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Buchtrailer: Von Bildschirmschoner bis Kurzfilm [+Umfrage]

Wer Bücher verkaufen will, muss sie bewerben. Die Buchbranche setzt seit einigen Jahren auch auf Buchtrailer als Werbemittel. Aber ergibt der Medienbruch zur Buchpromotion überhaupt Sinn? Und wie sieht ein guter Buchtrailer überhaupt aus? Ein kurzer Überblick über ein Experimentierfeld, in dem vieles schief läuft. Aber auch einiges gut.

Im Jahr 2013 wurden auf Youtube gut 1 Milliarde Filmtrailer angesehen, der Trailer zur Verfilmung von “Shades of Grey” hatte innerhalb einer Woche gut 20 Millionen Klicks. Das relative neue Feld der Buchtrailer kann von solchen Zahlen nur träumen. Der – nach Klickzahlen auf YouTube – erfolgreichste deutsche Buchtrailer ist der zu Timur Vermes Er ist wieder da und hat knapp 150.000 Klicks.  Generell aber kommen die Trailer bei YouTube selten auf über 1.000 Klicks, schreibt Literaturkritik.de. Zum Vergleich: Die aktuell 67 Videos auf unserem Youtube-Kanal wurden bislang 690.000x aufgerufen, was knapp über 10.000 Aufrufen pro Video entspricht (die freilich ebenfalls recht ungleich verteilt sind).

Kein Ersatz für traditionelle Werbung

Trotzdem setzen Verlage in den letzten Jahren verstärkt auch auf Buchtrailer als Werbemittel. Zwar ersetzt der Trailer nicht die traditionelle Werbung wie Leseproben oder den Klappentext.  “Was aus unserer Sicht viel bedeutsamer ist, ist, dass ein Buchtrailer den Leser anders und auf multimedialen Kanälen ansprechen kann”, sagte Lars Koopmann, Geschäftsführer der auf Buchtrailer spezialisierten Agentur  Litvideo dem Buchreport.  Verlage erhoffen sich mit Buchtrailern verstärkt auch Präsenz im Internet, vor allem als Teil ihrer Social-Media-Strategie, analysierte ZEIT Online schon 2012.

Eine im Januar veröffentlichte Studie der Universität Mainz bremst jedoch die Euphorie: Auf der Grundlage einer Befragung von 188 Studenten zum Trailer von Jodi Picoults Thriller “19 Minuten” kommt sie zu dem Ergebnis, dass Buchtrailerdas Leseinteresse nicht stärker steigern als ein Klappentext. Die Studie ist aufgrund der geringen Zahl der Befragten allerdings vor allem von Trailerproduzenten angegriffen worden.

Geringes Budget und Übertragung

Im Gegensatz zu Filmtrailern,  die sich – wie die US-Ausgabe der “Wired” analysierte – über die Jahre zu einer eigenen Kunstform entwickelt, kranken Buchtrailer vor allem an zwei Dingen. Zum Einen lohnen sich aufwändige, also teure, Produktionen,  oft kaum – das Ergebnis sind Trailer, die eher an Bildschirmschoner erinnern oder, noch schlimmer, Autoren, die vor einer Plakatwand über ihr Buch sprechen.

Das andere Problem von Buchtrailern ist die Übertragung von Text auf das Bewegtbild. Oft wird mit animiertem Text vor einem Hintergrund gearbeitet, manchmal mit Laiendarstellern, auch Farbeffekte kommen gerne mal zum Einsatz. Dass es auch anders geht, zeigt der Trailer zu Christian Krachts Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten, der auch im Kino lief. Ansonsten gab es für den Roman weder Zeitungs- noch Zeitschriftenwerbung. Der Trailer arbeitet mit Symbolbildern, die dem Roman kaum etwas vorwegnehmen, trotzdem aber eine starke Illustration für den gelesenen Romanauschnitt sind.

Auch Suhrkamp setzt mit dem Trailer für Annika Scheffels Roman Bevor alles verschwindet auf stimmungsvolle Animation. Einfallsreiche Buchtrailer sind allerdings hierzulande eher die Ausnahme als die Regel. Wer herausragende Buchtrailer sucht, muss seinen Blick in die USA richten, zum Beispiel auf den Trailer zur “Miriam Black”-Reihe von Chuck Wendig, der mit einfachen Mitteln die Stimmung und den Ton der Bücher rüberbringt.

Auch die fantastische Animation zu “The Flame Alphabet” von Ben Marcus ist ein Beispiel für einen Buchtrailer, der auch als eigener Kurzfilm bestehen könnte.

Genre in den Kinderschuhen

Generell zeigen sich Buchtrailer als Werbemittel mit einer Menge Potential – auf einem Feld, das sich, auch einige Jahre nach seiner Erfindung, noch im Experimentierstadium befindet. Das gilt sowohl für die Form als auch im Endeffekt für den Nutzen, von Bekanntheit bis hin zu harten Verkäufen. Herausragende Beispiele mit hohen Klickzahlen existieren, aber eben auch eine Menge Trailer die zeigen, dass der Buchtrailer noch in den Kinderschuhen steckt.

Denn selbstverständlich lässt sich mit einem gelungenen Buchtrailer eine andere Zielgruppe ansprechen als mit ein paar Plakaten in der Buchhandlung um die Ecke, mit zähen Autoreninterviews oder mit Leseproben, die erst noch als pdf heruntergeladen werden müssen. Aber esreicht nicht, mal eben ein bisschen Text einzulesen und ein paar farbverfremdete Standbilder darunterzulegen. Da lohnt sich dann auch die Mehrinvestition. Denn wer von Filmtrailern verwöhnt ist, erwartet auch von Buchtrailern Qualität –  dann klappts auch mit der viralen Verbreitung.

Schaust du dir Buchtrailer an?

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<Bildnachweis: Kinosessel von Shutterstock>

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