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Warum die Nr. 1 der Spiegel-Bestsellerliste kostenlos ist

Die vierte Woche in Folge führt Der Appell des Dalai Lama an die Welt die Spiegel-Bestsellerliste Sachbuch an. Das Hardcover wird für unglaubliche 4,99 Euro abgegeben, die eBook-Ausgabe gibt es sogar  komplett für lau. Es handelt sich um die erste Publikation überhaupt eines neuen Verlages, für den besondere Spielregeln gelten.

Hardcover super-billig, eBook gratis

Bildschirmfoto 2015-08-11 um 13.52.20Das 56 Seiten dünne Buch beinhaltet ein Interview des renommierten Journalisten Franz Alt mit dem Dalai Lama. Es erschien am 01. Juni, seit Mitte Juli steht es auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste Sachbuch. Dort ist es zum Preis von 4,99 Euro mit Abstand der billigste Titel – von den aktuellen Top 15 der Sachbuch-Charts kosten 13 Titel mindestens das 3-fache von „Der Appell des Dalai Lama an die Welt“. Die Verkaufserlöse werden zudem noch gespendet (an die Tibethilfe).

Noch günstiger als das Hardcover ist nur dessen eigene eBook-Ausgabe – die Digital-Version wird seit dem ersten Verkaufstag verschenkt (Kindle, Thalia). Und zwar nicht nur auf deutsch, sondern in 8 Sprachen.

„Finanzieller Gedanke im Hintergrund“

HOERZU_DalaiLama2015Warum das alles? „Der finanzielle Gedanke rückt bei diesem ersten Titel des Verlags in den Hintergrund“, erklärte uns die PR-Agentur des Verlages auf Anfrage. Tatsächlich handelt es sich um die erste Veröffentlichung überhaupt von Benevento, das allerdings alles andere als ein junges aufstrebendes Verlagshaus ist, das hier mit Glück und Geschick einen Volltreffer gelandet hat. Vielmehr handelt es sich um einen mit vielen kostspieligen Marketing-Maßnahmen und Kooperationen (Titelthema in der Fernsehzeitschrift „Hörzu“ pünktlich zur Veröffentlichung) herbeigeführten Bestseller, bei dem – und bei dessen Nachfolgebänden – der Ertrag allenfalls peripher in wirtschaftlichem Gewinn gemessen wird.

Benevento ist eine neue Dachmarke des Red Bull Media House. Der Brausehersteller, in Österreich mit Servus TV und dem Monatsmagazin Servus längst auch ein reichweitenstarker Medienkonzern, macht sich zunehmend auch im deutschsprachigen Buchmarkt breit. 2013 wurde der renommierte Sachbuchverlag Ecowin übernommen, mit Benevento will man nun den Literaturbereich aufrollen.

„Begeisternde Einblicke in die Welt von Red Bull“

Red Bull Air Race

Red Bull Air Race

Wie bei allen Marketing-Aktivitäten von Red Bull geht es auch bei den Verlagen darum, direkt oder indirekt für Energydrinks zu trommeln. Mit dem Benevento-Imprint Pantauro „eröffnen sich dem Leser begeisternde Einblicke in die Welt von Red Bull“, heißt es etwa in den Presseinformationen. Und zum Literaturprogramm erklärte Benevento-Chefin Birgit Schmitz im FAZ-Interview: „Als Verleger denkt man ja aus ökonomischen Erwägungen meist so: Ich brauche noch was für Frauen, noch was Junges, eine Coming-of-age-Geschichte. Das ist für mich bei Red Bull Media House alles keine Frage mehr. Ich kann hingehen und sagen: Das ist das Buch, das ich verlegen will. Das ist das, was irgendwie in diesen Spirit von Red Bull passt.“

Kritische Leser sind gefragt

„Red-Bull-Spirit“ statt ausgeglichener Bilanz also. Was derzeit viele hiesige Fußballfans auf die Palme bringt – ein aufstrebender Verein, der nicht nach den gleichen wirtschaftlichen Spielregeln agiert wie alle anderen -, erhält auch im Buchmarkt Einzug.

Leser profitieren davon zunächst einmal natürlich: Von sehr attraktiven Preisen oder sogar Gratis-Angeboten und möglicherweise auch tatsächlich von der Publikation spannender Nischen-Titel, bei denen andere Verlage aus wirtschaftlichen Erwägungen abgewunken hätten. Analog zu anderen PR-Publikationen lohnt sich bei solchen Angeboten aber immer ein Blick auf die Auszeichnung des Geldgebers, die man auch bei der Lektüre eines Buches im Hinterkopf behalten sollte – etwa wenn es sich um einen Abnehm-Ratgeber aus dem Hause eines Energydrink-Anbieters handelt.

<Bildnachweise: Red-Bull-Dose von oben, Red Bull Air Race von Shutterstock>

 

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Kommentare


Appell des Dalai Lama: Mit Gratis-eBook und Red-Bull-Prinzip zum Bestseller – eBook-Fieber.de 14. August 2015 um 10:29

[…] Hintergrund hat jedenfalls der Getränkehersteller Red Bull seine Finger im Spiel. Denn – wie Kollege Johannes Haupt von Lesen.net anmerkt – bei dem Verlag Benevento handelt es sich um eine Tochter der Red Bull Media House GmbH. […]

Antworten

A Week in Pictures 33/2015 | André Herrmann – How about nö? 17. August 2015 um 14:29

[…] endet mein Verständnis nun einmal. 5) Wenn Sie RB trotzdem mal so richtig doof finden wollen, dann wird ihnen das hier sehr gefallen. Ach ja: Und Coup de Belgique war auch. Saint-Gillois zog mit einem 3:0 gegen UR Namur grandios in […]

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