und kommunikativ, sondern auch höchst gesund sein kann, wie eine universitäre Studie nahelegt.

Bereits 1997 formierten sich erst in Liverpool und bald auch in weiteren britischen Städten Gruppen für Shared Reading. Der Name ist Programm: Gemeinsam wird ein kurzer Text gelesen und dann besprochen, wobei ein Mitglied der Gruppe den Text laut vorliest. Hierzulande gibt es seit 2015 wöchentliche Lesetreffen in einer Berliner Stadtbibliothek, die Organisatoren wollen das Konzept auf weitere Städte übertragen.

Mehr als “nur” Unterhaltung

Shared-Reading-Runde in Berlin

Der Nutzen von gemeinsamem Lesen geht weit über bloße Unterhaltung hinaus. Die allgemeinen (Vor-)Lesefähigkeiten werden verbessert, das Selbstbewusstsein durch Wortbeiträge und Vorlesen vor der Gruppe gestärkt. Und der Austausch über die gelesenen Texte, bei denen oftmals auch über persönliche Erfahrungen gesprochen wird, ist der Selbstreflexion förderlich.

Auch die Gesundheit profitiert von Lesen in der Gruppe, selbst bei handfesten Erkrankungen. So untersuchte die University of Liverpool die Wirksamkeit regelmäßiger Besuche von Shared-Reading-Treffen bei der Bekämpfung chronischer Schmerzen (Migräne, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen).

Dazu wurde die Testgruppe zweigeteilt: Eine Hälfte der Patienten besuchte eine konventionelle kognitive Verhaltenstherapie, die andere Hälfte praktizierte Shared Reading. Als Lektüre dienten dabei ausgewählte Texte, die Reflexion von Arbeit, Freunde und Familie – kurz: des eigen Lebens – beflügeln sollte. Alle Studienteilnehmer führten Tagebuch, in dem sie auch ihre Gemütszustände unmittelbar vor und nach Sitzungen notierten.

Gemeinsames Lesen bekämpft Ursachen chronischer Schmerzen

Aus der Auswertung der Tagebücher schlussfolgerten die Forscher, Shared Reading helfe den Teilnehmern, diejenigen Emotionen zu adressieren, die verantwortlich für ihre chronischen Schmerzen sein könnten. Den Teilnehmern der kognitiven Verhaltenstherapie hingegen sei “nur” geholfen worden, mit diesen negativen Emotionen umzugehen. Im Vergleich sei der Vorteil bei gemeinsamem Lesen, dass Erfahrungen aus dem ganzen Leben aufbereitet würden und nicht nur ein bestimmter “schmerzvoller” Zeitpunkt.

Studienleiterin Dr. Josie Billington bilanzierte, gemeinsames Lesen könne gerade als längere Sicht dabei helfen, die Ursachen emotionaler und im Zuge dessen körperlicher Schmerzen zu bekämpfen, anstatt sich nur mit den Folgen auseinanderzusetzen. Dazu profitieren Schmerzpatienten natürlich genauso wie alle anderen auch von den grundsätzlichen Vorzügen von Shared Reading, die sich aus einem positiven Austausch in der Gruppe ergeben. Und die solche Lesekreise zu einem interessanten Modell machen, das sich gerne noch mehr verbreiten darf.

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