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Auch Bookrix zahlt Vorschüsse an Indie-Autoren

Die Self-Publishing-Plattform Bookrix erweitert ihr Angebot durch ein neues Programm, in dem ausgewählte Autoren durch Vorschusszahlungen gebunden werden sollen. Mit Bookrix Select wolle man die Grenzen zwischen Self-Publishing und klassischem Verlag auflösen und den Programm-Autoren die Vorteile beider Bereiche bieten, heißt es in der Ankündigung zum Programm. Doch wirklich neu ist das Konzept nicht.

Das 2008 gegründete Münchner Unternehmen bot Self-Publishern bislang die Möglichkeit, ihre Texte für Leser entweder kostenfrei oder gegen Entgeld auf der Plattform zu veröffentlichen. Entscheidet sich der Autor für das Verkaufsmodell, so übernimmt Bookrix den Konvertierungsservice des Textes in das epub-Format sowie die Kosten für die ISBN-Vergabe. Darüber hinaus wird das fertige eBook in über 60 Shops eingestellt, darunter auch Amazon und Apple. Die Konditionen sind für jeden Autor und Verkaufspreis gleich, das Honorar beläuft sich auf 70 Prozent der Nettoerlöse (Verkaufspreis abzüglich Umsatzsteuer und Provision des jeweiligen Händlers). Auf Wunsch und gegen Gebühr kann der Autor ein Korrektorat in Anspruch nehmen, das den Text auf grundlegende sprachliche Richtigkeit überprüft. Ein klassisches Verlagslektorat beinhaltet dies jedoch nicht.

Self-Publishing-Plattformen führen Qualitätssegment ein

Mit diesem Konzept unterschied sich Bookrix bislang nicht erheblich von anderen Self-Publishing-Plattformen. Der Vorwurf des “Ramsch”-Sortiments aus der Hobby-Schreiber-Ecke, den Buchbranche und Kritiker immer wieder an Anbieter dieser Art richten, blieb daher auch Bookrix nicht erspart. Neben der grundsätzlich für alle Autoren offenen Publishing-Plattform ein Segment mit Qualitätssiegel einzuführen, ist jedoch keine neue Idee von Bookrix: Schon seit Ende 2010 bietet Droemer Knaur quartalsweise den zehn bestbewerteten Titeln seiner Plattform Neobooks entweder ein professionelles Lektorat oder sogar einen Verlagsvertrag, der eine Veröffentlichung in der hauseigenen Taschenbuch- oder eBook-Reihe beinhaltet.

Im Juli startete Carlsen mit zwei Digital-Imprints, für die gezielt Self Publisher gesucht wurden. Die Vorschüsse sollen sich auf einige Hundert Euro belaufen. Ähnlich funktioniert auch das Programm Kindle Singles, das zu Amazons verlegerischen Aktivitäten gehört. Hier werden gezielt Autoren für die Reihe akquiriert oder geeignete Titel übernommen, die zuvor schon über Kindle Direct Publishing publiziert wurden.  Im Unterschied zu ähnlichen Programmen wird der Qualitätsaspekt jedoch nicht speziell herausgestellt.

Bookrix Selected will erfolgreiche Autoren an das Unternehmen binden

Das neue Programm Bookrix Selected trägt nicht nur dazu bei, das Self Publishing von seinem Hobbyautoren-Image zu befreien, sondern baut auch das wirtschaftliche Standbein des Unternehmens aus, das seinen Gewinn vor allem aus den Verkäufen der eBooks generiert. Der kostenfreie Service wird jedoch weiterhin fortgeführt, er trägt dazu bei, eine große Community zu halten, deren Mitglieder ihre Titel gegenseitig lesen, bewerten und auch kaufen. Die Beurteilungen der Crowd und die Verkäufe bilden die Grundlage, auf der Bookrix die zu fördernden Autoren auswählt. Bereits erfolgreiche Autoren sollen damit noch weiter aufgebaut werden und ein Abwandern an Verlage oder Plattformen mit besseren Konditionen vermieden werden.

