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Bücher entdecken: Wasliestdu, Sobooks und Flipintu im Porträt

Die Buchbranche treibt das Thema „Book Discoverablity“ um: Wie kommen die Leser im Online-Zeitalter zum Buch, wenn der stationäre Buchhandel als Empfehlungsinstanz wegfällt. Zur Frankfurter Buchmesse starteten eine ganze Reihe neue Projekte; wir stellen drei davon vor.

Wasliestdu: Die Konventionellen

wasliestdu.de (Blick ins Magazin)

wasliestdu.de (Blick ins Magazin)

wasliestdu.de ist eine Leser-Community nach altem Muster. Leserunden, Gewinnspiele, Umfragen, Rezensionen, virtuelle Bücherregale, ein Magazinteil – die Zutaten kennt man schon von etlichen ähnlichen Plattformen. Das macht das von der Mayerschen Buchhandlung – gegenwärtig Nummer 4 der Buchhandelsfilialisten – betriebene Portal nicht schlecht, nur ist der Innovationsgrad recht überschaubar.

Mitbewerber wie Lovelybooks (Holtzbrinck) und insbesondere die technisch wesentlich weiterentwickelte Amazon-Tochter-Goodreads sind schon seit Jahren am Markt und können entsprechend mit gewachsnenen Strukturen punkten. Auf der anderen Seite könnte die Mayersche Synergie-Effekte aus Filialnetz und Online-Shop nutzen, auf Kunden- wie auf Daten-Seite (Stichwort etwa „Kunden kauften auch“ zur intelligenten Verknüpfung von Inhalten). Für uns auf jeden Fall eine Plattform für die Watchlist.

Sobooks: Die Lauten

Fast anderthalb Jahre nach der ersten Ankündigung wurde Sobooks am Mittwoch offiziell vorgestellt. „Rampensau“ (aber bei weitem nicht einziger Initiator) ist Sascha Lobo, was dem Projekt noch vor Beginn der Closed-Beta-Phase eine breite mediale Präsenz von Zeit bis FAZ bescherte. Davon können herkömmliche Startups natürlich nur träumen.

Bei Sobooks handelt es sich um eine Social-Reading-Plattform mit integriertem Store. Bücher werden dort sozusagen als Websites verstanden, einzelne Seiten können öffentlich sichtbar kommentiert beziehungsweise diskutiert und angelinkt werden. Daneben sollen sich alle eBooks auch konventionell (und wohl „unsozial“) kaufen und als epub- und pdf-Dateien herunterladen lassen. eBooks bei Sobooks sollen frei von hartem DRM sein – umso erstaunlicher ist es, dass vom Start weg Labels wie Random House und Rowohlt dabei sein sollen, die bislang allenfalls in Einzelfällen auf Adobe DRM verzichteten.

Hinzu kommen Bausteine wie Vertaggung von Inhalten und ein eBook-Verleih (in Planung). Alle Kernfunktionen sind von anderen (Pilot-)Projekten schon bekannt, Sascha Lobo selbst hat bei der Enhanced-eBook-Ausgabe seines Romans Fragen innerhalb des Textes beantwortet. Sobooks macht daraus aber einen zweifellos spannenden ganzheitlichen Ansatz. Dessen Erfolg allerdings steht und fällt sowohl mit dem Engagement der Community (ohne Interaktionen kein soziales Lesen) als auch  mit der Beteiligung seitens der Verlagswelt, der die Sobooks-Macher nicht zuletzt in Sachen DRM einiges abverlangen. Sobald die Closed Beta angelaufen ist, schauen wir uns die Seite noch einmal genauer an.

Flipintu: Die (Web-)App

flipintuFlipintu (Sprich: Flip into) beschreibt sich selbst als „Personalisiertes Buchmagazin mit integriertem Shop und intelligenten Social-Media-Funktionen“. Anders als bei Sobooks und wasliestdu.de spielt Interaktion zwischen Nutzern nur eine untergeordnete Rolle. Wer Erfahrung mit Aggregatoren wie Prismatic und Flipboard hat, weiß, worum es geht. Die eigentliche Innovation ist die Aggregation von affinen Inhalten unabhängig von ihrer Darreichungsform: Neben News sollen auch Artikel aus Printmagazinen und eben Bücher auf die persönliche Flipintu-Seite syndiziert werden, mit deren Verkauf das Unternehmen dann Geld verdienen will.

Zum Start der Beta-Version sind unter anderem Inhalte der Verlagsgruppe Random House an Bord, neben weiteren ertragsreichen Contentquellen wird Flipintu vor allem intelligente Algoritmen und  eine gute Marketing-Strategie brauchen, um zwischen den zahlreichen etablierten Aggregations- und Kurations-Plattformen wahrgenommen zu werden.

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Kommentare


Nebucatnetzer 11. Oktober 2013 um 18:14

Das mit dem neue Bücher entdecken ist durchaus noch so ein Problem.
Ich lese zwar nur noch eBooks aber gehe trotzdem noch sehr gerne in einen Buchladen oder eine Bibliothek um mir dort das Sortiment anzusehen.
Irgendwie ist es so einfach angenehmer etwas zu finden.
Ich seh gleich wie dick es ist, Wie der Einband gestaltet ist, vielleicht sticht mir auch ein bekannter Einband ins Auge und ich merke dann das es sich um die Vortsetzung handelt.
Wäre cool wenn man das verbinden könnte :)

Antworten

Michael L. 12. Oktober 2013 um 16:09

Ich kann mit keiner der genannten Webseiten etwas anfangen. Sobooks ist ab 13. Oktober Closed Beta, Flipintu ist Beta und sprachlich halb deutsch, halb englisch, Goodreads nur auf englisch … Viel Bild, wenig Text. Man soll sich registrieren, aber wofür? Weiß dieses Social Gedöns, was es will (außer eine zusätzliche Bindung an den Buchhändler zu erzeugen)? Um einen Klappentext zu lesen, brauch keine x-te Webseite, der steht auch bei Amazon, im übrigen sehe ich keinen Mehrwert gegenüber den Online-Rezensionen. Das ist weniger etwas für Leser als für die Gruppe unserer Mitmenschen, die jeden Einstieg in den Bus bei Twitter und Facebook verkünden müssen.

Ergänzend finde ich die Mehrzahl der präsentierten Webseiten als überladen und unübersichtlich.

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Zalando – oder wann schreien endlich die Buchkäufer vor Glück, wenn sie… | smart digits 14. Oktober 2013 um 23:22

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