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Digitale Serienromane: Weltraumheld Perry Rhodan zeigt, wie es geht

Geschriebene Geschichten werden wie TV-Serien immer öfter in Häppchen erzählt. Buch- wie Zeitschriftenverlage probieren viele Formate aus, die Erfolgsbilanz ist allerdings häufig durchwachsen. Dabei macht ein alter Hase vor, wie offenes und leserfreundliches digitales Publizieren aussehen kann.

Gedruckte TV-Serien

Mit dem Aufkommen digitaler Literatur haben klassische Fortsetzungsromane – neudeutsch „Serials“ – neuen Aufwind erfahren. Ganz im Sinne von TV-Serien wie Game of Thrones oder Breaking Bad erzählen sie eine lange Geschichte über eine bestimmte Anzahl an Episoden hinweg. Episoden werden darüber hinaus, ebenfalls parallel zu Fernsehserien, in einer Staffel oder Season zusammengefasst. Einzelne Episoden sind dabei meist das Äquivalent zu 50 bis 100 Druckseiten lang und kosten zwei bis drei Euro.

homosapiens404Unter den etablierten Publikumsverlagen hat sich dabei besonders Bastei Lübbe mit Serien wie Apocalypsis, Coffeeshop oder Netwars – der Code hervorgetan. Aber auch im Indiebereich erfreut sich diese Veröffentlichungsform neuer Beliebtheit, beispielsweise in Form von Heliosphere 2265 oder Homo Sapiens 404. Der Urvater dieser Form des Geschichtenerzählens ist jedoch die seit 1961 ununterbrochen erscheinende wöchentliche Science-Fiction-Serie Perry Rhodan aus dem Pabel-Moewig-Verlag (gehört zu Bauer), deren aktueller Band die Nummer 2771 trägt. Als gedruckter Heftroman gestartet, hat sich die Reihe um den Unsterblichen Perry Rhodan in den letzten Jahren auch zu einem Musterbeispiel entwickelt, wie Verlage Lesern möglichst umfassenden digitalen Zugang zu ihrem Angebot ermöglichen können.

Einfacher Zugang als Strategie

perryrhodanIn einem interessanten Rückblick auf die Anfänge der digitalen Strategie beschreibt Chefredakteur Klaus N. Frick deren Grundidee: „Wir wollten möglich schnell alle PERRY RHODAN-Romane als E-Books zur Verfügung stellen, zu einem vernünftigen Preis und in einer möglichst hervorragenden Qualität.“ Bereits 2003 wurden dementsprechend erste digitale Ausgaben herausgegeben und Frick formulierte das Ziel: „Irgendwann wird es die ganze PERRY RHODAN-Serie digital geben“. Ein ambitioniertes Vorhaben bei mittlerweile mehr als 2750 Heftromanen, 130 Hardcover-Silberbänden, mehr als 400 Planetenromanen und unzähligen Spin-Offs.

Dabei verzichtete der Verlag von Anfang an auf hartes DRM und nutzte jede Möglichkeit, seine digitalen Ausgaben den Lesern zugänglich zu machen. Eine zentrale Rolle spielte dabei insbesondere der kürzlich von Bastei Lübbe übernommene E-Book-Store beam. So ist dort neben dem mittlerweile vollständigen Archiv aller Einzelhefte und Silberbände sowie zahlreichen weiteren Ausgaben mittlerweile auch ein individuell konfigurierbares Abonnement verfügbar. Auch im Hinblick auf die aktuell aufkommenden Buch-Flatrates gibt sich der Pabel-Moewig Verlag mit seinem Flagschiff offen: Bei Skoobe (30 Tage kostenlos testen) sind alle Heftromane, alle Silberbände sowie die bis 1988 erschienene Spin-Off-Reihe Atlan verfügbar und auch Readfy hat zum Launch bereits 100 Heftromane (1-49 und 1700-1749) und den ersten Silberband an Bord.

Hörbücher als weiterer Kanal

Ganz im Sinne des Credos „Der PERRY RHODAN-Leser soll seinen Lesestoff in der Form konsumieren, wie er ihn möchte“, das Redakteurin Heidrun Imo formuliert, vertont der Pabel-Moewig-Verlag mittlerweile auch die meisten seiner Publikationen ungekürzt. Neben allen Romanheften seit Band 2400 sind dabei mittlerweile auch knapp 70 Silberbände und etliche weitere Spin-Offs vertont. Auch hier gibt sich der Verlag offen: Alle Vertonungen können über Eins A Medien als MP3-Download oder MP3-CD (Einzelausgaben oder Pakete) bezogen werden, die Silberbände sind im Rahmen des Audible-Abonnements verfügbar und der als Hörspiel umgesetzte und bei Lübbe Audio erschienene Zyklus Sternenozean kann bei Spotify gehört werden.

Offenheit als Mittel, Leser zu gewinnen

Aus dem Kampf gegen digitale Raubkopien geboren, zeigt die digitale Strategie der Perry-Rhodan-Reihe, wie ein offener Umgang mit den Möglichkeiten digitalen Publizierens aussehen kann. Gerade für Serien, bei denen ein einmal gewonnener Leser dabei bleibt und damit Anschlusskäufe generiert, kann es auch eine wirtschaftlich sinnvolle Strategie sein, die eigenen Inhalte auf möglichst breiter Front zu publizieren. Kannibalisierungseffekte bleiben natürlich eine Gefahr, die Angst davor sollte jedoch nicht innovative digitalen Publikationsformen blockieren. Zwar hält sich der Pabel-Moewig Verlag traditionell sehr bedeckt, was die Verkaufszahlen seiner Produkte angeht, die massive Ausdehnung der digitalen Aktivitäten in den letzten Jahren spricht jedoch dafür, dass diese sich auch ökonomisch lohnen.

<Bildnachweis: Science Fiction von Shutterstock>

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Kommentare


Martin Blacks Perry Rhodan Universum » Digitale Serienromane: Weltraumheld Perry Rhodan zeigt, wie es geht » lesen.net 2. Oktober 2014 um 09:24

[…] Digitale Serienromane: Weltraumheld Perry Rhodan zeigt, wie es geht » lesen.net. […]

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A German Perspective on Serials and Novellas | Pegasus Pulp 14. März 2015 um 13:37

[…] offers up the longrunning SF series Perry Rhodan, published by Bastei‘s rival Pabel-Moewig**, as a model for a successful digital serial publishing. The article also discusses German indie SF serials modelled on Perry […]

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