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E-Book-Flatrates im Vergleich

leiheEinmal monatlich bezahlen für beliebig viele Inhalte: Im Musikbereich schon weit verbreitet, sind Flatrate-Modelle für E-Books noch eine Randerscheinung. Dabei können E-Book-Flatrates sowohl für Leser als auch für die Buchindustrie ein attraktives Abrechnungsmodell sein.

“Echte” E-Book-Flatrates eine Randerscheinung

Auf dem E-Book-Markt tummeln sich einige wenige Akteure, bei denen man digitale Publikationen leihen kann. Unterscheiden lassen sich diese nach ihren unterschiedlichen Erlösmodellen Flatrate, Abo und Pay-per-Use. Ein Angebot, das sich tatsächlich als Flatrate bezeichnen ließe, bedeutet, dass eine unbegrenzte Menge an Titeln für einen bestimmten Betrag über eine gewisse Zeit ausgeliehen werden kann. Zur Zeit bieten dies Skoobe und – mit Einschränkungen – die Onleihe an.

Libreka und Kindle-Bibliothek: Leihe und Abo

Libreka probiert zur Zeit für 760 Titel die Leihmöglichkeit eines E-Books für 4 Wochen mit Abrechnung pro Titel aus. Auffallend ist hier die geringe preisliche Differenz zwischen Kauf- und Leihausgabe des E-Books. Die seit Oktober 2012 auch für deutsche Amazon-Prime-Kunden zugängliche Kindle-Bibliothek ist wiederum ein klassisches Abomodell: Für die jährliche Prime-Gebühr von 29 Euro kann der Kindle-Besitzer sich monatlich ein E-Book leihen. Der Betrag ist genauso wie in einem Flatrate-Modell festgelegt, man kann jedoch nur eine begrenzte Anzahl von Titeln ausleihen. Das Sortiment ist außerdem nach wie vor sehr eingeschränkt, hauptsächlich gibt es E-Books von Indie-Autoren.

Skoobe

skoobeDas 2010 gegründete Joint-Venture der Verlagsgruppen Holtzbrinck und Bertelsmann ging mit seiner iPad-App bereits im Frühjahr 2012 an den Start. Das Geschäftsmodell des Münchner Unternehmens bietet dem E-Book-Leser eine nahezu volle Flatrate im klassischen Sinn: Begrenzt wird das Angebot nur durch eine maximale Anzahl an gleichzeitig ausleihbaren Titeln und die Titelanzahl. Das Sortiment umfasst mehr als 25.000 E-Books von über 400 Verlagen. Der Nutzer ist weder an eine bestimmte Ausleihfrist gebunden noch muss er auf viel nachgefragte Titel warten, weil die Anzahl der Exemplare künstlich begrenzt wird (beides ist bei der Onleihe der Fall). Im Gegensatz zu den Leihmodellen der Onleihe und Libreka kann Skoobe jedoch nur als App (für Android, iOS, Amazon Kindle Fire) genutzt werden. Eine technische Umsetzung für E-Book-Reader ist bislang nicht geplant.

Nach einer gut einjährigen Testphase werden dem Nutzer seit April 2013 drei verschiedene Modelle angeboten: Das Basic-Paket beinhaltet für 9,99 Euro im Monat die Möglichkeit, bis zu 3 Bücher gleichzeitig auf bis zu 2 Geräten auszuleihen, Skoobe Plus erlaubt die Ausleihe von 5 Büchern gleichzeitig für 14,99 Euro, beim Modell Skoobe Premium kann man für 19,99 Euro 15 Bücher zugleich in seinem Bücherregal auf drei Geräten lesen. Das Angebot kann für 14 Tage kostenlos getestet werden.

