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Amazon.com bindet Buchhandel in Kindle-Verkauf ein

Amazon sucht sich neue Verkaufspartner für seine Kindle-Plattform an erstaunlicher Stelle. Das Unternehmen hat ein neues Programm aufgelegt, mit dem Buchhändler nicht nur am Geräteverkauf partizipieren, sondern zwei Jahre lang an jedem über die Kindle-Plattform verkauften eBook mitverdienen können.

Amazon Source wird für einige Diskussionen in der Branche sorgen. Das Unternehmen, dem für den Kahlschlag im unabhängigen Buchhandel in den letzten Jahren eine große Mitverantwortung zugeschrieben wird, will die (verbliebenen) Buchhändler jetzt mit ins Kindle-Boot holen. Dafür werden Kindle-Geräte (eBook Reader wie Tablets) 6 Prozent unter dem empfohlenen Verkaufspreis abgegeben, auf Zubehör gibt es 30 Prozent Discount. Nicht verkaufte Artikel können innerhalb eines halben Jahres problemlos zurückgegeben werden, verspricht Amazon.

10 Prozent pro eBook, zwei Jahre lang

Wirklich attraktiv macht das Programm aber die Möglichkeit, zwei Jahre lang 10 Prozent Provision auf jedes Kindle Book zu bekommen, dass vom vermittelten Kunden gekauft wird. Die Provision ist zwar selbst fürs eBook-Geschäft überschaubar, hiesige Distributoren bieten Buchhändlern eine weitaus höhere Erlösbeteiligung. Die Attraktivität der Kindle-Plattform und ihrer Inhalte hat aber zweifellos das Potenzial, das „weniger“ an Provisionen durch höhere Umsätze mehr als auszugleichen.

Die genannten Konditionen gelten ausschließlich für Buchhändler. Offline-Händler aus anderen Sparten bekommen einen höheren Einkaufsrabatt (9 Prozent auf Hardware, 35 Prozent auf Zubehör), verdienen aber nicht dauerhaft mit. Amazon Source gibt es ab sofort in den USA, von einer Internationalisierung des Programmes war noch keine Rede.

Pakt mit dem Teufel aus dem Netz

In der Pressemitteilung zum am heutigen Mittwoch aufgelegten Programm wird auch der Geschäftsführer des britischen Filialisten Waterstones zitiert, der bereits vergangenes Jahr eine ähnlich gestrickte Partnerschaft einging, die nach Angaben von Amazon als Blaupause für Amazon Source diente. Er sagt, über die Kooperation mit Amazon könne Waterstones den Kunden „das beste Erlebnis beim Buchkauf“ sowohl im Print- als auch im E-Book-Bereich offerieren.

Ob viele unabhängige Buchhandlungen Waterstones folgen werden, erscheint allerdings zweifelhaft. Zum einen könnte die Limitierung der Verkaufsprovisionen auf zwei Jahre ab eBook-Reader-Kauf ein Hemmschuh sein, wahrscheinlicher noch ist aber die Ablehnung von Amazon als Partner aus grundsätzlichen geschäftlichen Überlegungen. Die Daten ihrer (verbliebenen) Kunden quasi auf dem Silbertablett Amazon zu offerieren – das anders als Partner wie Kobo auch die Ambition hat, gedruckte Bücher zu verkaufen und damit in direkter Konkurrenz zum stationären Sortiment steht -, ist aus Buchhandelssicht doch sehr viel verlangt. Im Vergleich zu Amazon wirken selbst die Partner der Tolino-Allianz, deren Verhandlungen mit dem unabhängigen deutschen Buchhandel jüngst auch aus ähnlichen Gründen scheiterten, wie die netten Geschäftspartner aus dem Nachbardorf.

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Kommentare


Das war das E-Reading-Jahr 2013 » Debatte » lesen.net 22. Dezember 2013 um 23:12

[…] wie die allwöchentlichen Kindle Deals, auf die die Konkurrenz nur verzögert reagieren kann. Mit Kindle Source will Amazon den Buchhandel in den Verkauf seiner Lesegeräte und Tablets einbinden.  Und a propos […]

Antworten

Amazon: Die fünf größten Kindle-Flops » lesen.net 21. März 2014 um 12:54

[…] Mit Amazon Source startete der Händler vor drei Monaten einen neuen Anlauf, den stationären Buchhandel als Verkaufsplattform zu gewinnen – die Erfolgsaussichten sind bescheiden. Umso wahrscheinlicher ist der Aufbau eines eigenen Filialnetzes analog zu Apple und (in den USA) Microsoft. Im Weihnachtsgeschäft wurde bereits mit Pop-Up Stores in Shopping Malls experimentiert. […]

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Reuters: Amazon Marktplatz für lokale Dienstleistungen vor der Tür » lesen.net 11. Juni 2014 um 10:54

[…] eine Zusammenarbeit Sinn ergeben, immerhin tummeln sich bei Amazon schon die Kunden. Anders als bei Amazon Source, womit lokale Buchhandlungen zum Verkauf von Kindle-Geräten animiert werden sollen, handelt es […]

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Amazon eröffnet erste eigene Buchhandlung » lesen.net 3. November 2015 um 12:00

[…] Nachdem sich unabhängige Buchhandlungen nicht auf eine Handelspartnerschaft einlassen wollen (Amazon Source Programm) und bedeutsame Partner wie Waterstones in Großbritannien verloren gehen, geht es Amazon bei […]

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Amazon-Verlagstitel jetzt auch über Buchhändler bestellbar » lesen.net 28. November 2017 um 18:03

[…] für Verlagstitel des Buchhandelsfeindes Nummer 1 ablehnen. Schon die maue Bilanz des Projekts Amazon Source, das Kindle-Hardware in den unabhängigen Buchhandel bringen sollte, illustriert den Unwillen von […]

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