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NRW-Regierung will gebrauchte eBooks

eBooks können nicht ohne weiteres weiterverschenkt werden, der Verkauf ausgelesener eBooks ist untersagt. Die Landesregierung des bevölkerungsreichsten deutschen Bundeslandes will das nun ändern und eBooks und Print-Titel gleichstellen. Ist das überhaupt wünschenswert?

“Unterscheidung leuchtet nicht ein”

Kutschaty

Kutschaty

Beim Kauf eines eBooks erwirbt man statt einer realem Produkt in aller Regel nur eine Nutzungslizenz daran, das Verkauf und Verleih ausschließt. Nordrhein-Westfalens Justizminister Thomas Kutschaty will das nun ändern. “Mir leuchtet die Unterscheidung, die der Online-Handel zwischen realen Büchern und E-Books machen will, nicht ein”, erklärte der SPD-Politiker Anfang der Woche der Nachrichtenagentur dpa.

Der Status Quo stelle für Digital-Leser “eine deutliche Verschlechterung gegenüber dem Kauf eines gedruckten Buches dar”. Das Verschenken von eBooks sei nur indirekt möglich und viel zu kompliziert, klagte Kutschaty. Das gelte auch für gewöhnlich seitenlange allgemeine Geschäftsbedingungen und Datenschutzerklärungen, die Leser bei jedem Kauf abzunicken hätten.

Um dem AGB-Wildwuchs Einhalt zu gebieten und eBooks aus Lesersicht besser zu stellen, will der NRW-Justizminister eine Modifizierung gesetzlicher Regelungen für “einen fairen Interessenausgleich zwischen Verbrauchern und Online-Anbietern”. Dazu werde eine Bundesratsinitiative forciert. Vor Herbst 2016 – dann treffen sich Justizminister von Bund und Ländern zu Fragen des Dateneigentum – sind dazu allerdings keine Neuigkeiten zu erwarten.

Verlage mahnen ebay-Verkäufer ab…

Gebrauchte eBooks beschäftigen schon seit vielen Jahren die Gerichte im In- und Ausland. Wer eBook-Sammlungen – auch im Verbund mit Lesegeräten – bei ebay einstellt, erhält mit sehr großer Wahrscheinlichkeit Post von Anwälten. Zuletzt sorgte ein niederländisches Startup für aufsehen, dessen Geschäftsmodell von einem lokalen Gericht in erster Instanz für legal erklärt wurde.

Im von den Verlagen angestrebten Berufungsprozess wurde Tom Kabinet dann aber zu Modifizierungen verpflichtet, die de facto den Tod der Plattform bedeuteten. So muss sich der Händler das Einverständnis der Verlage für den Handel mit Dateien einholen und sicherstellen, dass Verkäufer keinen Zugriff mehr auf die von ihnen verkauften Dateien haben.

…und stellen sich quer

lendingÜberhaupt sind nicht die Händler das “Problem”, sondern die Verlage. So bietet Amazon schon seit fünf Jahren die technische Möglichkeit zum 14-tägigen Verleih gekaufter eBooks an andere Kindle-Leser. Bei den meisten eBooks bei Amazon.com heißt es allerdings “Lending: Not Enabled” in den Artikelinformationen. In Deutschland wurde die Funktion aufgrund von Vorbehalten auf Verlagsseite niemals eingeführt.

Ohne hartes DRM kein legaler Verleih

Dabei kann Amazon über sein restriktives DRM immerhin sicherstellen, dass Verleiher für die Leihzeit tatsächlich keinen Zugriff auf die Datei haben und nur eine bestimmte Anzahl von Leihen möglich ist (wenn überhaupt). Ähnlich sieht es beim Adobe-DRM der Onleihe aus. Nachdem sich die großen deutschen Verlagsgruppen in Deutschland gerade erst von hartem Kopierschutz verabschiedet haben, wäre ein für einen rechtssicheren Weiterverkauf oder Verleih nötiges Kopierschutzssystem ein krasser Rückschritt und alles andere als leserfreundlich.

Verlage und Autoren verweisen nicht zu unrecht darauf, anders als Print-Bücher nutzten sich eBooks nicht ab und verlören damit gegenüber der Neuanschaffung nicht an Wert, von Möglichkeiten der Verfielfältigung ganz zu schweigen. Eine unregulierte “Legalisierung” gebrauchter eBooks wäre für die Buchindustrie zweifelsohne eine Katastrophe und kann nicht im Interesse von Lesefreunden sein.

Königsweg: Billigere “neue” eBooks

Der unbestreitbare Nachteil bei der Ausstattung von eBooks gegenüber Print-Büchern sollte sich vielmehr in einem entsprechend kräftigen preislichen Abschlag wiederspiegeln. Bei dem sich die Politik nützlich machen könnte, indem der ermäßigte Mehrwertsteuersatz endlich auch für eBooks Gültigkeit bekommt.

<Bildnachweis: Gebrauchte eBooks von Shutterstock>

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