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Börsenverein: Zahl der Buchhandlungen wird weiter schrumpfen

Der Buchhändler um die Ecke wird immer mehr zur Ausnahmeerscheinung. In den letzten 20 Jahren schrumpfte das Buchhandelsnetz um rund 40 Prozent – und ein Ende der Fahnenstange ist nach Ansicht des Branchenverbandes noch nicht erreicht. Auch mit eBooks könnten Buchhändler noch nicht wirklich Geld verdienen.

4.874 Buchhandlungen zählte der Börsenverein im Jahr 1998 als seine Mitglieder. 17 Jahre später, im Jahr 2015, waren davon noch 3.064 üblich. Ein im Handelsvergleich wohl beispielloser Aderlass mit einer Reihe von Gründen. Erst machten die großen Filialisten den alteingesessenen stationären Buchhandlungen mit einer massiven Expansion die Umsätze streitig, bevor sich der Internetbuchhandel – zuvorderst natürlich Amazon – ein zunehmend größeres Stück des Kuchens sicherte. Und der Gesamtmarkt tritt auf der Stelle, weil das Unterhaltungsbudget der Deutschen zunehmend in andere Kanäle tritt und sich höhere Buchpreise kaum durchsetzen lassen.

Wann ist die Talsohle erreicht? Optimistische Töne gibt es wenig, nicht einmal vom Lobbyverband der Branche. Börsenverein-Vorsteher Heinrich Riethmüller orakelte jetzt auf einer Fachkonferenz, “der Trend wird sich weiter nach unten bewegen”.Dabei gehört Riethmüller mit dem Regionalfilialisten Osiander eines der wenigen Buchhandelsunternehmen, die auf Expansionskurs sind.

Online-Konkurrenz für Modeläden & Co. wird zum Problem

Vor allem in Mittelstädten mit derzeit 3 bis 4 Buchhandlungen werde es zu weiteren Schließungen kommen, prognostiziert Riethmüller. Das wesentliche Problem sei ein spürbarer Rückgang der Frequenz in den Fußgängerzonen, bedingt dadurch, dass zugkräftige Branchen wie der Textilhandel verstärkt Kunden an Online-Händler verlieren. Darunter leiden auch die Buchhandlungen.

Nahezu alle stationären Buchhandlungen verfügen heute über eigene Online Stores. Dabei handelt es sich um Baukasten-Shops von Grossisten wie Libri und KNV, die mehr oder weniger offensiv beworben werden. Über die Grossisten können die Buchhandlungen auch eBooks verkaufen und eBook Reader ordern (Libri: Tolino; KNV & Umbreit: Pocketbook).

Künftig biometrische Kameras in Buchhandlungen?

Geld verdient damit laut Börsenverein-Vorsteher Riethmüller, dessen Unternehmen Osiander auch Partner (nicht Mitglied) der Tolino-Allianz ist, im E-Reading-Bereich allerdings noch nicht. “Wegen der notwendigen Investitionen” steckten alle Buchhändler im Geschäft noch in den roten Zahlen. Tatsächlich “müssen” Libri-Partner die Tolino-Geräte praktisch ohne Gewinn verkaufen (bei Pocketbook-Hardware bleiben ein paar Euro hängen) und verdienen erst bei folgenden eBook-Verkäufen mit.

Die hier erwartbaren Umsätze haben aber sicherlich nicht das Potenzial, den Verlust von Umsatz zu kompensieren, der aus zunehmend verwaisten Innenstädten entsteht. Umsatzpotenzial sieht Riethmüller hingegen in einem durchaus kontroversen Feld, nämlich bei der besseren Erfassung und Nutzung von Kundendaten durch biometrische Kameras. Der Osiander-Chef rechnet demnach damit, “dass in Zukunft Kunden durch elektronische Erkennungsverfahren bereits beim Betreten des Ladens identifiziert werden können”. Das würde bei den verbliebenen stationären Buchhandelskunden, die tendenziell eher älter und konservativer als der zum Thema ohnehin kritische Durchschnittsdeutsche sind, auf ein gemischtes Echo stoßen. 

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