Skip to main content

6 E-Reading-Vorhersagen für 2014

Nach einem turbulenten E-Reading-Jahr 2013 läuft das neue Jahr traditionell eher gemächlich an. Das gibt uns die Gelegenheit, einen Blick in die Glaskugel zu werfen: Hier sind sechs Vorhersagen für 2014.

eBook Reader: Dünner, leichter, schärfer, größer

Die ganz großen Innovationen blieben uns die eBook-Reader-Hersteller im vergangenen Jahr schuldig. Die schon 2012 debutierten Leucht-Reader setzten sich 2013 auf breiter Basis durch, ebenso die „HD-Auflösung“ 1024x758px für den 6″ Formfaktor. Pocketbook demonstrierte mit seinem Color Lux eher unfreiwillig, wie unausgereift farbiges E-Ink noch ist. Stand jetzt halten wir es für unwahrscheinlich, dass sich farbiges E-Paper 2014 durchsetzen wird.

Kobo Aura HD: Ein Trendsetter?

Kobo Aura HD: Ein Trendsetter?

Einen Fingerzeig in Richtung 2014 gab es schon im Mai 2013. Das Kobo Aura HD verfügt über ein 6,8″ Display mit 1440x1080px, die entsprechende dpi-Zahl (265) ist bis jetzt unerreicht. Dem Vernehmen nach will Amazon schon im Frühjahr 2014 mit einem größeren und schärferen Kindle nachziehen. Unabhängig davon, ob ein solches Gerät schon so bald kommt: 2014 werden wir einige eBook Reader namhafter Hersteller mit Bildschirmdiagonalen im Bereich zwischen 6 und 8 Zoll sehen. Noch größere eBook Reader wie der Sony DPT-1 und das Pocketbook CAD werden hingegen weiterhin eine Randerscheinung bleiben.

Neben größeren und höher auflösenden Screens wird das Gewicht eine entscheidende Rolle spielen. Der Kindle Paperwhite wiegt rund 210 Gramm, die leichtesten Leucht-Reader bringen knapp über 180 Gramm auf die Waage. Nachdem es 2013 eine deutliche Gewichtsreduktion bei Tablets gab, werden 2014 die eBook Reader an der Reihe sein, E-Ink arbeitet intensiv an dieser Front. Eine weitere Verschlankung wird die Portablität elektronischer Lesegeräte noch einmal erhöhen und für eine stärkere Differenzierung zu Tablets sorgen.

Das Ende der Sony Reader

Sony Reader PRS-T3 - der letzte seiner Art?

Sony Reader PRS-T3 – der letzte seiner Art?

Der Sony Reader PRS-T3 hat selbst viele eingefleischte Fans des japanischen E-Reading-Pioniers enttäuscht. Wie schon im Vorjahr sind die Neuerungen vor allem kosmetischer Natur, insbesondere die weitere Abstinenz der vielgewünschten Bildschirmbeleuchtung sorgte für Unmut.

Sony macht keinen Hehl daraus, dass eBook Reader im hauseigenen Konzert der Mobile Devices (Tablets, Smartphones und so weiter) allenfalls eine Nebenrolle spielt, und bald wohl nicht einmal mehr die. Der Sony Reader PRS-T3 wurde schon nicht mehr in den USA veröffentlicht. Mit dem DPT-S1 hat der Hersteller zwar noch einmal ein Ausrufezeichen gesetzt, allerdings in einem sehr speziellen Marktsegment. Die Zeichen stehen auf „Abschied auf Raten“ – wenn es im Herbst keinen PRS-T4 geben wird, wäre das für uns alles andere als eine Überraschung.

Amazon.de rüstet funktional auf (+Goodreads)

Goodreads bei Amazon - bald wohl auch bei uns

Goodreads im Kindle Paperwhite 2 – bald wohl auch bei uns

Die Stategie von Amazon ist seit Jahren dieselbe: Neue Funktionen und Contentkonzepte werden zuerst in den USA eingeführt und im Erfolgsfall dann auf weitere Märkte ausgeweitet. So war es in der Vergangenheit unter anderem mit der Kindle Leihbücherei und Kindle Singles, und so wird es auch mit 2013 eingeführten und bislang nur in den USA zugänglichen Features sein.

Zu den Großprojekten, mit denen wir 2014 auch in Deutschland rechnen können, gehört der Fan-Fiction-Marktplatz Kindle Worlds, Kindle Serials (Fortsetzungsgeschichten, die einmalig bezahlt und dann fortlaufend automatisch angeliefert werden), der Vorablesen-Dienst Kindle First und die von Amazon verlegte digitale Literaturzeitschrift Day One. Für die größten Zerwürfnisse wird aber die Internationalisierung und internationale Integration der 2013 von Amazon übernommenen Buch-Community Goodreads sein.

