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[Update] Amazon blockiert eBook-Verleihseite

lendleSchon kurz nachdem Amazon Ende Dezember erste Kindle eBooks verleihbar machte, schossen eine Vielzahl verschiedenartiger Plattformen für die Zusammenführung von Angebot und Nachfrage aus dem Boden. Dass Amazon (und Mitbewerber mit ähnlichem Angebot wie Barnes & Noble) diese Plattformen aus ökonomischen Gesichtspunkten nicht recht sein kann, merkten wir schon damals an – heute nun griff das Unternehmen aus Seattle erstmals durch und sperrte die populäre Plattform lendle.me aus.

Amazon unterband den Zugriff von lendle.me auf die Kindle Store API, womit die (automatisierte) Auflistung und Abwicklung vom eBook-Verleih unmöglich gemacht wurde. Als Reaktion darauf lendle.me offline und publizierte eine Erklärung, nach welcher Amazon die Nicht-Vereinbarkeit des Geschäftsmodells mit „dem primären Ziel [der genutzten Affiate API], Amazon Verkäufe zu vermitteln“, für die Sperrung verantwortlich machte.

kindle-front-graphiteDie Betreiber von lendle.me halten dem entgegen, ein Verleih sei naturgemäß nur mit zuvor gekauften eBooks möglich; zudem werde Lesefreunden, die das eBook nach 14 Tagen noch nicht ausgelesen haben, der Titel nochmals (via Affiliate Link) zum Kauf auf amazon.com offeriert. Amazon hat sich zum Sachverhalt noch nicht geäußert, anderen Verleihseiten nach Informationen von cnet aber bereits ähnliche Schreiben zukommen lassen; ein besonders krasser Einzelfall (wie zunächst von Kollege Nate vermutet) liegt hier also nicht vor.

Es liegt auf der Hand, dass Amazon bei Einführung der Verleihfunktion eher an ein Äquivalent zur Weitergabe des gedruckten Buches im Freundeskreis als an vernetzte Verleihmarktplätze gedacht hat, bei denen sich Dritte auf Kosten der Kindle Store Umsätze bereichern (zumindest mittelbar). Sicherlich entspricht – analog zu Piracy – ein ausgeliehenes eBooks nicht 1:1 einem nicht vollzogenen Kauf; der eine oder andere Umsatzdollar wird hier aber bestimmt auf der Strecke bleiben.

Die Parallele zum gedruckten Buch sollte Amazon allerdings nicht zu laut betonen, nennt das Unternehmen doch den wohl größten Marktplatz für gebrauchte Literatur sein Eigen. Auch der (zumindest in der Vergangenheit) entgeltlose weitgehend anonyme Verleih von ausgelesenen Büchern über Plattformen wie Tauschticket würde einen völlig flexiblen Austausch von digitaler Literatur rechtfertigen, ist allerdings schon strukturell im geschlossenen und hardwareseitig zunehmend subventionierten Kindle-Ökosystem nicht vorgesehen. Fakt ist: Ein eBook verfügt gegenwärtig nur dann über ähnliche Nutzungsmöglichkeiten wie ein gedrucktes Buch, wenn es völlig frei von hartem Kopierschutz daherkommt.

[Update 23.03. 11:00 Uhr] Amazon hat den API-Zugang für lendle.me zwischenzeitlich wieder freigeschaltet – unter der Bedingung, das eine bislang vorgenommene automatische Synchronisation zwischen Kindle- und lendle.me-Accounts von Kunden künftig ausbleibt. In der Konsequenz denken die Betreiber nun darüber nach, wie sie ihren Dienst mittelfristig völlig unabhängig von solchen Schnittstellen betreiben können – Konkurrent Barnes & Noble bietet für seine Nook-Plattform ohnehin keinen externen Datenbankzugriff an.

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Kommentare


walfischbucht 23. März 2011 um 10:51

Offenbar stieß sich Amazon am BookSync tool von lendle. Jedenfalls berichtet lende.me nun selbst: „We’re back!“

http://lendle.me/amazon-api-revocation/

Antworten

nameless 23. März 2011 um 10:52

wieder zurück…

http://lendle.me/amazon-api-revocation/

Antworten

nameless 23. März 2011 um 10:53

zu langsam :D

Antworten

Johannes 23. März 2011 um 11:10

Danke für die Info, hab ich oben ergänzt.

Ciao
Johannes

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