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Apple kauft und schließt E-Book-Startup Booklamp

Im Wettstreit um die besten Buchempfehlungen rüstet Apple auf. Wie erst jetzt bekannt wurde, schluckte das Unternehmen bereits im Frühjahr BookLamp, eine Plattform, die sich ganz auf mittels Datenanalyse optimierte Buchempfehlungen spezialisiert hatte. Die öffentliche Plattform wurde in Windeseile dicht gemacht, die Technologie dahinter dürfte in Bälde iBooks-Kunden zugute kommen. Wenn Apple dann einmal richtig ernst macht, wird es eng für Amazon.

Booklamp Textanalyse

Booklamp Textanalyse

Als „Zukunft der Buchentdeckung“ bezeichnete der Fachdienst Publishing Perspectives in der Vergangenheit das Konzept von booklamp.org. Das 2011 gestartete Startup machte es sich zur Aufgabe, mittels automatisierter Inhaltsanalyse die „DNA“ jedes Buches zu entschlüsseln und entsprechend passgenaue Buchempfehlungen geben zu können. Richtig abgehoben ist Booklamp als Plattform nie, die Qualität der Technologie scheint aber zumindest Apple überzeugt zu haben.

Für 10 bis 15 Millionen US-Dollar wechselte Booklamp den Besitzer, meldete Techcrunch am vergangenen Freitag. Für ein Unternehmen mit „nur“ 900.000 US-Dollar Investorengeld ist das ein sehr gutes Geschäft. Inzwischen wurde die Akquisation ansich seitens Apple bestätigt. Auf booklamp.org findet sich lediglich der Hinweis zur Schließung, darüber hinaus werden keine Angaben zur Zukunft des Projektes gemacht (außer, dass weiter am „Book Genome Project“ gearbeitet wird).

Die Kollegen von Techcrunch skizzieren drei Szenarien, was Apple mit der Booklamp-Technologie anfangen kann

  • Amazon X-Ray einen gleichartigen Dienst für iBooks-Kunden entgegenstellen – also eine Übersicht innerhalb von E-Books, an welcher Stelle welcher Charakter eingeführt wird und was passiert
  • bessere automatische Bewertung und Einordnung von Self-Publisher-Manuskripten
  • bessere Buchempfehlungen im iBookstore („ähnliche E-Books“, passigere Suchtreffer, personalisierte Empfehlungen).

Der beste Algorithmus gewinnt

Tatsächlich wird der letzte Punkt der entscheidende sein. Empfehlungs-Algorithmen sind im Kampf um Online-Buchkäufer von entscheidender Bedeutung. Selbst Klassenprimus Amazon steht hier noch ganz am Anfang, wie wohl jeder Amazon-Käufer aus eigener Erfahrung bestätigen kann – vom deutschen Wettbewerb, der mit viel Glück vielleicht gerade noch ähnliche Werke des gleichen Autoren angezeigt bekommt, ganz zu schweigen.

Apple ein „schlafender“ E-Book-Riese

Wirklich spannend wird der Blick auf Apple freilich erst, wenn der iBookstore über die hauseigene Mac-/iOS-Plattform erweitert wird – dass der Konzern hier nicht dogmatisch ist, beweist iTunes. Wenn Apple dann ernst macht, muss sich Amazon warm anziehen. Denn während der margenschwache Online-Händler gerade erst wieder Verluste vermelden musste und die Aktionäre unruhig werden, macht Apple konstant Reibach. Im ersten Quartal 2014 betrug der Gewinn 10,2 Milliarden US-Dollar, das Unternehmen hat 150 Milliarden US-Dollar auf der hohen Kante. Sollte Apple mit diesen Reserven im E-Book-Bereich eine ähnliche Strategie fahren würde wie Amazon (Marktanteil um jeden Preis), wäre es schnell vorbei mit der nahezu globalen E-Reading-Dominanz von Amazon.

<Bildnachweis: Montage von Techcrunch>

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Kindle-App für iOS bekommt “PageFlip”, Sync-Option » lesen.net 31. Juli 2014 um 13:10

[…] Wie schon öfters in der Vergangenheit lässt die Kindle-App für Android die neuen Funktionen noch vermissen, ebenso wie die Lese-App für die hauseigenen Kindle-Fire-Tablets – nicht die beste Eigenwerbung. Amazon hat schon immer nach der Device “Apple-User first” aktualisiert, dabei macht das Unternehmen über seine iOS-App keinerlei direkten Umsätze (wohl aber durch die Hintertür) – um sich die 30-prozentige Umsatzbeteiligung an Apple zu sparen, gibt es seit Jahren nur noch eine reine Lese-App ohne Kauffunktion. Trotzdem dürfte Kindle for iOS die meistgenutzte Lese-App für Apple-Geräte sein, noch vor iBooks, bei dem Apple gerade aufgerüstet hat. […]

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