Mit einem im November  ausgerollten Update haben diejenigen der 25 Millionen Goodreads-Mitglieder, die in den USA wohnen, von ihrem Kindle Paperwhite 2 aus Zugriff auf Goodreads-Funktionen bekommen. In Deutschland hat Goodreads bislang noch keine ernsthaften Anstrengungen unternommen, in größerem Maße Fuß zu fassen – nur ein kleiner Teil der Oberfläche ist überhaupt in deutscher Sprache nutzbar. Wenn Amazon Ernst macht und Goodreads richtig nach Deutschlnad bringt – und das ist nur eine Frage der Zeit -, kann es angesichts der großen Reichweite von Amazon.de und seiner Kindle-Plattform aber schnell eng werden für hiesige Buch-Communitys wie Lovelybooks (Holtzbrinck) und wasliestdu.de (Mayersche). Auch gegenüber der Tolino-Allianz könnte sich Amazon mit Goodreads ein weiteres Alleinstellungsmerkmal verschaffen.

Erste Risse in Tolino-Allianz

Teure Promotion-Aktionen für Tolino-Geräte bestimmten das Weihnachtsgeschäft.

Teure Promotion-Aktionen für Tolino-Geräte bestimmten das Weihnachtsgeschäft.

Nach einigen Kinderkrankheiten wie die zum Verkaufsstart des Tolino Shine nicht ausgereifte Firmware und fehleranfällige Apps hat die Tolino-Allianz in den letzten Monaten mächtig aufgedreht und wohl auch einigen Boden zu Amazon gut gemacht. Nicht zu unrecht: Der Tolino Shine hat sich nach drei großen Firmware Updates zu einem richtig guten eBook Reader gemausert, die Tolino Tablets bieten viel Leistung und Qualität fürs Geld, insbesondere im Weihnachtsgeschäft gab es die Tolino-Geräte zu extrem guten Preisen.

Freilich ist der Erfolg teuer erkauft: Die Investitionen für TV-Spots, Zeitungsanzeigen & Co. gehen in die Millionen, zudem wird wohl bei der Hardware draufgezahlt – in der Hoffnung auf eine Refinanzierung über verkaufte Inhalte, was aber gerade bei den offenen Android-Tablets ein schwieriges Unterfangen wird. Der Schlingerkurs der US-Buchhandelskette Barnes & Noble, die ihr Tablet-Geschäft nach Millionenverlusten einstellen wollte (und zwischenzeitlich wieder davon Abstand nahm), offenbart die Gefahren des finanziellen Kräftemessens.

Aber auch die Tolino-Allianz selbst steht auf fragilen Beinen. Die beiden großen Buchhandelsketten Thalia und DBH (Weltbild, Hugendubel), neben Bertelsmann und Technologiepartner Telekom die Initiatoren und bis heute einzigen Allianzmitglieder, stehen beide gewaltigen Herausforderungen gegenüber. Weltbild hat massive finanzielle Probleme und muss von seinen kirchlichen Gesellschaftern gestützt werden. Thalia ist als Teil der Douglas-Holding in den Händen eines US-amerikanischen Finanzinvestors, der die margenschwache Buchhandelskette lieber heute als morgen abstoßen würde. Und beiden Händlern hängt ein überdimensioniertes Filialnetz am Bein, das im E-Reading-Geschäft sicherlich seine Vorteile hat, aber einen riesigen Kostenfaktor darstellt.

Hinzu kommt die schwierige Gradwanderung, Verbündete und gleichzeitig harte Wettbewerber zu sein. So überboten sich Thalia und Weltbild im Weihnachtsgeschäft mit Tolino-Rabatten – für Kunden gut, für das Geschäftsergebnis weniger. Außerdem entsteht so viel Konfliktpotenzial. Der Weg zur E-Reading-Marktführerschaft in Deutschland wird für die Tolino-Allianz auf jeden Fall steinig und verlustreich, Rücksetzer sind trotz des positiven Weihnachtsgeschäftes sehr wahrscheinlich.

Flatrates & Co: Jahr der Wahrheit für neue Geschäftsmodelle

Jahr der Wahrheit auch für Skoobe

Jahr der Wahrheit auch für Skoobe

2013 hat die Piratenseite boox.to gezeigt, dass es eine große Zahlungsbereitschaft für eBook-Flatrates gibt. Der angeblich über 10.000-fach bezahlte Monatspreis von 3,33 Euro wäre freilich in legaler Form für keine Branchenseite zufriedenstellend, der Erfolg des durch großes Sortiment und einfache Zugänglichkeit bestechenden Angebotes ist aber ein Fingerzeig.

