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eBook Store Libreka geht noch vor Weihnachten vom Netz

Beim 2009 mit viel Getöse und großen Investitionen vom Börsenverein angeschobenen eBook Store Libreka wird in zwei Wochen endgültig der Stecker gezogen. eBooks will der Branchenverband künftig über die zentrale Plattform Buchhandel.de verkaufen. Dort knirscht es aber immer noch mächtig im Getriebe.

Unter dem Titel MVB bündelt Online-Shops für Endkunden vermeldete das Hausorgan Börsenblatt.net am gestrigen Mittwochabend knapp das Ende von Libreka. Am 18.12. geht der Online-Shop vom Netz, schon ab dem 15.12. ist kein eBook-Kauf mehr möglich. Die Marke Libreka werde künftig nur noch als B2B-Dienstleister in Aktion treten, ließ der Börsenverein verlauten.

libreka buchhandel

Die bestehenden Konten von Libreka-Kunden ziehen mit den digitalen Bibliotheken auf das frisch überarbeitete Buchhandel.de um, wo neben eBooks aus gedruckte Bücher zu finden sind. Alt-Kunden bekommen den Umzug mit drei gratis eBooks (Gesamtwert: 6,97 Euro) versüßt.

Stilles Ende eines Prestigeprojektes

Von seiner Live-Schaltung im März 2009 an war Libreka umstritten: Anfangs war das Angebot dünn und die Usability meilenweit entfernt von Amazons eBook Store. Ein anonymer Brandbrief bescheinigte dem Portal im Herbst 2009 eine alarmierende Erfolglosigkeit trotz massiver Investitionen.

Auch Experimente wie der Offline-E-Book-Verkauf (mittels Kartenlesegerät) und Werbeaktionen wie die Verlosung von 100 eBook Readern zusammen mit der Bild-Zeitung konnten den Store nicht auf die Erfolgsstraße führe. Im Jahr 2012 vergraulte Libreka auch noch den stationären Buchhandel, als man seinen Store Netto zur Verfügung stellte. Infolge eines Aufschreis der Buchhändler – die Libreka immerhin über VLB-Beiträge maßgeblich finanzieren – wurde der Vertrag in Windeseile gekündigt.

Buchhandel.de als Gesamtpaket

Das neue Branchenportal heißt jetzt also Buchhandel.de. Die jahrelang nur im B2B-Kontext genutzte Plattform wendet sich seit einem Facelift im Oktober auch an Endkunden, konzipiert ist sie als gemeinsamer Online-Shop aller unabhängigen Buchhandlungen.

Diesen Anspruch untermauert der Börsenverein auch gleich in einer aktuellen Branchendebatte. In Kürze: Bislang (und aktuell noch) wurde auf spiegel.de aus der von Buchhandlungen gehobenen Spiegel-Bestsellerliste ausschließlich auf Amazon.de gelinkt. Disktuiert wird nun die Integration einer Vielzahl von Anbieter-Links, der Börsenverein hingegen pocht auf eine exklusive Verlinkung auf Buchhandel.de. Grossist Libri und die Buchgenossenschaften eBuch und Nordbuch sind wenig begeistert.

Mehrwert völlig unklar

In seiner jetzigen Form ist Buchhandel.de allerdings noch äußert unfertig und alles alle als eine wirkliche Alternative zu Amazon. Insbesondere die Suchfunktion bereitet Kummer. Der Börsenverein hat hier vor zwei Wochen zwar gelobt, an der “Optimierung von Buchhandel.de” zu arbeiten. Nach wie vor ist aber überhaupt nicht ersichtlich, was Lesefreunde zum Einkauf ihrer gedruckten oder digitalen Bücher bei Buchhandel.de verleiten soll – und im Endeffekt, warum das Portal nicht ebenso Geld verbrennen und dahindümpeln wird wie Libreka.

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Kommentare


Branchen-Angebot buchhandel.de auf der Kippe » lesen.net 24. Juni 2016 um 14:18

[…] Nach Libreka steht damit auch das zweite Prestige-Projekt des Börsenverein im Endkundenbereich vor dem Aus. Der Flurschaden ist derweil überschaubar, Buchhandlungen haben eine Vielzahl von Alternativen für den Online-Verkauf von Büchern. Dazu zählen Großhändler wie Libri, über die unabhängige Buchhandlungen auch Tolino-Lesegeräte vertreiben können, ebenso wie das Gemeinschaftsprojekt Genialokal der Buchhandelsgenossenschaft eBuch. […]

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