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Wie man alle zwei Monate ein Buch veröffentlicht [Kolumne]

Amazon.de listet auf der Autorenseite von Poppy J. Anderson 22 Veröffentlichungen in den letzten zwei Jahren (darunter die aktuelle Nummer 1 der Kindle Charts). Dahinter verbergen sich weder Zauberei noch Ghostwriter, sondern – punktuelle – Disziplin und harte Arbeit, führt Poppy J. Anderson in ihrer neuen Kolumne aus.

Immer wieder ist es erstaunlich, wie sehr man als Autor in alte Muster verfällt. Vor jeder Messe schwöre ich mir, dass ich mich bei der nächsten Buchmesse nicht dermaßen stressen werde, sondern bereits Tage vorher auf gepackten Koffern sitze und nicht im letzten Moment irgendeine Idee umsetzen will, die es schafft, mich um meinen wohl verdienten Schlaf zu bringen. Außerdem nehme ich mir vor, nicht in der Woche vor einer Messe ein Buch herauszubringen, da ich in den Tagen nach einer Veröffentlichung einem Zombie gleich durch die Gegend taumle und dermaßen zerstreut bin, dass ich nach meiner Zahnbürste suche, um eine Minute später zu bemerken, dass ich bereits damit begonnen habe, mir die Zähne zu putzen.

Wieso höre ich nur niemals auf mich selbst?

Gerade ist es halb eins in der Nacht, den Tanz in den Mai habe ich in diesem Jahr von vornherein abgesagt, da es morgen (bzw. heute) in der Früh nach Berlin zur LoveLetter Convention geht, und ehrlicherweise weiß ich gerade nicht, was ich zuerst tun soll. Meine letzte Veröffentlichung ist nicht einmal eine Woche alt und benötigt dank diverser Gewinnspiele und Aktionen noch sehr viel Aufmerksamkeit. Außerdem erfordert die LLC extrem viel Planung. Beispielsweise weiß ich immer noch nicht, welches Buch bzw. welchen Abschnitt ich am Samstagmorgen für die Lesung nehmen soll. Wäre der Tag einige Stunden länger, hätte ich momentan wirklich nichts dagegen.

Ghostwriter? Für mich keine Option

Poppy J. Anderson (2.v.l.) beim Self Publishing Day

Poppy J. Anderson (2.v.l.) beim Self Publishing Day

Auf dem Selfpublishing Day am vergangenen Wochenende wurde ich einige Male danach gefragt, woher meine “Produktivität” käme und wie ich es anstellen würde, neben der hohen Veröffentlichungsrate auch noch sehr aktiv in den sozialen Netzwerken zu sein. Um es vorwegzunehmen: Nein, ich beschäftige keine Ghostwriter, auch wenn ich nicht leugnen kann, dass ich tatsächlich schon solche Angebote erhalten habe.

Es gibt zwei gute Gründe, weshalb ich alles, was ich veröffentliche, selbst schreibe und weshalb ich keine Agentur etc. beschäftige, die sich um meine Netzwerkpflege kümmert. Erstens bin ich ein schrecklicher Kontrollfreak, dem es außerordentlich schwerfallen würde, etwas aus der Hand zu geben. Und zweitens soll – so pathetisch es nun klingen mag – niemand etwas in meinem Namen schreiben, weil dies für mich einem Betrug gleich käme.

Schreiben Leserinnen persönliche Nachrichten, dann sollen sie auch von mir eine Antwort bekommen und nicht von einer anderen Person, die in meinem Namen schreibt. Kaufen Leserinnen meine Bücher, dann können sie erwarten, dass es sich um meine Geschichten handelt und dass jedes geschriebene Wort auch von mir stammt.

Lange Arbeitszeiten sind relativ

Hinter einem hohen “Output” und einer ausgiebigen Netzwerkpflege stecken weder dubiose Mittel noch irgendein Zauber, sondern nichts anderes als harte und vor allem ausdauernde Arbeit. Ich will nicht leugnen, dass es anstrengend ist, von morgens bis abends bzw. nachts am Computer zu sitzen, doch wenn man seine Arbeit liebt, dann sind lange Arbeitszeiten relativ. Mir macht nicht nur das Schreiben enormen Spaß, sondern auch Marketingaktionen sowie die Betreuung meiner Seiten in den sozialen Netzwerken. Komischerweise besitze ich extrem viel Disziplin und Durchhaltevermögen, was das Schreiben betrifft, während ich sehr viel weniger diszipliniert bin, wenn es um Sport und Diäten geht.

Wenn andere Autoren mir erzählen, dass sie es schaffen, ein Buch im Jahr zu schreiben, und dass sie nicht begreifen, wie ich es schaffe, teilweise alle zwei Monate etwas zu veröffentlichen, dann weiß ich nie, was ich darauf antworten soll. Abgesehen davon, dass ich nicht die einzige Selfpublisherin bin, die einen hohen “Output” hat, habe ich ehrlich gesagt keine große Lust, meine Arbeit zu verteidigen. Jeder Autor, der ein Buch im Jahr veröffentlicht, besitzt mein allergrößtes Verständnis und meinen Respekt, weil ich sehr genau weiß, was dahinter steckt. Jedoch berechtigt das nicht dazu, meine Arbeit herabzuwürdigen oder ihr gar mit Skepsis zu begegnen, nur weil jene Autoren nicht mehr als ein Buch pro Jahr schreiben können. Jeder Autor besitzt seinen eigenen Rhythmus – meiner ist nun einmal exzessiv.

Und bevor nun der Einwand kommt, dass es sich bei meinen Büchern um “triviale Frauenliteratur” handeln würde, die sowieso keine Recherche nötig hätte, möchte ich dem von vornherein mit einem Schulterzucken begegnen. Wenn sich einige Zeitgenossen dann besser fühlen, sollen sie dies doch bitte glauben.

B_000006Über die Autorin: Poppy J. Anderson (Homepage, Wikipedia, Amazon) ist das Pseudonym einer deutschen Autorin, die seit Ende 2012 als Selfpublisherin Romane veröffentlicht, welche mittlerweile auch über Rowohlt verlegt werden. Die meisten ihrer Bücher schafften es auf Platz 1 der Bestsellerliste und haben sich insgesamt über eine Million Mal verkauft. Alle Kolumnen von Poppy J. Anderson auf lesen.net.

<Bildnachweis: Finger von Shutterstock>

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Kommentare


Bekannte Indie-Autorin des Abschreibens überführt » lesen.net 18. Januar 2016 um 15:37

[…] Indie-Autoren wird vielfach kritisch beobachtet (lesen.net Kolumne von Poppy J. Anderson: Wie man alle zwei Monate ein Buch veröffentlicht). Der neue Plagiatsfall, von der Autorin zudem noch im besten Falle fragwürdig begleitet, ist […]


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