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Wie Leser bei Buchprojekten involviert werden

Immer mehr Projekte im Selfpublishing-Bereich legen die Herausgabe von Büchern auf verschiedenste Weisen in die Hände der Kundschaft. Insbesondere Projekte von Indie-Autoren rücken die Leserschaft mehr und mehr ins Zentrum der Verlegerwelt. Allerdings zeichnet sich schon ab, dass viele Leser überhaupt nicht an einer größeren Beteiligung interessiert sind.

Auch im Jahr 2015 ist und bleibt das Selfpublishing ein großes Thema in der Buchbranche. Dabei zeigt sich mehr und mehr, welche Rolle die Leserschaft tatsächlich im Selbst-Verlag spielen kann. Das Jahr 2015 kann, wie von Digital-Book-World-Journalist Rich Bellis vorgeschlagen, dem Senior Editor von Digital Book World, vorgeschlagen, als das Jahr der Kunden bezeichnet werden. Immer mehr Projekte im Selfpublishing-Bereich legen die Herausgabe von Büchern auf verschiedenste Weisen in die Hände der Kundschaft.

Ein erster Eindruck des Selfpublishings, den auch die Autorin Poppy J. Anderson formuliert, ist nicht selten, dass hier Autoren, die keinen Verlag für ihre Bücher finden können, eine Möglichkeit bekommen zu publizieren. Mittlerweile ist aber auch bekannt, dass viele Autoren sich bewusst gegen das Publizieren in einem Verlag entscheiden. So können sie die völlige Entscheidungsgewalt über das eigene Werk behalten.

Zugleich tragen sie aber auch die volle Verantwortung für ihr Schaffen. Grundsätzlich ist klar, dass von der Leserschaft im Buchmarkt, speziell auch im Selfpublishing-Bereich, vieles abhängt. Als Kunden entscheiden letzten Endes immer sie, welche Publikationen Erfolg haben und welche nicht. Durch das Selfpublishing wird diese Abhängigkeit von der Kundschaft auf eine völlig neue Ebene geführt. Der Leser schlüpft in verschiedene Rollen.

Amazon Kindle Scout filtert mehrfach

Bildschirmfoto 2015-02-16 um 15.32.31Platzhirsch Amazon initiierte im Herbst 2014 sein Leser-gesteuerte Publishing-Programm Kindle Scout. Leser können bis zu drei ihrer liebsten “never-before-published books” für die Herausgabe nominieren. Jedes Buch hat 30 Tage, um Nominierungen zu verdienen. Der Leser bekommt als Dankeschön eine kostenlose Ausgabe des Buchs, wenn der Favorit erfolgreich war. Die ausgewählten Bücher werden von Kindle Press herausgegeben. Die Leserschaft wird hier benutzt, um Interessen zu filtern. Viele Nominierungen sind allerdings noch keine Garantie dafür, dass ein Buch auch tatsächlich verlegt wird. Vorab wie auch nachträglich werden die Bücher von Amazon aussortiert. Erste Bücher sind bereits in der Produktion, etwa die romantische Komödie “Royal Date” von Sarah Wilson.

Wattpad: Leser und Autoren werden eins

Bildschirmfoto 2015-02-16 um 15.33.13Seit 2006 ist Wattpad bereits online. Als soziales Netzwerk werden hier Autoren und Leserschaft zusammengebracht. Ausschnitte oder ganze Geschichten werden von Autoren präsentiert und von Lesern verfolgt. Eine Fan-Community kann aufgebaut und somit die Reichweite für die Autoren erhöht werden. Zudem können die Leser durch direktes Feedback Einfluss auf den Schreibprozess nehmen. Insbesondere belletristische Verlage kommen an Wattpad kaum mehr vorbei. Unter dem Motto “Erzähl es uns” startete der Piper Verlag nun in enger Zusammenarbeit mit Wattpad einen Wettbewerb für Nachwuchstalente.

Pentian: Leser als Investoren

Bildschirmfoto 2015-02-16 um 15.34.21Einen etwas anderen Ansatz hat die spanische Selfpublisher-Seite Pentian. Die Leser fungieren als Geldgeber und finanzieren die Publikation. Bereits über 1000 Bücher konnten so herausgegeben werden. Unter anderem publizierte Dennis Abrams, ein versierter Autor von bereits 30 Büchern, seinen Shakespeare-Ratgeber “The Play” auf diese Weise. Die finanzierenden Leser erhalten sowohl eine Ausgabe des Buchs als auch einen Anteil am Gewinn. Der Leser schlüpft hier in die Rolle des Verlegers und trägt als Geldgeber zu einem großen Teil das Risiko selbst.

Readership setzt auf Mash-up

Bildschirmfoto 2015-02-16 um 15.35.07Einen Mix aus diesen Konzepten bietet das gerade erst online gegangene Start-up Readership. Die Leser wählen unter den von den Autoren selbst präsentierten Büchern oder Ausschnitten aus Büchern ihre Favoriten aus und spenden Beträge ab 0,99 US-Dollar. Wenn das Ziel von 500 US-Dollar erreicht ist, wird das Buch herausgegeben. Auch hier erhalten die Leser als Dankeschön eine Ausgabe des Buchs. Bei den folgenden Marketingmaßnahmen wird auch wieder die Leserschaft ins Boot geholt. So werden sie beispielsweise gefragt, was ihnen am Buch besonders gut gefallen hat, um die beste Herangehensweise für die Werbung zu entwickeln.

Nicht alle Leser haben Bedarf

Alles in allem wird deutlich, dass der Leser viele Rollen im Buchmarkt übernehmen kann. Nicht nur die Anbieter-Seite des Buchmarkts wird dynamischer, auch die Leserschaft als Abnehmer befindet sich in ihrer Position in einem steten Wandel.

Dabei bleibt aber natürlich Frage, wie viele Leser sich tatsächlich aktiv am Publikations- und Promotions-Prozess beteiligen wollen. So herrscht auf der vom Riva Verlag initiierten Crowdfunding-Plattform 100fans.de gähnende Leere, auch bei den genannten Anbietern sowie bei Kickstarter scheitern viele Projekte. Es zeichnet sich ab, dass die Involvierung der Leserschaft eher ein zusätzliches Publikationsmodell wird, als dass es die gesamte Industrie nachhaltig auf den Kopf stellt.

Bildnachweis: Leser von Shutterstock

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