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Adobe weiß, was du im letzten Sommer gelesen hast

Nutzer der Adobe-Software Digital Editions werden offenbar massiv ausgespäht. Dabei werden sogar Informationen zu eBooks gesammelt und auf den Adobe-Server übertragen, die überhaupt in Digital Editions importiert werden. Besonders kritisch: Die Daten werden in Klartext übertragen.

Publik gemacht wurde die Datensammelwut am gestrigen Dienstag von The Digital Reader. Demnach überträgt Version 4 von Adobe Digital Editions folgende Informationen vom Nutzer-PC an die Server von Adobe

  • die Namen der verwalteten eBooks nebst Format, Verlag, Import-Datum und weiterer Meta-Daten
  • die zuletzt gelesene Seite in den jeweiligen eBooks

Übertragung in Klartext

Übertragen werden außerdem Angaben zu nicht mit Adobe Digital Editions verwalteten eBooks, ebenfalls mit Meta-Daten. Sämtliche Informationen werden in plain text transferiert und können damit von Dritten mitgelesen werden, die die Datenpakete abfangen. The Digital Reader hat die innerhalb der Software getrackten und übertragenen Informationen sowie die ebenfalls übertragenen Ergebnisse der Suche nach sonstigen eBooks als Text-Dateien publiziert.

Die Daten kommen von der im vergangenen Monat veröffentlichten Adobe Digital Editions Version 4. Adobe Digital Editions 3 und 2, die weniger sammelwütig sein sollen, sind nach wie vor auf der Adobe-Website zu bekommen. Das Unternehmen hat bislang keine Stellungnahme abgegeben.

Nahezu alternativlos für epub-Leser

An der Verwaltungs-Software Adobe Digital Editions ist für epub-Leser nach wie vor kaum ein Vorbeikommen. Bis auf wenige Verlage setzen abseits der Kindle-Plattform alle großen Publisher auf den Adobe-Kopierschutz, obgleich er längst geknackt ist. Zwar ermöglichen aktuelle eBook Reader von Tolino, Kobo & Co. das Kaufen und Autorisieren von eBooks direkt über das Gerät. Spätestens wenn ein Export der Dateien aus dem Anbieter-Ökosystem ansteht, ist an Digital Editions aber kaum ein Vorbeikommen.

Anzumerken ist, dass auch diese Plattform-Betreiber umfangreiche Nutzungsdaten auf ihren Server horten, allen voran Amazon. Anders wären Funktionen wie die Synchronisation der zuletzt gelesenen Seite über mehrere Geräte hinweg gar nicht möglich. Kritisch ist, dass Adobe auch Informationen zu “fremden” eBooks überträgt, mehr aber noch die unverschlüsselte Übertragung von durchaus sensiblen Informationen (wie eigenen Buchbeschreibungen). Die Verschlüsselung dürfte Adobe zeitnah nachpatchen, die eigentliche Datensammlung hat aber zweifelsohne Methode.

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Kommentare


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