Grundsätzlich streamt Skoobe seine E-Book-Daten, Offline-Phasen, zum Beispiel auf einer Zugfahrt, lassen sich jedoch durch temporäre Speicherung überbrücken. Der Basic-Paket-Nutzer muss zum Weiterlesen nach 24 Stunden wieder online sein, bei den anderen beiden Modellen ist eine Offlinenutzung von bis zu 30 Tagen erlaubt. Das mittlere Paket empfiehlt sich daher vor allem für Urlauber mit unregelmäßiger Internetverbindung und Leser, die gerne mehrere Bücher parallel lesen.

Onleihe

Die Onleihe ist ein Angebot der öffentlichen Stadtbibliotheken Deutschlands. Jede Stadtbibliothek kann ihren eigenen jährlichen Mitgliedsbeitrag bestimmen, ebenso unterschiedlich ist aber auch das Angebot an ausleihbaren E-Books. Die Titelanzahl liegt auch bei Bibliotheken mit einem großen Budget unter dem von Skoobe, dafür sind mehr Verlage vertreten. Nur bedingt kann man hier von einer wahren Flatrate sprechen, da jeder Nutzer zwar beliebig viele E-Books leihen kann, die “Exemplare” jedoch künstlich verknappt werden: Hat die Bibliothek nur 10 digitale “Exemplare” vom Verlag erworben bzw. lizenziert, so kann sie das E-Book auch nur an 10 Nutzer zugleich verleihen. Zudem kann jeder Teilnehmer an der Onleihe ein E-Book nur für 14 Tage ausleihen, eine Verlängerung ist nicht möglich. Für die Dresdner Onleihe kann man sich derzeit online anmelden und das Angebot deutschlandweit nutzen.

Flatrate-Vorbild 24symbols

Als Vorbild für Skoobe wird immer wieder  24symbols genannt. Auf der Website des spanischen Unternehmens wird das Lesen der E-Books zwar nicht als Leihe bezeichnet, faktisch können die Titel aber nur in der Cloud gelesen werden – der Leser erwirbt also auch kein dauerhaftes Nutzungsrecht am E-Book. Zum Start der Website gab es noch ein kostenloses, mit Werbung versehenes Modell und eine Version ohne Werbung für 9,99 Euro im Monat. Heute werden einige Bücher gratis angeboten, Zugang zum gesamten Titelangebot gibt es gestaffelt für monatlich 5 Euro (mit Werbung, Lesen nur im Browser), 7 Euro (Lesen offline auf mobilen Endgeräten) und 9 Euro für werbefreies Lesen. Das Unternehmen befindet sich auf Expansionskurs und könnte auch in Deutschland Fuß fassen wollen.

Wieso E-Book-Flatrate-Modelle eine tragfähige Alternative sein können…

Angebote dieser Art können eine attraktive, legale Alternative zu Piraterie-Plattformen schaffen, wenn Preis und Leistung stimmen. Angesprochen werden vor allem Leser mit hohem Buchkonsum. Damit sich das Geschäftsmodell rentiert – die Abgaben an die Rechteinhaber so gering wie möglich zu halten –, ist es jedoch notwendig, auch Kunden anzusprechen, deren Ausleihrate pro Monat nicht bei zwanzig Titeln und mehr liegt. Dass Konsumenten nicht immer rational entscheiden, wurde bereits an vielen Beispielen aus der Telekommunikationsbranche gezeigt. Hier hätten Kunden sparen können, wenn sie sich nicht für die Flatrate, sondern für eine Abrechnung pro Einheit entschieden hätten.

Für viele Nutzer steht nicht nur die Wirtschaftlichkeit bei der Anmeldung im Vordergrund, sondern auch die Gewissheit, genau zu wissen, wieviel sie monatlich für ihren Buchkonsum ausgeben. Der Kunde gewöhnt sich an die Abrechnung und genießt die Möglichkeit, jederzeit auf eine große Menge an Titeln zugreifen zu können – auch wenn er es tatsächlich nicht tut.

