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Bücher Bestseller: Neue Amazon Charts verraten, was wirklich gelesen (und gehört) wird

Die etablierten Bücher-Bestsellerlisten von Spiegel, New York Times & Co. bekommen Konkurrenz von Amazon. Der Online-Händler verdichtet seine zahlreichen Verkaufscharts zu einer zweigeteilten Bestsellerliste, die neben den Verkäufen auch die tatsächliche Leseaktivität ausweist. Die Differenzen sind bemerkenswert.

Buch-Verkaufscharts werden seit jeher gleichermaßen intensiv von der Buchindustrie und von Kunden verfolgt. In nahezu jeder deutschen Buchhandlung gibt es einen Tisch mit den aktuell meistverkauften Titeln nach den Bestsellerlisten von Spiegel oder Focus, deren Rankings auch aushängen.

Bislang durchweg Rangfolgen nach Verkäufen

Amazon Charts

Die Rangfolge der wöchentlichen Charts basiert auf der Zahl der Verkäufe in einer fixen Periode. Analog verfährt Amazon bei seinen eigenen Verkaufscharts für Kategorien und Unterkategorien, die stündlich aktualisiert werden und innerhalb der Plattform auch eine große Relevanz haben. So werden die aktuellen Amazon-Rankings relativ prominent auf den Artikelseiten angezeigt und haben vor allem einen großen Einfluss darauf, was für Titel in der algorithmisch ausgesteuerten „Kunden kauften auch“ Box erscheinen.

Aufgrund der stündlichen Aktualisierungen und weil immer nur eine Warengruppe (Bücher, eBooks, Hörbücher) einzeln betrachtet wird, haben die klassischen Amazon-Rankings aber nur eine begrenzte Aussagekraft. Auch darum integriert Amazon fremde Bestsellerlisten, auf Amazon.com etwa die New York Times Charts und auf Amazon.de die Spiegel-Bestsellerliste.

Seit anderthalb Jahren publiziert Amazon.de außerdem in Kooperation mit der Bildzeitung seine eigene Bestsellerliste. Die Bild Bestseller werden einmal wöchentlich aktualisiert und kombinieren die Print- und eBook-Verkäufe in einer einzigen Liste. Weil die Verkäufe nach Anzahl und nicht nach Umsatz gewichtet werden, werden die Charts von eher niedrigpreisigen Indie-Titeln dominiert, die es digital zu einem großen Teil ausschließlich bei Amazon gibt.

Amazon Charts berücksichtigen Lese- und Hörzeit

Mit einer neuen Bestsellerliste, schlicht Amazon Charts genannt, geht der Online-Händler jetzt gleich zwei bedeutende Schritte weiter. So beinhalten die zunächst nur in den USA eingeführten Charts beinhalten auch die Hörbuch-Verkäufe über die Amazon-Tochter Audible, in den Staaten ebenso wie in Deutschland klarer Marktführer im Hörbuch-Download-Sektor. Und vor allem gibt es die Amazon Charts nicht nur als klassisches Verkaufsranking, sondern auch sortiert nach tatsächlicher Lektüre-/Wiedergabe-Zeit.

Die Rangfolge der Rubrik „Most Read“, übrigens die Default-Anzeige der Amazon-Charts, richtet sich nach der durchschnittlichen täglichen Lesezeit von Kindle-Nutzern und der durchschnittlichen täglichen Hörzeit von Audible-Kunden. Eine solche Auflistung kann nur Amazon mit seinem riesigen Datenschatz leisten, und sie offenbart einige interessante (und vorhersehbare) Unterschiede zwischen Kauf- und Konsumverhalten seiner Kunden.

Aktuelle Nr. 1

So werden beide Charts derzeit angeführt von der Dystopie The Handmaid’s Tale (deutsch: Der Report der Magd), ein schon 1985 publizierter Roman, der wegen einer gerade angelaufenen TV-Serien-Adaption einen zweiten Frühling erlebt. Aber schon auf Platz 2 der Amazon-Verkaufscharts steht mit The Letter (deutsch: Drei Worte Glück) eine historische Romanze, die es in der Lese-Liste auf keinen der ersten 20 Plätze geschafft hat. Umgekehrt ist die Nummer 2 der Lese-Charts, der neue David-Baldacci-Thriller The Fix, in den Verkaufscharts „nur“ auf Platz 7; offenbar handelt es sich hier um ein Buch, das seine Leserschaft wirklich fesselt und zum schnellen durchlesen verführt, wofür auch die sehr guten Amazon-Rezensionen sprechen.

Bestsellerliste hat beachtlichen Wert für Interessierte

Auch die Aussagekraft der Leser-Charts von Amazon ist sicherlich begrenzt, schon weil sie nur digitale Medien beinhaltet. Dafür wird hier erstmalig die tatsächliche Lektüre beziehungsweise nicht-mehr-Lektüre abgebildet, die sich bekanntlich von Buch zu Buch gravierend unterscheidet. Die Charts sagen somit auch etwas aus darüber, wie zufrieden Käufer rückblickend mit ihrer Kaufentscheidung waren (Enttäuschungen werden wohl eher nicht eifrig und komplett gelesen), und haben somit einen beachtlichen Wert für Interessierte.

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