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B&N verteuert eBooks, erzürnt Nook-Nutzer

macmillan-logoViel Gesprächsstoff gab es in den vergangenen Wochen rund um den Konflikt zwischen US-Verlagshäusern – an vorderster Front die Holtzbrinck-Tochter Macmillian – und Amazon.com zur Bepreisung von eBooks. Im Kern ging es darum, dass die Publisher die Hoheit über das Pricing ihrer Inhalte behalten beziehungsweise zurückerlangen wollen, um über eine monetäre Differenzierung zwischen den verschiedenen Ausgaben ihrer Werke einer Kannibalisierung der lukrativen Hardcover-Sales vorzubeugen.

Die Abkehr von der gegenwärtigen “$9,99-Policy” (Standardpreis für Bestseller) hätte auch Konsequenzen für die Konkurrenz – in den eBook-Stores von Sony und von Barnes & Noble lagen die meisten neuen eBooks bislang ebenfalls auf diesem Preisniveau. Während sich allerdings Amazon nach wie vor medienwirksam  als Stimme der Kundeninteressen inszeniert und an seiner Niedrigpreisstrategie festhält, hat B&N in den letzten Tagen kräftig an der Preisschraube gedreht. Viele eBooks wurden praktisch über Nacht um 30% bis 60% verteuert, kosten nun teilweise sogar mehr als die Hardcover-Ausgabe.

101539916_43c178e553Wenig überraschend zog die größste stationäre Buchhandelskette damit den gebündelten Zorn der Nook-Gemeinde auf sich, deren Lesegeräte über eine Wireless-Anbindung an den nun deutlich weniger attraktiven eBook-Shop von Barnes & Noble verfügen. Ein Beschwerdethread im offiziellen B&N Forum schwoll innerhalb von fünf Tagen auf 450 Kommentare von verärgerten Nutzern an, die häufig kein gutes Haar am Konzern ließen. Ironischer Weise wird dabei vielfach auch der Vergleich zu den eBook-Preisen bei Amazon.com bemüht, die noch weitgehend stabil niedrig sind.

Auch am Barnes & Noble DRM entzündet sich im Zuge der Diskussion um hohe Preise immer wieder Kritik. Wie im Kindle Store erwerben Kunden bei B&N keine Bücher, sondern  Nutzungslizenzen – gültig nur für die Nook-Plattform. Dabei verwendet der Buchhändler einen speziellen Kopierschutz, so dass Nook-Books trotz epub-Format nicht auf den Lesegeräten anderer Hersteller angezeigt werden können. Nachvollziehbar, dass sich Nook-Nutzer in Anbetracht teilweise über Print liegender eBook-Preise von Barnes & Noble über den Tisch gezogen fühlen und dem Konzern immer wieder Gier vorgeworfen wird.

Wer einen Nook sein Eigen nennt, kann gegenwärtig immerhin noch auf die eBook Stores von Sony & Co. ausweichen – der Sechs-Zoller kommt (bekanntlich anders als der Kindle 2) auch mit Adobe-DRM zurecht. Dann muss zwar auf die Wireless-Anbindung verzichtet und das Lesegerät ganz konventionell via USB-Kabel befüllt werden, immerhin stimmen aber noch Angebot und Bepreisung.

Es wäre aber blauäugig, die kräftigen Preiserhöhungen allein auf “geschäftstüchtige” B&N-Manager zu schieben und seinen Nook einfach gegen einen Kindle zu tauschen. Sollten die Verlagshäuser hinter der Verteuerung stecken – und vieles deutet darauf hin -, werden sich ähnliche Entwicklungen (oder eben ein zumindest temporäres Delisting vieler Inhalte wie bei Macmillian geschehen) mit Sicherheit früher oder später auch im Kindle Store wiederholen. Und Sony sind eBooks ohnehin zu billig.

Interessant dabei ist, wie weit sich die “$9,99”  inzwischen schon bei vielen nordamerikanischen Lesefreunden als Grenzpreis manifestiert haben – im Diskussionsforum von Barnes & Noble äußern sich Dutzende Anwender in die Richtung, keinesfalls mehr Geld für (aktuelle) Literatur ausgeben zu wollen. Vor dem Hintergrund ist das Bemühen von deutschen Verlagen verständlich, sich nicht auf ein ähnliches einheitliches Preisniveau für eBooks festlegen zu lassen – allerdings ist auch hierzulande immer noch nicht vermittelbar, warum für eine via Kopierschutz beschnittene Datei genauso viel zu zahlen ist wie für mehrere Hundert Seiten bedrucktes Papier.

<via Teleread / Thanks Paul!>

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Kommentare


Xanathon 23. Februar 2010 um 09:16

Tja, das haben sie sich fein ausgedacht: monopolistisches Binden der Kunden an ein proprietäres Gerät und wenn man sie gefangen hat, beliebig die Preise erhöhen. Ich würde mal vermuten, dass das bei B&N der Plan war (und bei den deutschen Verlegern noch ist).

Dumm nur, dass die derzeitigen Nutzer von eBooks aller Wahrscheinlichkeit nach Technik-affiner sind als der Rest der Kunden und dass die solche Spielchen a) schon von der Musikindustrie kennen und b) sich im Netz artikulieren können (und das auch tun), was wiederum für miese Publicity sorgt. Evolution der Netizens als Kunden, von den konservativen Anbietern, die meinen mittels ver-DRM-ter technischer Gimmicks den Markt beherrschen zu können, verschlafen.

Ich bin gespannt, wie lange es bei dieser Branche dauert, bis die Verantwortlichen schlau werden…

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Microm 23. Februar 2010 um 13:06

Das ist der Verbreitung von Ereadern ja nicht gerade förderlich.
Gerade wenn man bedenkt (wenn ich das alles richtig verstehe), das sich oftmals erst durch Teilsubventionierung durch Verkaufsplatformen (Amazon, Verizon) in dieser immer noch währenden Anfangsphase der Technikrevolution vernünftige Geräte-Preise erreichen lassen.
Und anstatt mit der Zeit zu gehen und sich weitere Märkte zu erschließen scheinen die Verlage immer noch auf dem Baum zu sitzen, den sie sich selber absägen.
Die sind auch nicht schlauer als die Musikindustrie.
Schade nur, das dadurch auch die wünschenswerte Verbreitung von E-Readern z.B. an den Schulen ebenfalls verzögert wird. Denn soviel steht meiner Meinung nach fest: Den e-Readern gehört die Zukunft.

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