…und warum es dennoch Bedenken gibt

Dass sich Geschäftsmodelle, die E-Books verleihen, nur langsam vermehren, hat verschiedene Gründe. Am schwerwiegendsten ist die Ungewissheit, wie tragfähig ein solches Unternehmen sein kann. Ähnlich gelagerte Beispiele aus der Musikindustrie zeigen: Schwarze Zahlen werden noch nicht geschrieben. So hat der Flatrateanbieter Spotify vornehmlich in seine Expansion investiert um seine Nutzerzahlen zu vermehren. Der Großteil der Umsatzerlöse (70%) fließt an die Rechteinhaber, die trotzdem über eine zu geringe Entlohnung klagen.

Außerdem wird der Verleih von E-Books als Konkurrenz zum Verkauf gesehen: Durch restriktives DRM bei E-Books, die zum Kauf (= Erwerb eines Nutzungsrechts) angeboten werden, gibt es kaum noch Unterschiede zum geliehenen E-Book. Das, was das Bibliotheksexemplar mit all seinen Kaffeeflecken und Eselsohren vom sauberen, neuen Buch in der analogen Welt unterschied, ist beim E-Book hinfällig geworden. Möglich ist also, dass die Zukunft, die sowieso immer mehr vom “Access” als vom “Besitz” von Daten bestimmt wird, nur noch geliehene E-Books kennt – und Buchhandlungen, sollte es sie noch geben, zu Bibliotheken werden.

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Kommentare


Jo 7. August 2013 um 11:54

Streaming ist weniger eine Alternative als eine Entwertung digitaler Inhalte. Spotify & Co zahlen Witzbeträge an die Künstler aus, davon können nur die ganz großen leben. Für den Mittelbau bedeutet Streaming den Bankrott. Wer’s nicht glaubt, soll mal versuchen, auf 80.000 Plays pro Tag zu kommen, um von Streaming leben zu können. Schönen Gruß.

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Rene 7. August 2013 um 13:34

Onleihe: Nutze ich gerne. Aber DRM-rumgefummel und die Tatsache das ein Buch nicht direkt zurückgegeben werden kann sondern erst nach 2 Wochen (Nachteil für den nächsten Ausleiher) ist schon ziemlich blöde.
Die Anderen: Nicht ebook-Reader-kompatibel (Für mich: No go) oder zu teuer.

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Marko 7. August 2013 um 13:51

Keines der vorhandenen Modelle entspricht dem, was ich mir als Kunde vorstelle. Das Angebot von Skoobe kommt dem schon am nächsten, aber

1. ist es zu teuer.

2. ist es nicht für reguläre Reader verfügbar.

3. lässt die Auswahl, zumindest bei meinen Interessen, doch deutlich zu wünschen übrig.

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Niels 7. August 2013 um 15:27

Im Unterschied zur Musik, bei der man Titel durchaus regelmaessig mehrfach hoert, moechte man in den seltensten Faellen ein Buch mehrfach lesen.
Das duerfte der Grund fuer die geringe Preisdifferenz bei Libreka sein. Das duerfte auch der Grund sein, warum Flatratemodelle es schwer haben.

Dazu kommt, dass ein durchschnittlicher Nutzer hunderte oder gar tausende Musiktitel im Monat hoert, aber kaum jemand mehr als ein halbes dutzend Buecher im Monat liest. Es ist leicht, einen Monatsbeitrag zu finden, der fuer en Nutzer guenstiger ist, als tausende von Musiktiteln zu kaufen, und sich trotzdem noch fuer den Anbieter lohnt. Es ist sehr viel schwerer, einen Monatsbeitrag zu finden, der entsprechend guenstiger ist als 6 Buecher.

Weiterhin muesste erstmal ein Anbieter mit einem grossen Titelangebot auftreten. Mit wenigen tausend Titeln ist die Gefahr zu gross, dass man einen grossen Teil des Lesestoffs am Ende doch woanders besorgen muss.

