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Neues Adobe DRM ab Juli 2014 alternativlos

Der neue, (vermeintlich) „unknackbare“ Adobe Kopierschutz ist ab Juli obligatorisch. Das geht aus einer Roadmap hervor, die ein mit dem Unternehmen verbandelter Dienstleister jetzt publizierte. Vor allem wer einen älteren eBook Reader sein Eigen nennt, könnte damit erhebliche Probleme bekommen.

Die Einführung des neuen Adobe-DRM, der den seit vier Jahren geknackten und damit weitgehend wirkungslosen Kopierschutz ablösen soll, verläuft bislang alles andere als reibungslos. Nachdem sich mit dem vor anderthalb Wochen freigegebenen Adobe Digital Editions 3 heruntergeladene eBooks in vielen Fällen nicht auf eBook Reader übertragen ließen, musste Adobe bereits einmal nachbessern.

Bislang hielt sich Adobe hinsichtlich Informationen zur Einführung des neuen Kopierschutzes bedeckt. In einer vergangenen Woche durchgeführten Telefonkonferenz, in denen der eng mit Adobe verbundene Dienstleister Datalogics seine Kunden über die neuen Adobe-Produkte informierte, gab es jetzt erstmals nähere Angaben (Youtube-Sprungmarke zur entscheidenden Stelle in der Konferenz, Folien als PDF).

Roadmap der DRM-Einführung

Roadmap der DRM-Einführung

Demnach soll schon vom 01. März mit Adobe Digital Editions 3 geladene eBooks default mit dem neuen Kopierschutz ausgeliefert werden. Händler haben allerdings für eine Übergangszeit die Möglichkeit, von ihrer Seite (Adobe Content Server) noch den alten Kopierschutz zu erzwingen.

Diese Übergangszeit endet im Juli. Von da an soll an Geräte, Apps und Software, auf denen Adobes neue RMSDK 10 (Reader Mobile SDK) zum Einsatz kommt – dazu zählt auch Digital Editions 3 -, nur noch noch mit dem neuen Kopierschutz geschützte Dateien ausgeliefert werden. Entsprechend mahnt Datalogics seine Kunden dringend, ihre Apps und eBook-Reader-Firmware auf die RMSDK 10 umzustellen.

Der neue Kopierschutz ist nicht abwärtskompatibel zu älteren RMSDKs. Wer ein eBook ab Juli mit einer RMSDK-10-Anwendung autorisiert, kann es nicht auf einem Gerät lesen, dessen Software mit einer älteren RMSDK betrieben wird.

Praktische Auswirkungen werden wohl vor allem Besitzer älterer eBook Reader spüren. Während aktuelle Modelle wie der Tolino Shine und der Sony Reader PRS-T3 in den nächsten Monaten Firmware Updates bekommen werden, wird es für ältere Geräte in vielen Fällen sicherlich keine Aktualisierungen mehr nehmen.

Nutzer älterer eBook Reader werden ausgesperrt

Updates etwa für den 2009 unter anderem von Thalia verkauften Sony Reader PRS-505 sowie weiteren Gerätegenerationen, für den Oyo oder für ältere Trekstor Geräte kann man wohl ausschließen. Das ist besonders darum ärgerlich, weil die technische Entwicklung im E-Ink-Bereich seit jeher eher gemächlich verläuft und auf einem drei, vier Jahre alten eBook Reader fast ebenso gut geschmökert werden kann wie auf einem aktuellen Gerät.

Nutzer älterer eBook Reader haben nur die Möglichkeit, bei Adobe Digital Editions 2.01 zu bleiben. Diese Software verfügt aber wie berichtet über eine schwerwiegende Sicherheitslücke, sogar staatliche Stellen mahnen zur Aktualisierung. Laden sich diese Nutzer aber Adobe Digital Editions 3 und autorisieren ihre DRM-geschützten eBooks darüber, werden sie diese von Juli an nicht mehr auf ihre Lesegeräte übertragen können.

Besitzer inkompatibler Geräte müssen also entweder an einer Software mit bekannter Sicherheitslücke festhalten, sich im Sommer ein neues Gerät kaufen (ein wesentlicher Profiteur könnte Amazon sein, The Digital Reader spricht sogar von einem „verspäteten Weihnachtsgeschenk) oder komplett auf kopierschutzfreie eBooks umsteigen. Dort ist die Auswahl freilich begrenzt, gerade Großverlage setzen mit wenigen Ausnahmen (wie Bastei Lübbe) noch voll auf Adobe. Vielleicht ändert sich das im Sommer ja – schließlich kann es auch nicht im Interesse der Publisher sein, einen beträchtlichen Teil der zahlenden Kundschaft von den eigenen Publikationen auszusperren.

<Bildnachweis: Kopierschutz von Shutterstock>

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Kommentare


Suhrkamp: eBooks “ein Unfug, ein Beschiß und ein Niedergang” » lesen.net 4. Februar 2014 um 17:16

[…] überhaupt nicht ist, mit zwei Klicks ist die Bibliothek umgezogen), was Forssmann konkret am Adobe-Kopierschutz festmacht. Übrigens verwendet Suhrkamp diesen harten Kopierschutz, der auch für zahlreiche andere […]

Antworten

Adobe rudert zurück: Doch kein DRM-2.0-Zwang ab Sommer » lesen.net 5. Februar 2014 um 11:39

[…] Datalogics offengelegte Adobe-Roadmap, nach welcher das neue DRM ab Juli alternativlos ist, zog eine Welle der Kritik auf sich. Grund: Mit Adobe Digital Editions 3 autorisierte eBooks hätten von da an nur auf Lesegeräte […]

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Johannes Haupt: Wie Adobe sein eigenes DRM tötete « buchreport.blog 7. Februar 2014 um 09:18

[…] der Telefonkonferenz eines Adobe-Dienstleisters wurde eine Roadmap offengelegt, nach der der neue Kopierschutz ab Juli alternativlos sein solle. Innerhalb dieser kurzen […]

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Bookmarks der letzten Woche (KW 6, 2014) | Büchereizentrale Niedersachsen… 11. Februar 2014 um 11:52

[…] Neues Adobe DRM ab Juli 2014 alternativlos » lesen.net […]

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