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Digitale Bücherdiebe: Eher wohlhabend, eher alt, eher männlich

22 Prozent der Digital-Leser haben in den letzten 12 Monaten mindestens ein eBook illegal heruntergeladen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Marktforschungsinstituts Nielsen – und liefert interessante Zahlen dazu, wer genau eBooks pirateriert und was derzeit die häufigsten Quellen sind.

Wie viel genau illegal heruntergeladen wird und was für ein Schaden Verlagen und Indie-Autoren daraus entsteht, ist nicht genau zu beziffern. Denn zum einen legen illegale Download-Plattformen üblicherweise keine Besucher- und Umsatzzahlen offen – genauso wie legale Online-Händler -, zum anderen stellt sich immer die Frage, wie viele illegale Downloads tatsächlich auch legal gekauft und heruntergeladen worden wären.

Auf letztere Frage gibt die neue Nielsen-Studie, über die der Szene-Blog Torrentfreak zuerst berichtete, eine Antwort. Immerhin 33 Prozent der befragten Nutzer illegaler Downloads gab an, dass sie illegal heruntergeladene Titel alternativ auch gekauft hätten. Nielsen rechnet aufgrund dessen hoch, 2016 habe es in den USA 33,5 Millionen illegale eBook Downloads gegeben, die anstatt realer Verkäufe passierten. Bei einem kalkulierten Durchschnittspreis von 9,98 US-Dollar (was angesichts der auf Amazon.com extrem populären Indie-Titel sehr ambitioniert erscheint) sei das ein wirtschaftlicher Schaden in Höhe von 315 Millionen US-Dollar für die lokale Buchindustrie.

Weit “männlicher” als typische Digital-Leser

Den 22 Prozent der Befragten, die sich im Online-Panel als zumindest gelegentliche digitale Bücherdiebe outeten (der Wert dürfte real eher höher sein), hat Nielsen näher auf die Finger geschaut. Satte 2/3 der illegalen Downloader sind demnach männlich – eine krasse Diskrepanz zur Gesamtheit der Digital-Leser, die weit überwiegend weiblich ist. Andererseits liegt der Männer-Anteil bei weiteren piraterierten Mediengattungen (Musik, Filme) noch einmal deutlich über diesem Wert, wie nicht zuletzt die großflächige Porno-Werbung auf solcherlei Download-Seiten illustriert.

Buchpiraten sind auch deutlich älter als sonstige illegale Downloader, die Mehrheit hat die 30 bereits überschritten. Sie sind überwiegend gut bis sehr gut gebildet – 72 Prozent haben mindestens einen College-Abschluss – und sie sind finanziell gut aufgestellt. Nur in 13 Prozent der Fälle betragt das jährliche Haushaltsnettoeinkommen weniger als 30.000 US-Dollar. Fast 2/3 wohnen in Haushalten mit mehr als 60.000 US-Dollar Jahreseinkommen, 29 Prozent überspringen sogar die 100.000-US-Dollar-Marke. 

Das wirft natürlich die Frage auf, warum diese durchaus wohlhabenden Lesefreunde zu illegalen Downloads greifen, anstatt sich die eBooks ganz einfach zu kaufen. Und tatsächlich handeln auch nur 17 Prozent der Buchpiraten aus Überzeugung (“ich finde, ich muss nicht für Inhalte zahlen”). Für die Mehrheit von 58 Prozent der Befragten ist die Nutzung illegaler Download-Plattformen ganz einfach praktisch. Bemerkenswerte 38 Prozent gaben außerdem an, die illegal heruntergeladenen eBooks seien auf legalem Wege nicht verfügbar gewesen (J. D. Salinger & Co. lassen grüßen). 

Wo bekommen die illegalen Downloader ihre eBooks her? Neben dem Dauerbrenner BitTorrent boomen vor allem illegale Download-Seiten, die zum Upload Cyberlocker nutzen (ehemals RapidShare, heute etwa uploaded.net). Fast auf dem gleichen Niveau liegt der Bezug von Freunden per Messenger oder E-Mail – bei den wenigen Mbyte großen eBooks kein Problem – oder aus geschlossenen Zirkeln.

Illegale Facebook-Gruppen: Eher emotional als wirtschaftlich schmerzhaft

Zu solchen “internen Netzwerken” dürften auch Facebook-Gruppen von Buchpiraten zählen, über die sich derzeit einige viel gelesene Indie-Autoren wie Poppy J. Anderson öffentlich echauffieren. Solche Angebote sind für Autoren emotional besonders schmerzhaft, weil sie vor ihren Augen passieren und die Leser teilweise sogar mit Klarnamen unterwegs sind, fallen wirtschaftlich insgesamt gesehen aber wenig ins Gewicht. Zumal hier wie generell vor allem pirateriert wird, was auch viel gekauft wird, und da fallen einige Dutzend illegale Downloads bei im Falle von Poppy J. Anderson zehntausendfach verkauften eBooks nun einmal absolut gesehen nicht ins Gewicht. Ärgerlich sind sie aber allemal.

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