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Kindle Singles sind da

kindle-front-graphiteAmazon macht (weiterhin) Ernst mit der Transformation des Buchmarktes: Nachdem der eCommerce-Pionier mit seinem Kindle dedizierte elektronische Geräte praktisch im Alleingang salonfähig machte, Self Publishing vorantreibt und auch schon einmal Vertriebsdeals mit Agenten statt Verlagen schließt, soll nun eine eigene digitale Buchform etabliert werden. Die ersten sogenannten Kindle Singles sind letzte Nacht im Kindle Store live gegangen.

Amazon hatte das neuartige Format im Oktober vorgestellt: Angekündigt waren (umgerechnet) 30 bis 90 Buchseiten lange Texte, wobei der Plattformbetreiber unter anderem Reportagen, Essays, Ratgeber und Kurzgeschichten im Sinn hatte. Amazon Singles sind zum einen hinsichtlich der Länge, zum anderen aber auch in Sachen Pricing unter ‘regulären’ Kindle Books positioniert und sollen nicht zuletzt spontan gekauft und gelesen werden.

days-of-thunderDie rund zwei Dutzend nun online gestellten Debutangebote sind dann auch ein bunter Mix unter anderem aus einem Diätratgeber, einer Sportreportage, einer Backstory zu Hintergründen der Terroranschläge in Mumbai und (paradoxer Weise) einer Sammlung dreier Kurzgeschichten.  Sämtliche Titel werden offensichtlich weltweit distribuiert, allerdings zu unterschiedlichen Preisen; Amazon schlägt auf außerhalb der USA verkaufte Kindle Singles seine (nur teilweise abgeschaffte) variable Roaming-Fee, woraus sich Gesamtpreise für deutsche Kindle-Nutzer zwischen 3,44 US-Dollar und 5,74 US-Dollar ergeben. Amerikaner bezahlen zwischen 0,99 US-Dollar und 2,99 US-Dollar pro Titel(einsehbar auf der Kategorieseite), Amazon nennt in seiner Pressemitteilung zum Singles-Launch eine Obergrenze von 4,99 US-Dollar für entsprechend deklarierte Texte.

long-islandEin Blick auf die Chart-Positionen rund 24 Stunden nach der Ausrollung des neuen Formats zeigt, dass die Kindle Singles gut angenommen werden – Neugier im Verbund mit den attraktiven Launchtiteln und günstigen Preisen haben offensichtlich etliche Kindle-Nutzer zum Antesten der neuen Buchform animiert. Ob und in was für Fällen das Format funktioniert, wird sich naturgemäß frühstens in ein paar Monaten abschätzen lassen; während der Vertrieb kurzer Texte etwa zu aktuellen Ereignissen (Stichwort Wikileaks) einleuchtet, erscheint der Nutzwert von 16-seitigen Memoiren doch fraglich.

Hinzu kommt die Frage der Qualitätssicherung bei Kindle Singles – ein Format, bei dem Amazon in erster Linie auf Exklusivdeals und Self Publisher setzen muss und nicht (wie bei Kindle Books) auf die Selektions- und Lektoratsprozesse in Verlagen zurückgreifen kann. Bestehende Dokumenteplattformen wie Smashwords oder in Deutschland Xinxii offenbaren ein sehr wechselhaftes Qualitätsniveau bei selbstverlegten Kurztexten. Wird hier nicht einmal eine Leseprobe bereitgestellt, droht möglicherweise nach dem Kauf ein böses Erwachen – verbunden mit Frust, der natürlich auch auf den Plattformbetreiber (bzw. dessen künftige Umsätze mit dem Nutzer) zurückfällt.

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Kommentare


Andre 28. Januar 2011 um 09:56

Hmm, das klingt ja schonmal ganz nett, aber ich stehe der großen Revolution ersteinmal skeptisch gegenüber.

Sicher, die Idee an sich hat viel Potenzial. Auch ich würde mich zum Beispiel über qualitative Essays oder Abhandlungen über meine Lieblingsthemen freuen!

