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Buchtage: Angst vor eBooks überwiegt

Heute gehen in Berlin die vom Börsenverein des deutschen Buchhandels organisierten Buchtage zuende. Auf dem zweitätigen Fachkongress der Branche standen (einmal mehr) Chancen und Risiken der Digitalisierung im Focus der Diskussionen.

Schon mit der Eröffnungsrede bekam die Tagung einen klaren Einschlag. Der Kulturstaatsminister Bernd Neumann ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass er eBooks in erster Linie für eine Bedrohung des „Kulturguts Buch“ und die darum gewachsene Industrie hält.

bernd_neumannEine Buchpreisbindung für eBooks sei unerlässlich, sagte Neumann in seiner Keynote (im Volltext auf der Seite der Bundesregierung). In diesem Zusammenhang gab der CDU-Politiker unumwunden zu, mit der Regulierungsmaßnahme den Siegeszug des eBooks aufhalten zu wollen.

Um kleinere Verlage und auch Buchhandlungen zu schützen, halte ich es zum Beispiel für unerlässlich, dass auch E-Book-Dateien dem Buchpreisbindungsgesetz unterliegen. Wenn ein elektronisches, digitales Buch so teuer wie ein gedrucktes, „analoges“ Buch ist, dann wird sich der Käufer genau überlegen, zu welchem Produkt er greift.

Anschließend bekamen die 700 Kongressteilnehmer unter anderem von einem LKA-Ermittler zu hören, professionelle eBook-Piraten würden monatlich sechsstellige Summen mit Inhalten verdienen. Zehntausende Buchseiten stünden im Netz, die Websites der Diebe würden „nicht selten“ 50 Millionen mal pro Monat aufgerufen.

Der an großen Zahlen reiche Vortrag des Beamten dürfte seine Wirkung auf die versammelten Verleger nicht verfehlt haben. Wer sich für die technischen und ökonomischen Hintergründe interessierte, konnte sich daraufhin vom Anti-Piracy Spezialisten Volker von Vietsch weitergehend über Gegenmaßnahmen informieren lassen. Von Vietsch bezeichnete 1-Click-Hoster wie Rapidshare als „Drogenbarone der Online-Welt“ – das ließ wohl auch für technisch weniger versierte Zuhörer keine Fragen offen.

Einen Gegenpol bildete nur der Vortrag von Tim Renner, ehemaliger Chef der Universal Music Group und heute Betreiber von Motor Entertainment . Renner sprach sich gegen die Buchpreisbindung und für eine stärkere Kundenorientierung aus. Eine Verbotskultur lehnt er ab.

Ob die Buchtage mit dem Programm ihrem diesjährigen Motto („Neue Bücher. Neue Wege. Neue Jobs – Die Branche der Zukunft“) gerecht werden, ist zweifelhaft. Vielmehr scheint man in Berlin auf die Erhaltung der geschaffenen Strukturen bedacht zu sein.

Die „neuen Bücher“ werden mit großem Argwohn betrachtet, „die Branche der Zukunft“ stellt sich selbst als eine Branche der Vergangenheit inmitten von Rückzugsgefechten dar. Die Verlage werden sich mit einer abwartenden bis ablehnenden Haltung den „neuen Wegen“ gegenüber langfristig keinen Gefallen tun.

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Kommentare


Klausens 21. Juni 2009 um 14:44

ALLERLEI E-BOOK-UNSOLCHES

Wer Fremdes stiehlt
Und daraus Texte macht
Verspielt mit aller Macht

Den Gleichklang der uns
Allen doch noch nie gefiehl
Falls man auf Verbot’nes ziel‘

Denn ganz unten in dem
So furchtbar internettalen
Bereich sind die weichen

Zart-Organe wie die Berge
Alle Hügel scheinen gleich
Und die Autoren sind kaum reich

———
Herzliche Grüße von Klau|s|ens = Klausens, gewidmet lesen.net. geschrieben am 21.6.2009, extra für eben dieses und den Bericht über die „Buchtage Berlin 2009“

