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Amazon schließt Exklusiv-Deal, vergrämt Leser

Amazon-Kindle-2-01.jpgAutoren sind die Gewinner“, titelten wir vor einigen Wochen im Bezug auf die Profiteure der digitalen Revolution. Damit sind sie allerdings nicht alleine: Auch Rechtehändler probieren sich an neuen Geschäftsmodellen zur Maximierung ihrer Gewinnspanne – zum Leidwesen nicht nur der Verlagsbranche, sondern bisweilen auch der Leserschaft.

In einem beispiellosen Deal hat der profilierte US-Agent Andrew Wylie ein Vertriebsabkommen mit Amazon.com über die digitale Publikation von erst einmal 20 Megasellern im Kindle Store geschlossen. Dabei könnte es sich erst um die Spitze des Eisbergs handeln, Wylie vertritt über 700 namhafte Autoren. Ob das Modell Schule macht, wird allerdings wohl erst einmal gerichtlich geklärt werden müssen: Der US-Großverlag Random House (eine Bertelsmann-Tochter) schwingt bereits seine juristische Keule, reklamiert die Rechte an einigen vom Agenten online gestellten eBooks für sich.

kindle-2.jpgAuf den ersten Blick ist die Entwicklung aus Sicht von Lesefreunden natürlich zu begrüßen: Klassiker wie Fear and Loathing in Las Vegas von Hunter S. Thompson oder Vladimir Nabokovs Lolita sind seit vorgestern endlich auch in digitaler Form verfügbar (dito in Deutschland; allerdings durchweg für $13,79 bzw. 10,60 Euro statt $9,99). Wer sich allerdings für die Literatur interessiert und ein anderes dediziertes Lesegerät als den Kindle sein Eigen nennt, hat das Nachsehen – für lange Zeit.

Volle zwei Jahre hat sich amazon.com Exklusivität für die 20 Titel (und folgende Publikationen von Andrew Wylie) gesichert, womit die eBooks – legal – nur in Amazons proprietärem .azw-Format verfügbar sind. Dank der Multiplattform-Stategie der Amerikaner kann via Software zwar auch auf PC, Mac, iPhone, iPad, Blackberry und Android-Devices gelesen werden. Andere E-Ink Reader, die vornehmlich mit eBooks im offenen epub-Standard (+ Adobe DRM) befüllt werden, können mit azw-Dateien dagegen nichts anfangen – natürlich ganz im Sinne von Amazon, die auf diesem Weg zusätzliche Anreize zum Kindle-Kauf schaffen.

Gerade in Deutschland gibt es einige gute Gründe gegen den Erwerb eines Kindle 2 (nahezu ausschließlich englischsprachiges Sortiment, kein epub-Support, …); Amazon treibt potenzielle Käufer mit seinem proprietären Ansatz und exklusiven Deals in die Tauschbörsen. Sollte das Beispiel Schule machen und etwa Literatur von Stephen King nur auf Nooks (deren Hersteller Barnes & Noble sich gerade erst vom hauseigenen eReader PDB
DRM verabschiedet hat) gelesen werden können, wird sich die Buchindustrie mittelfristig ins eigene Fleisch schneiden: Der nordamerikanische eBook-Boom ist zu einem großen Teil dem dortigen unkomplizierten Zugang zu einem großen Sortiment geschuldet, könnte sich bei der Ausbildung von Insellösungen zumindest in kommerzieller Hinsicht schnell abkühlen.

<via Techcrunch/Crunchgear & Basic Thinking>

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Kommentare


Melanie 23. Juli 2010 um 16:30

Ich hoffe wirklich, dass Firmen wie Amazon und Apple mit ihrer Stacheldrahtpolitik ordentlich baden gehen. Wenn ich mir nicht gerade billig ein Gerät kaufe, möchte ich entscheiden können, was darauf installiert oder gelesen wird. Unter den ständigen Abgrenzungsversuchen zu anderen Plattformen leiden die eigenen Kunden (da sie zu bestimmten Inhalten keinen Zugang haben) und es schreckt auch potentielle Kunden ab (die nicht auf Amazon o.ä. beschränkt sein wollen).

Ich habe in Papierbücherzeiten meine Bücher überwiegend bei Amazon gekauft. Ich würde es vielleicht wieder tun, wenn es sie dort in EPub gäbe. So wie es jetzt aussieht, verzichte ich lieber auf die oben genannten “Monopol-Bücher” oder kaufe sie mir in der Buchhandlung ums Eck. Einen Kindle kaufe ich mir deshalb noch lange nicht.

Antworten

Zitante Christa 23. Juli 2010 um 17:49

Traurig, daß die LeserInnen durch gerätegebundene Formate in die “Illegalität” getrieben werden – denn die ersten Konvertierungsprogramme werden m.E. nicht lange auf sich warten lassen…

Freundliche Grüße,
Christa

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Werner 23. Juli 2010 um 20:49

Entgegen der allgemeinen Meinung halte ich den Kindle für eine ausgesprochen offene Plattform. Die App läuft auf fast jeder Hardware, hat hohe Qualität und ist komplett einfach zu bedienen. Wir produzieren selber eBooks für Kindle, weil eben das die einzige Plattform ist, wo man die Infrastuktur vorfindet, alle Geräte und Leser weltweit zu erreichen. Natürlich gibt es Punkte, die uns nicht gefallen aber wir stehen am Anfang eines neuen Marktes. Leider haben das die deutschen Autoren und Verlage überhaupt noch nicht erkannt und jammern.
Natürlich ist EPUB sympathischer weil offen aber was sonst noch.

Wenn man über Smashwords distribuiert kann man seine Bücher im Word hochladen und wird auf ALLE Plattformen automatisch verteilt.

Es stimmt leider, was Johannes schreibt. Wir stehen uns hier im deutschsprachigen Markt selber im Weg während die umkomplizierten Amis einfach einmal drauf los gehen. Das tut unsn icht gut!

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SonyReader 23. Juli 2010 um 21:30

Zitat: “Wir produzieren selber eBooks für Kindle, weil eben das die einzige Plattform ist, wo man die Infrastuktur vorfindet, alle Geräte und Leser weltweit zu erreichen.”

Alle Geräte ? Wirklich ? Und wieso kann ich diese blöden Amazon eBooks nicht auf meinem Sony PRS-900 lesen ?

Wer keinen Kindle hat, oder kein Gerät benutzt für welches eine Kindle-App existiert, hat einfach verloren bzw. bei dem hat Amazon verloren. Und es soll ja eine ganze Menge derartiger Geräte geben…

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Jaymore 24. Juli 2010 um 16:55

>Traurig, daß die LeserInnen durch
>gerätegebundene Formate in die
>“Illegalität” getrieben werden – denn
>die ersten Konvertierungsprogramme
>werden m.E. nicht lange auf sich warten
>lassen…

Ob bereits jemand ein Konvertierungsprogramm gebastelt hat, weiß ich natürlich nicht, aber die Bücher vom azw-Format in jedes beliebige andere Format umzuwandeln (natürlich DRM-frei) ist ein Kinderspiel. Kann wirklich jeder und geht schnell. Ich vermute, aus diesem Grunde sind schon etliche Bücher von Amazon in den dunklen Ecken des Internets aufgetaucht.

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