Aber Diätratgeber als Launchitel ?
Davon gibt es doch nun schon wirklich mehr als genug, gratis im Netz oder für nen schmalen Euro am Kiosk in Form einer X-beliebigen Frauenzeitschrift.

Dann ist da noch die Frage der Preis-Leisung. Ähm, rechnet euch das mal hoch.
30 bis 90 Buchseiten für bis zu 6$. Das wären bei einem Verhältnis von 50Seiten/4$ bei einem Buch dann 40$ für 500 Seiten. Das sind Fachliteraturpreise vom Feinsten. Und diese würde ich dann auch noch in der Hand halten, als Hardcoverversion.Ein durchschnittliches Buch hat locker das 5-Fache an Seiteninhalt – im Vergleich zu den Singles – (gerne auch mehr)und selbst qualitative Klasse Bücher gibt es schon für 8$. Gebunden versteht sich.

Also wie gesagt, die Idee solche Singles zu Verkaufen wird (für mich) nur dann einen Erfolg, wenn

– Die Preise Stimmen
– Der Kontent Originalität aufweist
– Die Singles im Verhältnis zu
richtigen Büchern noch an
attraktivität gewinnen.

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MedienFabrik's Notizen 28. Januar 2011 um 16:43

[…] jetzt im Kindle Shop online gestellten Kindle Single Bücher sind, wie Johannes Haupt auf Lesen.net treffend bemerkt, “ein bunter Mix” an Genres und Themen. Die Kindle Single eBooks sind, […]

Antworten

Bigboo73 31. Januar 2011 um 08:36

@andre deine Rechnung würde nicht aufgehen, wenn die Singles Bücher im Bereich Ratgeber auf 60 Seiten den Informativen Inhalt von 300-500 Seiten bieten. Ohne Geschwafel ;)
Ich habe aber auch so meine Zweifel!

Was macht ein Autor der Belletristik schreibt?! Einen Dreiteiler in 10 Teile aufsplitten? Oder ein Shortversion seines Romanes herausbringen?

Formate wie John Sinclair o.ä. liessen sich prima darüber verbreiten, neu wäre das aber nicht ;)

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Tim 1. Februar 2011 um 10:46

Ich frag mal hier, weiss jemand, wann der Kindle bei Amazon.de erhältlich sein wird? Lohnt es sich für ca. 140€ den Kindle aus den USA zu bestellen oder ist warten besser?
Wenn es den Kindle in Deutschland gibt und er teurer wäre als der Import aus Deutschland, ist es dann möglich, dass Amazon.com den Versand nach Deutschland verhindert?

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Timo 1. Februar 2011 um 11:47

@Tim: Da die letzte Meldung hier vom 12. Januar besagte, dass Amazon jetzt erst einen “Head of Content acquisition Kindle DE (m/f)” sucht, würde ich mal nicht darauf bauen dass der Kindle hier schon in Kürze erhältlich ist. Das klingt eher so als ob jetzt überhaupt erst die Grundvoraussetzungen geschaffen werden, um mit den deutschen Verlagen zu verhandeln.

Abgesehen davon: Wann ist schon mal Preis für ein Gerät in D billiger als der Preis USA zzgl. Mehrwertsteuer? Wenn man Glück hat sind die Preise in etwa gleich, in der Regel ist der Krams aber immer in D etwas teurer. Das ist zumindest meine Erfahrung mit allerlei elektronischen Geräten.

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Sven 10. Februar 2011 um 01:14

“Amazon schlägt auf außerhalb der USA verkaufte Kindle Singles seine (nur teilweise abgeschaffte) variable Roaming-Fee”

Die Roaming-Fee ist nicht einmal mehr teilweise abgeschafft!
Ende Dezember waren noch fast alle Classics umsonst, aber jetzt gibt es fast keine Bücher mehr die nicht mindestens $2,30 kosten.
Was mich aber am stärksten wundert ist, dass nirgendwo über die heimliche Wiedereinführung der Roaming-Kosten berichtet wird. Interessiert das niemand?

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