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eBook in Deutschland: Viele Verweigerer und PC-Leser

Der Hightech-Branchenverband Bitkom veröffentlichte am heutigen Dienstag die Ergebnisse seiner Ende August durchgeführten Studie zu Kauf und Nutzung von eBooks. Neue und teilweise überraschende Zahlen liegen nun unter anderem für die Nutzung von Lesegeräten, die beliebtesten Informations- und Bezugswege sowie Alternativen zum Kauf vor.

Jeder Fünfte liest eBooks – Belletristik ist am beliebtesten

ebook leser bitkom

Für die Umfrage wurden 2.528 Personen ab 14 Jahren befragt, wobei vor allem die Antworten von 539 Personen, die tatsächlich eBooks lesen,  für die Auswertung relevant waren. Unter diesen 21 Prozent finden sich vor allem 14- bis 49-Jährige wieder, das Geschlechterverhältnis ist nahezu ausgeglichen.

belletristik

Mit 69 Prozent ist die Belletristik beliebtester eBook-Lesestoff. Wie auch Untersuchungen zu gedruckten Büchern immer wieder zeigen, werden Romane dabei vor allem von Frauen bevorzugt. Nahezu ausgeglichen ist die Verteilung zwischen Mann und Frau jedoch bei allen anderen befragten Genres. 34 Prozent gaben jeweils an, Sachbücher oder Ratgeber zu lesen, 30 Prozent nannten Fach- und Lehrbücher.  Eine signifikante Änderung im Leseverhalten konnte von der Studie nicht belegt werden: 86 Prozent gaben an, genauso viel wie vor der Nutzung von eBooks zu lesen.

Ständige Verfügbarkeit und Funktionen des digitalen Buches überzeugen eBook-Leser

eBook-Leser genießen vor allem die funktionalen Aspekte des eBooks: Dazu gehört, dass eBooks rund um die Uhr gekauft und gelesen werden können. Außerdem überzeugt die Nutzer das leichte Gewicht des Lesegeräts gegenüber einem Stapel Bücher: Ein Aspekt, der jedem Leser und eBook Reader-Besitzer im Urlaub schon einmal positiv aufgefallen sein wird. Für 41 Prozent sind darüber hinaus die Funktionen wichtig, die die Digitalisierung mit sich bringt: So werden vor allem das Setzen von Lesezeichen, die Durchsuchbarkeit nach Stichwörtern und die Annotierungsfunktion hervorgehoben.

eBook-Verweigerer bevorzugen Haptik des Buches und bemängeln zu hohe Geräte-Preise

Fast die Hälfte der befragten Leser, die keine eBooks nutzen, gab an, dass für sie das ästhetische Vergnügen an gedruckten Büchern so wichtig sei, dass sie keine eBooks lesen möchte. Fast genauso viele sagten, dass sie der Preis eines Lesegerätes bislang vom Kauf abgehalten habe. Eine bereits etwas zurückliegende Studie zeigte, dass die meisten Interessierten bereit wären, zwischen 50 und 100 Euro für einen eBook Reader auszugeben. Heute sind bereits viele taugliche Geräte in dieser Preisklasse erhältlich. Hier scheint Aufklärungsbedarf zu bestehen. Nur 27 Prozent der derzeitigen Nicht-eBook-Leser können sich vorstellen, auf digitale Lektüre umzusteigen.

ebook verweigerer

Die genannten Gründe fielen je nach Alter der Befragten unterschiedlich aus. So ist laut den Antworten älterer Menschen für sie die größte Hürde, dass der Kauf von eBooks einen Internetzugang benötige. Die Hälfte der über 65-Jährigen gab außerdem an, dass sie nicht auf einem Display lesen möchte. Diese Antworten zeigen, dass es der Buchbranche ein Anliegen sein sollte, älteren Menschen die Scheu vor Lesegeräten zu nehmen, indem man Vorteile wie die Einstellbarkeit der Schriftgröße erläutert und Möglichkeiten anbietet, Titel auch im Ladengeschäft auf das Gerät übertragen zu können. Nur für ein gutes Viertel der befragten Nicht-eBook-Nutzer ist es vorstellbar, in Zukunft eBooks zu lesen.