Vorstellen koennte ich mir so einen Anbieter in einer Nische. Also zum Beispiel jemand, der die Spiegel Bestsellerliste garantiert im Programm hat (fuer Leute, die Mainstream lesen). Oder ein Anbieter, der sich auf SciFi spezialisiert etc.

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5 spannende deutsche E-Reading-Startups » Debatte » lesen.net 9. August 2013 um 11:04

[…] Auch in der E-Reading-Branche scheint Berlin ein Hotspot zu sein, der Großteil der erwähnten Unternehmen hat dort seinen Sitz gewählt. Neben Lese-Apps ist im Segment ein großes Thema digitales Lesen, das den Austausch von Gedanken fördern soll. Spannend ist auch das Angebot von Flatrates gegenüber Einzelverkäufen, gerade Vielleser wird dies freuen. Weitere Dienste in diesem Bereich gibt es in unserem Artikel E-Book-Flatrates im Vergleich. […]

Antworten

Kostenlose eBooks: Gute Quellen für Gratis-Literatur » eBooks, Fundgrube » lesen.net 11. August 2013 um 13:09

[…] Das von Holtzbrinck und Bertelsmann initiierte Angebot lässt sich 14 Tage kostenlos testen. Mehr Informationen zu E-Book-Flatrates haben wir in einem eigenen Artikel […]

Antworten

Joe 12. August 2013 um 09:22

Mir fällt noch Safari Books ein, auch weil im Fachbuchbereich ebooks besonders praktisch sind und der Besitz der Bücher nicht so ausschlaggebend ist (bzw man monatliche Ausgaben als Betriebskosten betrachten kann).

Benutze ich seit Jahren. Ist ne praktische Nische, da Fachbücher in der Regel sehr teuer sind, oft nach einiger Zeit ein update bekommen, ich sie an verschiedenen Stellen brauche und nicht mit mir rumtragen möchte (vor allem oft nicht antizipieren kann, welches ich genau brauche).

Wenn ich mir ein neues Thema anschaue, kann ich quer lesen in verschiedenen Büchern und pro Jahr kann man sich durch monatliche credits eine Handvoll Bücher in richtige Downloads umwandeln, wenn man die Bücher dauerhaft haben möchte.

Und gerade bei Fachbüchern ist natürlich ne Suchfunktion göttlich (ist aber einer der Punkte, die jetzt nicht Flatrate spezifisch sind).

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Skoobe stampft gratis Testphase ein » eBooks » lesen.net 12. September 2013 um 12:18

[…] bietet derzeit die einzige echte eBook-Flatrate im deutschsprachigen Raum an, der Monatspreis von 10 Euro ist grundsätzlich durchaus fair. […]

Antworten

Scribd führt eBook Flatrate ein – auch für Deutsche nutzbar » Debatte, eBooks » lesen.net 2. Oktober 2013 um 15:47

[…] und eReatah sich warm anziehen sollten, erfahrt ihr in unserem Artikel. eBook-Flatrates gelten als „the next big thing“, sind aber noch nicht viel mehr als ein Versprechen. In Deutschland ist skoobe im […]

Antworten

readfy: eBooks kostenlos lesen dank Werbung » Debatte » lesen.net 28. November 2013 um 13:05

[…] probieren”, habe er vielfach gehört. Anders als bei Skoobe, die für ihre eBook-Flatrate einen Abo-Preis erheben, soll die Nutzung von readfy komplett kostenlos […]

Antworten

German website Lesen.net recommends free eBooks by Bookboon | BookboonGlobal 10. September 2015 um 12:10

[…] Das von Holtzbrinck und Bertelsmann initiierte Angebot lässt sich 14 Tage kostenlos testen. Mehr Informationen zu E-Book-Flatrates haben wir in einem eigenen Artikel […]

Antworten

διακοσμηση σπιτιου 27. Juli 2017 um 20:59

Pretty! This has been an extremely wonderful article. Thank you for supplying his info.

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