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Alter Wein in neuer E-Reading-Studie: LCD-Lesen hält wach

Eine neue Havard-Studie hat sich mit den Auswirkungen von Lesen auf elektronischen Geräten kurz vor dem Einschlafen beschäftigt – mit dem wenig überraschenden Ergebnis, das stundenlange Lektüre auf Tablets und Smartphones vor dem Zubettgehen den Schlaf stört. Ungenaue Formulierungen sorgen aktuell dafür, dass auch beleuchtete eBook Reader in ein schlechtes Licht gerückt werden.

E-Book-Licht verstellt die innere Uhr (N-TV), E-Book-Lesegeräte halten wach (Weserkurier), Forscher warnen: E-Books machen krank (Focus Online), Licht von E-Book-Geräten kann innere Uhr beeinflussen (Abendzeitung) – eine dpa-Meldung sorgt kurz vor Weihnachten für Schlagzeilen, die das Potenzial haben, die erste Freude über einen unter dem Baum gefundenen Tolino Vision oder Kindle Paperwhite zu vermiesen.

Im ersten Satz des dpa-Artikel heißt es: „Das Licht eines E-Book-Readers oder Tablet-PCs hat oft einen höheren Blau-Anteil als das einer Nachttischlampe.“ Sind schon die Überschriften sehr irreführend, ist dieser Einstieg schlicht falsch. Denn beleuchtete Lesegeräte waren gar nicht Gegenstand der Untersuchung.

Ausschließlich Tablets untersucht

Die von der renommierten Harvard Medical School durchgeführte Studie gab 12 Probanden jeweils ein Gerät zur Lektüre von eBooks oder ein Buch, auf dem sie vor dem Schlafengehen 4 Stunden (!) lesen sollten. Ergebnis: Die eBook-Leser brauchten länger zum Einschlafen, schliefen unruhiger, waren am nächsten Morgen weniger erholt.

Als Lesegeräte nutzten die Probanden ausschließlich iPads, berichtet die Washington Post. Im Rahmen der Studie wurden außerdem die Beleuchtungswerte folgender Geräte untersucht
Bildschirmfoto 2014-12-23 um 09.27.31

Auch hierunter befindet sich kein einziger dedizierter eBook Reader mit Beleuchtung. Der geprüfte Kindle ist unbeleuchtet und hat darum das selbe Leucht-Level wie das gedruckte Buch (rechte Spalte).

Damit ist der Neuigkeitswert der Studie sehr überschaubar. Schon im April 2010 berichteten wir unter dem Titel „Forscher: iPad nichts für den Nachttisch“ über eine gleichartige Studie und sprachen selbst damals von „alt Bekanntem“. Schade, dass sich die Wissenschaftler nicht auch Leucht-Reader angeschaut haben – ob die seitliche Beleuchtung dedizierte Lesegeräte einen anderen Effekt auf Lesende hat als Deckenlicht, wäre tatsächlich eine Untersuchung wert.

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Kommentare


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