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Buchclub für eBooks: Was taugt Entitle?

Der Anfang dieser Woche öffentlich gestartete US-Anbieter Entitle verspricht einen Buchclub für eBooks, bei dem die Käufer auch nach Ende des Abonnements nicht den Zugriff auf gekaufte Inhalte verlieren sollen.  Klingt auf den ersten Blick gut, doch bei genauerem Hinsehen offenbaren sich die Probleme des Modells.


Abo- beziehungsweise Flatrate-Angebote für eBooks sind derzeit in Mode. Die Betreiber setzen allerdings alle auf das gleiche Geschäftsmodell: Wer lesen will, muss zahlen. Beendet man sein Abonnement, ist auch der Lesestoff weg. Das US-Unternehmen Entitle geht jedoch einen anderen Weg  als Skoobescribd und Co. Bei Entitle kann man seiner Bibliothek zwar jeden Monat nur ein paar Bücher hinzufügen (zwei bis vier, je nach Preisstufe), doch diese eBooks hat man dann nach Angaben des Unternehmens auch wirklich gekauft. Das heißt, man kann sie selbst dann noch lesen, wenn man sein Entitle-Abonnement kündigt. Die Geschäftsidee entspricht also eher dem klassischen Buchclub-Modell, wie man es etwa von Bertelsmann kennt. Im Moment ist das Angebot nur in den USA verfügbar, doch Entitle plant nach eigenen Angaben eine Ausweitung auf internationale Märkte. Lohnt es sich, darauf zu hoffen?

Lesen nur über die Entitle-App möglich

Apps für viele Plattformen – aber kein Lesen außerhalb davon.

Apps für viele Plattformen – aber kein Lesen außerhalb davon.

Werfen wir zuerst einen Blick auf die technische Seite: Von Haus aus lassen sich die Bücher nicht als Dateien auf den Rechner laden oder auf einem traditionellen E-Ink-Reader anzeigen, sondern nur in der firmeneigenen App für iOS und Android-Geräte (inklusive der Tablet-Versionen von Kindle, Nook Kobo) lesen. Von da aus kann man sie zwar anscheinend über die Bordmittel von iOS und Android exportieren. Es bleibt jedoch unklar, inwiefern es danach möglich ist, sie auf anderen Geräten zu lesen. Wenn überhaupt dürfte dies nur unter Umgehung des DRM-Schutzes möglich sein, was wiederum in vielen Ländern illegal ist. Darüber hinaus stellt sich die Frage, was mit den Inhalten passiert, falls die Firma pleite gehen sollte: Kann man die eBooks dann noch lesen? Was ist, wenn die App auf einer neue Geräte- oder Systemgeneration nicht mehr funktioniert?

Preise oft höher als beim Einzelkauf

Entitles Werbung täuscht. Tatsächlich bietet Amazon dasselbe Buch für $6,99 an.

Entitles Werbung täuscht. Tatsächlich bietet Amazon dasselbe Buch für $6,99 an.

Angesichts solcher Einschränkungen sollte der Dienst zumindest preislich attraktiv gestaltet sein. Doch leider ist auch das nicht der Fall. Egal, für welches der drei Pakete man sich entscheidet, der Preis pro Buch beträgt immer mindestens sieben Dollar. Das sind zwei Dollar mehr als der aktuelle US-Durchschnittspreis für eBook-Besteller. Tatsächlich sind viele Titel aus Entitles Angebot anderswo für denselben Preis oder günstiger zu bekommen. So bietet Amazon etwa Walter Isaacsons Steve-Jobs-Biographie regulär als Sieben-Dollar-eBook an. Der Dan Brown-Thriller “Angels & Demons” kostet für den Kindle gar nur drei Dollar, bei Entitle hingegen auch wieder mindestens sieben. Kurz: Das Abo bringt keinen Preisvorteil, unter Umständen zahlt man deutlich sogar mehr.

Fazit: Noch nicht mehr als eine gute Idee

Auch wenn Entitle gerade eine Kapitalspritze über mehr als fünf Millionen Dollar bekommen hat: Viel Luft nach unten dürfte bei den Preisen nicht mehr sein. Bis vor kurzem verlangte das Unternehmen (damals noch unter dem Namen “eReatah”)  sogar deutlich höhere Monatsbeiträge. In dieser Form wird dem Geschäftsmodell “E-Book-Club” in den USA also wohl kein großer Erfolg beschert sein, so dass die avisierte Ausdehnung auf internationale Märkte wahrscheinlich niemals stattfinden wird. Schade – ein preislich attraktiver eBook-Buchclub könnte gerade im Buchpreisbindungs-Land Deutschland ein interessantes Angebot sein (und mittels Sonderausgaben a là ebook.de durchaus buchpreisbindungskonform gestaltet sein).

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