Tablets sind beliebter als eBook Reader

ebookleser

Überraschend ist das Ergebnis der Frage nach den bevorzugten Lesegeräten: 77 Prozent der Befragten nutzen zum beruflichen oder privaten Lesen von eBooks ihren PC, Laptop oder Netbook. Darauf folgt mit 58 Prozent das Smartphone. Nur 21 Prozent lesen eBooks auf Tablets, 18 Prozent auf eBook Readern. Nicht repräsentativ wäre dieses Ergebnis sicherlich, wenn der Begriff des eBooks in der Studie näher definiert worden wäre. Daher sind auch die Antworten derer eingegangen, die zum Beispiel Dokumente im pdf-Format am PC für Arbeit oder Studium lesen. Ebenso wenig wurde differenziert in Viel- und Gelegenheitsleser. So ist anzunehmen, dass Vielleser und -nutzer von eBooks ein Tablet oder einen eBook Reader besitzen.

Wie bereits vor wenigen Tagen bekannt gegeben, schätzt Bitkom die Zahl von verkauften eBook Readern in Deutschland für 2013 auf 832.000 Stück und muss damit die ursprünglich prognostizierte Angabe von 1,43 Millionen stark nach unten korrigieren. Während die Sättigung des Marktes für eBook Reader damit bald erreicht sein mag, wächst der Absatz von Tablets gewaltig – nach Schätzung von Bitkom sollen acht Millionen Stück in Deutschland 2013 verkauft werden. Neben der Gruppe der Vielleser, die die augenfreundliche Technologie der Reader zu schätzen wissen, kaufen nun auch Gelegenheitsleser das ein oder andere eBook für ihr Tablet.

Kaufen oder leihen? Alternativen etablieren sich

kanäle

Vor dem Kauf eines eBooks lassen sich eBook-Nutzer neue Bücher besonders oft von Freunden und Bekannten empfehlen. Dies ist kaum anders als bei Lesern von gedruckten Büchern auch. Überraschend ist aber, dass sehr viele eBook-Nutzer die Informationsquellen des stationären Buchhandels nutzen, sich vom Stöbern in Buchhandlungen und den Empfehlungen der Buchhändler leiten lassen. Weniger auffällig ist hingegen, dass eBook-Nutzer überdurchschnittlich oft den durch Algorithmen entstandenen Empfehlungen in Online-Shops folgen.

kaufen

Gekauft wird dementsprechend oft (62 Prozent) in Online-Shops. Zweithäufigster Weg, ein eBook (bzw. die Lizenz) zu erstehen, ist für 18 Prozent der Befragten, den vorinstallierten Shop auf dem Lesegerät zu nutzen. Zwölf Prozent der eBook-Nutzer gaben an, generell nicht zu kaufen. Zu den Alternativen wurden die Teilnehmer daher ebenfalls befragt: 49 Prozent gaben an, nicht ausschließlich zu kaufen. Unter ihnen nutzen 17 Prozent die Onleihe der öffentlichen Stadtbibliotheken, 15 Prozent die Leihe kommerzieller Anbieter. Das Leihen von eBooks, in der Regel verbunden mit Flatrate-Zahlungsmodellen, scheint sich demnach als Konkurrenz zum Kauf zu etablieren. Ebenfalls 15 Prozent der eBook-Nutzer laden sich kostenlose, legal verfügbare eBooks herunter.

Ein kaum zu beurteilendes Ergebnis brachte die Frage mit sich, ob die Nutzer schon einmal ein eBook illegal heruntergeladen hätten: Sechs Prozent gaben zu, dies gelegentlich oder häufiger zu tun, 29 Prozent wollten dazu keine Angabe machen. 66 Prozent verneinten. Insgesamt bleibt die Aussagekraft dieses Ergebnisses zweifelhaft.

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Kommentare


carokann 1. Oktober 2013 um 19:12

Es wurden also ca. 40% weniger ereader verkauft als erwartet, während der Tablet-Absatz boomt.Ist die Zeit der spezialisierten Lesegeräte gezählt?