Mit der durch das Weihnachtsgeschäft noch einmal deutlich gestiegenen Gerätebasis müssen jetzt Plattformen wie die von Bertelsmann und Holtzbrink getragene eBook-Flatrate-Skoobe, die nach unseren Informationen bislang tiefrote Zahlen geschrieben hat, beweisen, dass sie die Nutzer für sich begeistern können. Ein Umdenken auf Verlagsseite in Sachen „harter Kopierschutz“ und eine damit einhergehende Ausweitung der Flatrate auf eBook Reader wäre dafür sicherlich hilfreich.

Auch zum Thema „Gratis eBooks dank Online-Werbung“ gibt es einen neuen Anlauf, daneben werden wir wohl noch das eine oder andere Subskriptionsmodell sehen (Piratenblogger Spiegelbest bringt eine von Indie-Autoren initiierte Flatrate für ihre eigenen eBooks ins Spiel – warum nicht?). All diese Geschäftsmodelle müssen aber für die Betreiber auskömmlich sein und sich für Rechtebetreiber gegenüber dem Einzelverkauf lohnen, sonst könnte ihnen schon bald wieder der Hahn abgedreht werden.

Der eBook-Preis wird heiß

Gleich 25 Kindle Deals der Woche gibt es in der ersten Kalenderwoche 2014 bei Amazon.de, darunter befinden sich Titel von Großverlagen wie Ullstein, Fischer, Blanvalet und Droemer Knaur. Ein Signal: Der Verkaufspreis gewinnt beim Marketing auch für die Großverlage eine immer wichtigere Rolle, nachdem Indie-Autoren über „99-Cent-Aktionen“ schon seit einiger Zeit ihre eBooks an die Spitze der Kindle-Charts bringen. Auch die Tolino-Partner und weitere eBook Stores machen ihre eigenen Deals, immer mehr Händler schlüpfen gleich selbst in die Verleger-Rolle und bringen eigene Bundles und Exklusiv-eBooks in den Markt.

Die Verleger tanzen dabei auf der Rasierklinge. Denn zwar wollen alle Publisher mehr eBooks verkaufen, wofür Preisaktionen eben auch ein gutes Mittel sind. Niemand will aber dauerhaft niedrigere eBook-Preise beziehungsweise ein solches Bewusstsein in den Köpfen der Konsumenten – ein typisches Gefangenendilemma.

USA: Nook wird eingestampft, Amazon eröffnet Ladengeschäfte, …

Amazon Ladengeschäft

Amazon Ladengeschäft

Auch unsere US-amerikanischen Kollegen haben sich an Vorhersagen für 2014 versucht. Das Fachblatt Digital Book World prognostiziert unter anderem eine Schließung oder Auslagerung der verlustreichen Nook-Sparte durch Barnes & Noble und physische Ladengeschäfte von Amazon (in der Weihnachtszeit gab bereits Experimente). The Digital Reader erwartet nach dem Goodreads-Kauf 2013 auch für 2014 einen überraschenden Zukauf oder Markteintritt durch Amazon. Und die weltgrößte Self-Publishing-Plattform Smashwords geht von schärferem Wettbewerb, niedrigeren Preisen, einem Siegeszug von Abo-Modellen und mehr selbstverlegenden Erfolgsautoren aus.

<Bildnachweis: Glaskugel von Shutterstock>

Ähnliche Beiträge


Kommentare


eReading – Ausblick auf 2014 | unwu 9. Januar 2014 um 15:19

[…] Interessante Prognosen für den eReading-Bereich auf lesen.net… […]

Antworten

Weltbild-Pleite: Wissenswertes für Digital-Leser » Debatte » lesen.net 12. Januar 2014 um 11:24

[…] vor einer Woche, in unseren E-Reading-Vorhersagen für 2014, malten wir den Teufel an die Wand: Wenn einer der großen Tolino-Partner stürzt, bringt das die […]

Antworten

Deutscher Sony Reader Store schließt – Kunden gehen an Kobo » lesen.net 8. Mai 2014 um 21:36

[…] Schließung der europäischen Sony eBook Stores kommt nicht unerwartet – so prognostizierten wir “Das Ende der Sony Reader” schon in unseren E-Reading-Vorhersagen für 2014 im […]

Antworten

5 E-Reading-Vorhersagen für 2015 » lesen.net 30. Dezember 2014 um 12:44

[…] ziemlich genau einem Jahr prognostizierten wir unter anderem “Das Ende der Sony Reader”, eine Fortsetzung des Trends zu […]

Antworten

Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*