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Verlagsbranche: Do or die » Diskurse » lesen.net 25. Juni 2009 um 20:48

[…] während der Buchtage in Berlin, die Mitte des Monats vom Börsenverein des deutschen Buchhandels organisiert wurden. Es interessierten vorwiegend Fragestellungen wie “Werden sich eBooks als Kostenfalle für […]

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zensursula 28. Juni 2009 um 06:04

schlimmer als greise, die keine ahnung haben, sind greise die schon zu unflexibel und altersarrogant sind, die chancen des neuen erkennen zu wollen..

wenn man überlegt, wie viele leser das exemplar eines gedruckten buches im laufe seines lebens hat, leser die man mit ebooks jeweils extra zur kasse bitten würde.

wenn man überlegt, wie viel öfter ein ebook abgerufen werden wird, weil man es nicht erst aus einer bibliothek leihen, im buchladen kaufen muss.

wenn man überlegt, wieviel mehr käufer man aktivieren könnte, würde man die eingesparten druck und vertriebskosten auch fairerweise weitergeben würde.

dann wäre es eine lohnende sache, für autoren, verleger, kunden.

wenn ein ebook das selbe kostet wie ein gedrucktes, dann wird man es sich NATÜRLICH raubkopieren, wo wäre sonst der sinn des ganzen?

manchmal kann man über die entscheidungsebenen nur noch den kopf schütteln und hoffen, das sie nicht alles ins verderben stürzen. ich glaube die zeiten ändern sich viel zu schnell für diese bremsklötze…

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Hans-Jörg 28. Juni 2009 um 13:10

Zensursula hat ja so recht. Es ist zum Teil wirklich kaum vorstellbar, dass einem mehr oder weniger erfolgreichen Unternehmensführer solche naheliegenden Gedanken nicht kommen.

Ich möchte noch etwas ergänzen: Bei der Argumentation gegen die aktuellen eBook-Preise wird immer schnell auf entfallende Druck- und Transportkosten verwiesen. Da gibt es sicherlich auch Einsparpotential, aber es sicherlich nicht der Hauptanteil des Preises. (Man kann es sicherlich nicht 1:1 vergleichen, aber die Preise von Tageszeitungen, Heftromanen oder auch Print-On-Demand-Bestellungen in etwas größerer Auflage geben schon einen gewissen Anhaltspunkt.) Wichtiger für die Verlage ist sicherlich der Wegfall von Remittenden, und das sollte man ebenfalls bei der Kalkulation der eBook-Preise berücksichtigen: Wieviele von x-tausend Harry-Potter-Romanen wurden denn wirklich zum gebundenen Preis verkauft?

Den größten Einzelposten macht aber klar der Buchhandelsrabatt aus. Grob die Hälfte des Geldes, das ich für ein Neubuch im Laden auf den Tresen blättere, bleibt im Buchladen. Folglich könnten die Verlage eBooks zum halben Preis verkaufen, ohne das irgendein Beteiligter weniger hätte. Natürlich wollen das die Buchhändler nicht, und die Verlage brauchen die Buchhändler, die ansonsten vermutlich damit drohen, die Bücher von dem Verlag, der solche Methoden einführt, nicht mehr werbewirksam im Eingangsbereich zu stapeln, sondern nur noch auf Kundenwunsch zu bestellen.

Das führt zu der absurden Situation, dass ich, wenn ich bei libreka (oder ist es libri? Ich habe da keine praktische Erfahrung.) ein eBook bestelle, einen Buchladen angeben muss, der dann den Buchhandelsanteil zugeteilt bekommt. Ich finanziere somit einen Händler, den ich – vielleicht aus guten Gründen – persönlich nicht aufsuche. Reichlich absurd. Auf jeden Fall erwarte ich von den Verlagen, die im Buchhandel gut präsent sind, deshalb keine einschneidenden Änderungen im Umgang mit eBooks.

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