Über die Konditionen für Autoren im Selected-Programm wurden bislang keine konkreten Informationen bekannt gegeben. Es solle für jeden Autor eine individuelle Lösung gefunden werden, heißt es. Wie hoch der Verlagsvorschuss sein wird, der – wie in der Buchbranche üblich – mit dem späteren Honorar verrechnet wird, bleibt dabei ungeklärt, auch, inwiefern dies Einfluss auf die generelle Höhe der Erlösbeteiligung haben wird. Ein Honorar von 70 Prozent wie im bisherigen Modell scheint unwahrscheinlich. Weitere verlagstypische Leistungen wie Lektorat und Marketing werden nicht genannt, aber auch nicht explizit ausgeschlossen.

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Kommentare


Johannes vom BookRix-Team 25. September 2013 um 09:52

Vielen Dank für den Artikel. Wir von BookRix können mittlerweile noch ein paar Details ergänzen: Unsere Maßgabe, nach der wir Vorschüsse berechnen, ist in der Regel die, dass der Autor als Vorschuss bis zu 30 % des Honorars des letzten veröffentlichten Titel bekommt. Allerdings wissen wir natürlich, dass es – vor allem im Self-Publishing – immer wieder Fälle gibt, bei denen diese Rechnung schwierig oder dem Autor gegenüber nicht fair ist. Hat der Autor z.B. einen erfolgreichen ersten Teil einer Fantasy-Trilogie veröffentlicht und plant jetzt den zweiten, dazwischen ist jedoch ein Kurzgeschichtenband mit deutlich geringerem Verkaufsvolumen herausgekommen, orientieren wir uns eher an den Verkäufen des ersten Teils der Trilogie. Auch gibt es einige Autoren, die monatlich beachtliche Verkaufszahlen erreichen, das aber nicht mit einem Titel sondern mit einer ganzen Reihe kürzerer Titel. Daher lassen wir uns für jeden Autor etwas Spielraum, die generelle Maßgabe sind aber die 30 % des Autorenhonorars der vorangegangenen Veröffentlichung. Um Klartext zu sprechen: Natürlich sind die Vorschüsse damit abhängig von den bisherigen Veröffentlichungen der Autoren, wir bewegen uns aber bereits bei den ersten Autoren, mit denen wir sprechen nicht unterhalb des vierstelligen Bereichs. Im Self-Publishing sind die Honorare mittlerweile schließlich auf einem Niveau, die solche Summen realistisch werden lassen.

Der Anteil, den wir Autoren auszahlen, bleibt auch im Falle einer Vorschusszahlung bei 70 % des Nettoerlöses. Sobald das Buch also die Vorschusssumme eingespielt hat, erhalten die Autoren im BookRix Selected-Programm ihre Honorare wie bisher gewohnt. Wir wollen natürlich am liebsten aus jedem Buch einen Bestseller machen (wer will das nicht? ;-)) und werden die Autoren nicht mit geringeren Honoraren bestrafen, nur weil wir einen Vorschuss gezahlt haben. Das Vorgehen wäre aus unserer Sicht auch kontraproduktiv.

Eine Anmerkung noch zu den Autoren, die ins Programm aufgenommen werden: Unser Programm steht natürlich auch Autoren offen, die bislang nicht über BookRix veröffentlicht haben. Man braucht sich also nicht erst bei uns ein Netzwerk aufzubauen, um eine entsprechende Anzahl unserer User im Rücken zu haben. Wir wollen Autoren mit Erfolg im Buchmarkt und andersherum auch Erfolg im gesamten Buchmarkt mit unseren Autoren haben. Wir empfehlen unsere Community natürlich immer als wirksamen Weg, Leser für die eigenen Werke zu begeistern, aber verkaufstechnisch wollen wir mit BookRix keine abgeschlossene Mikroökonomie schaffen. Daher sind wir offen für alle. Bewerben für das Programm kann man sich mittlerweile auch unter der E-Mail-Adresse selected [at] bookrix [dot] com.

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Crowdfunding für Bücher: 100Fans und die Alternativen » Debatte, eBooks » lesen.net 26. September 2013 um 20:29

[…] und erhalten mit erfolgreichem Abschluss der Funding-Phase ihren Anteil an den Erlösen. Als Konkurrenz dazu positionierte sich gerade Bookrix, die dem Autor durch Honorarvorschüsse die Arbeit am nächsten Buch […]

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