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Dumont sagt Adobe-Kopierschutz adè

Der Kölner Publikumsverlag Dumont, eines der größten unabhängigen Häuser abseits der drei führenden Verlagskonzerne, verzichtet künftig komplett auf harten Kopierschutz. DRM biete “keinen wirklichen Schutz” und bringe viele Nachteile mit sich. Allerdings werden Dumont-Titel auch künftig nicht überall restriktionsfrei sein.

Konzernverlage zögern

Seit HoCa im Sommer 2014 seinen weitgehenden Abschied von Adobe DRM verkündete, gab es relativ wenig Bewegung an der Kopierschutzfront. Während kleine und mittlere Verlage hartem Kopierschutz zu einem großen Teil den Rücken gekehrt haben, zögern viele Dickschiffe noch.

Insbesondere bei den drei großen Verlagskonzernen Holtzbrinck (S. Fischer, Knaur, Rowohlt …), Random House (Heyne, Blanvalet, Goldmann, …) und Bonnier (Piper, Ullstein, Carlsen) gibt es kaum Bewegung, von Spezial- und eBook-Labels abgesehen sind fast alle Publikationen nur mit Kopierschutz zu haben. Zum Leidwesen gerade von Händlern, die sich mit hilfsbedürftigen Kunden haben und wo inzwischen laut darüber nachgedacht wird, die Support-Kosten an die Verlage weiterzugeben.

“Kein Schutz, viele Nachteile”

Bei DuMont wird das nicht nötig sein. Der Kölner Verlag, im Jahr 2015 mit 100 Millionen Euro Jahresumsatz auf Platz 15 der größten deutschen Verlage (unmittelbar vor Bastei Lübbe), verkündete am heutigen Dienstag seinen kompletten Abschied von Adobe DRM [Update 10.03.: Eine Dumont-Sprecherin wies uns darauf hin, der Dumont Buchverlag erziele tatsächlich nur einen Jahresumsatz von 9 Millionen Euro. Die 100-Millionen-Angabe im Verlagsranking des Buchreport bezieht sich vermutlich auf die gesamte MairDumont Verlagsgruppe].

Verlagschefin Sabine Cramer führte als Gründe an, hartes DRM erschwere Handelspartnern den Verkauf und Lesern den Erwerb von eBooks, ohne effektiv vor Raubkopien zu schützen. Statt Adobe DRM werde man künftig Wasserzeichen zur (sichtbaren wie unsichtbaren) Personalisierung einsetzen, zusätzlich sei eine Anti-Piraterie-Agentur mit der Verfolgung illegaler Bereitstellungen beauftragt. Bis zum Herbst soll das komplette Verlagsprogramm kopierschutzfrei sein.

Amazon verschlüsselt eigentätig

Eine kopierschutzfreie Auslieferung ab Verlag bedeutet allerdings noch lange keinen kopierschutzfreien Verkauf. Wenn Amazon.de seine Geschäftspolitik nicht umstellt, werden DuMont-Titel weiterhin mit Kindle DRM verkauft (wie auch eBooks von Bastei Lübbe bei Amazon nur kopiergeschützt zu haben sind). Ein klarer Vorteil für die Tolino-Allianz, bei denen Lesefreude im Fall kopierschutzfreier Titel effektiv mehr Leistungen fürs Geld bekommen – das sollte eigentlich auch im Sinne der großen Verlagskonzerne sein.

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Kommentare


Brandmal Wasserzeichen: Warum manche Leser “weiches” DRM ablehnen » lesen.net 22. April 2015 um 17:53

[…] Bewegung an der Kopierschutz-Front: Nach Dumont verabschiedet sich am 01. Mai mit dtv zwei größere Verlag innerhalb kurzer Zeit von […]

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