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Amazon-Verluste schockieren Anleger

Jahrelang haben sie die die Zeichen der Zeit verkannt und neue Wettbewerber belächelt, anstatt das Heft des Handels selbst in die Hand zu nehmen. Viel zu spät investierten sie selbst in den Wandel – und bekommen nun die Quittung. Doch genug von der deutschen Buchbranche: Amazon legte am vergangenen Donnerstagabend Quartalszahlen vor, die ebenfalls alles andere als rosig ausfielen.

Im zweiten Quartal (April bis Juni 2014) setzte Amazon 19,34 Milliarden US-Dollar um, 23 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Allerdings zu einem hohen Preis: Der Nettoverlust belief sich auf 127 Millionen US-Dollar (Vorjahreszeitraum: 7 Millionen US-Dollar), der operative Verlust betrug 15 Millionen US-Dollar. Im Vorjahreszeitraum war Amazon operativ noch in den schwarzen Zahlen, 79 Millionen US-Dollar wurden in die Kassen gespühlt.

Hohe Verluste durch Investitionen

Waren die Zahlen schon beunruhigend, sorgte der Ausblick für blankes Entsetzen bei den Anlegern. Für das dritte Quartal 2014 prognostiziert der Online-Händler jetzt einen operativen Verlust von 410 bis 800 Millionen US-Dollar (Vorjahreszeitraum: -25 Millionen US-Dollar). Die Quittung folgte sofort: Nachbörslich notiert die Amazon-Aktie an der Wallstreet aktuell 10,6 Prozent im Minus. Seit Jahresbeginn gab das Papier um gut 20 Prozent nach.

Ein wesentlicher Grund der Verluste ging just am gestrigen Donnerstag in den Verkauf (sicherlich kein Zufall): Das Fire Phone, das erste Smartphone des Unternehmen, war mit beträchtlichen Investitionen verbunden. Auch im Kindle-Kosmos greift Amazon tief in die Tasche, so wurden die monatlichen Ausschüttungen für Leih-Vorgänge an Indie-Autoren zum Start von Kindle Unlimited fast verdreifacht und einigen Verlagen vergütet Amazon Leihvorgänge genauso wie Verkäufe.

Aktionärs-Schelte kann Amazon nicht kalt lassen

Amazon-Finanzchef Tom Szkutak ließ in der obligatorischen Telefonkonferenz im Nachgang der Zahlenbekanntgabe keinen Zweifel daran aufkommen, dass die hohen Verluste ein wohl kalkulierter Teil der Konzernstrategie sind. Man werde auch weiterhin lieber in neue Geschäfte und Produkte investieren, als sich um kurzfristige Erträge zu sorgen, sagte er. „Wir werden nicht auf den kurzfristigen Profit optimieren.“

Mit dieser Strategie, bei börsennotierten Unternehmen in dieser Ausprägung eine Seltenheit, fährt Amazon jetzt schon zwei Jahrzehnte hervorragend. Bislang goutierten das auch die Aktionäre – jetzt allerdings „reißt der Geduldsfaden“, wie das Manager Magazin prägnant zusammenfasst. Mittelfristig könnte das durchaus Konsequenzen auf das operative Geschäft haben, am Ende des Tages ist selbst Jeff Bezos Angestellter eines Unternehmen – wenn dessen Besitzer unruhig werden, kann auch ihn das nicht kalt lassen. Bezos selbst gehören übrigens noch 19 Prozent von Amazon, dieses Aktienpaket ist aktuell 31,35 Milliarden US-Dollar wert.

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