Antworten

wasgeht 1. Oktober 2013 um 19:29

Bei der Frage ist das Wörtchen „beruflich“ enthalten. Viele werden also auch die im Beruf gelesen ebooks mit angeben. Das dürfte einen großen Teil ausmachen. Und diese liest man selbstverständlich am PC. Tue ich ereader Fanatiker auch…

Ein typisches Beispiel von: „nicht richtig nachgedacht beim erstellen der Umfrage…“

Antworten

samy 1. Oktober 2013 um 20:21

@carokann

Nein, die Tage spezieller E-Reader sind nicht gezählt. Nur weil tollen Schätzer mit ihre Schätzung mal wieder daneben gelegen sind? Und meinst du 800.000 Leute die einen E-Reader gekauft haben, wollen in Zukunft alle auf Tablets lesen? Quatsch. Selbst wenn der E-Reader-Markt kein Wachstum mehr zeigt, und? Die Dinger gehen mal kaputt und werden ersetzt. Gut dann ist halt Schluß mit immer billiger und jedes Jahr einen neuer Reade, und? Reader wurden schon angeboten als der Marktanteil weit kleiner war und Reader werden auch in Zukunft angeboten werden.

Antworten

ReaderT2 1. Oktober 2013 um 21:02

Gekauft wird, was im Sortiment ist. Sollte die Branche also auf Tablets setzen und eReader beiseite rücken, geht der Trend klar Richtung Tablet.
Einfach deshalb, weil es einfacher ist, ein Tablet zu bekommen.
War gestern mal bei Saturn. Auf das Regal mit Tablets und eReader zugegangen und festgestellt, um die eReader zu finden, muß man nun um das Regal herum laufen und an paar Tablets vorbei um zu den eReadern zu kommen.
Vor einigen Wochen war es noch so, daß die eReader auf der anderen Seite des Regals waren, wo man direkt darauf zuläuft und die Geräte sofort im Blick hat.
Aus dem Erdgeschoß, direkt am Eingang sind die eReader schon vor längerer Zeit verschwunden und dort gegen die großen Smartphones ersetzt worden.
Dazu jetzt noch die Berichte, daß Tablets gefragt sind, wird einige veranlassen direkt zu einem dieser Tablets zu greifen.
Da bleibt abzuwarten, ob wieder gezielt eReader Werbung kommt, die die Leute darauf aufmerksam macht, vielleicht doch einen eReader zu kaufen.

Antworten

Juergen Schulze 5. Oktober 2013 um 15:12

Immer wieder überrascht zu sehen, dass es Leute gibt, die, um 99 Euro zu sparen, ihre E-Books am Rechner lesen… Werden wohl alles Büroarbeiter sein.

Antworten

Gfk-Studie: eBooks sollten 40 Prozent günstiger sein als das gedruckte Buch » eBooks » lesen.net 7. Oktober 2013 um 16:39

[…] Immer mehr deutsche lesen eBooks, und die Umsätze mit eBooks steigen weiter, vor allem auch in Konkurrenz zu anderen digitalen Unterhaltungsmedien. Zu diesem Ergebnis kam die GfK in ihrer kontinuierlichen Studie zum Konsumverhalten auf dem Medien- und Entertainment-Markt. Weitere aufschlussreiche Erkenntnisse bringt die Studie in einer gesonderten Umfrage zu Pricing von eBooks und Bekanntheit von enhanced eBooks. […]

Antworten

Maxine 27. Oktober 2013 um 09:18

Ich verstehe nicht, warum die Leute über die Preise der eReader diskutieren. 129 Euro für den Kindle paperwhite sind zwar nicht billig, aber das Lesen auch bei Sonnenlicht wirklich kein Probelm. Viel ärgerlicher und kostenintensiver sind meiner Meinung nach die Preise für eBooks. Im Durchschnitt kosten sie lediglich zwei Euro weniger als ein gedrucktes Buch – und das, obwohl der Druck entfällt.
Darum kaufe ich selten eBooks sondern leihe sie mir aus.
Skoobe lohnt sich für mich als Viel-Leser. Wenn ich jetzt die ausgeliehenen Bücher noch auf dem Paperwhite lesen könnte ( denn ich lese viel im Freien), wäre das perfekt :-)

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ebook.de-Zahlen: 80 Prozent Wachstum, ungewöhnliche Kunden » lesen.net 16. Januar 2014 um 19:09

[…] ist eine völlig andere Relation als beim Gesamtmarkt für elektronisches Lesen, wo solche Geräte gerade einmal an der 20-Prozent-Marke kratzen. Beliebtestes Lesegerät ist der Sony Reader, der von eBook.de offensiv vermarktet wird. Neben […]

Antworten

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