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Gratis-eBook-Flatrate Readfy startet Beta-Phase, will Geld von Crowd

Die werbefinanzierte eBook-Flatrate Readfy steht in den Startlöchern: Von kommenden Montag an (03.02.) läuft eine Crowdfunding-Kampagne, zeitgleich startet die öffentliche Beta-Phase. Der Titelkatalog ist allerdings vorerst dünn befüllt, aktuelle Bestseller fehlen vollständig. Eine erste Modifizierung des Geschäftsmodells steht schon in Aussicht.

readfy shopfront krieg und friedenReadfy: Wenige Highlights im Titelkatalog

Mit rund 15.000 eBooks von 120 Verlagen geht Readfy nach eigenen Angaben am Montag ans Netz. Das ist quantitativ ein gutes Stück weg von den im Herbst in Aussicht gestellten 25.000 Titeln. Vor allem hapert es aber an Klasse: In einem am heutigen Freitag publizierten Wall-Street-Journal-Porträt nennt ein Readfy-Manager Perry Rhodan und die Eifel-Krimis von Jacques Berndorf als Highlights des Sortiments.

Auf den App-Screenshots sind ansonsten außerdem hauptsächlich Public-Domain-Titel wie “Krieg und Frieden” zu sehen. Vor zwei Monaten sah das noch anders aus, auf ähnlichen Screenshots prangten damals Jojo Moyes, Dan Brown & Co. “Die Spiegel Top 100 sind noch nicht dabei, aber wir arbeiten daran”, heißt es dazu seitens Readfy in der WSJ-Story. Alle zum Start verfügbaren eBooks kommen laut WSJ-Bericht von einem einzigen Zwischenhändler. Dabei handelt es sich wohl um Bookwire, dessen Geschäftsführer Jens Klingelhöfer an Readfy beteiligt ist.

Trotz nach eigener Aussage guten Gesprächen auf der Frankfurter Buchmesse halten sich die großen Verlage also zunächst einmal fern. Das ist gut zu verstehen: Die Sorge vor einer Kannibalisierung der weitaus lukrativeren Verkäufe ist groß, die erwartbaren Werbeeinahmen minimal. Ohne ein attraktives Sortiment fehlt es der App aber an Anziehungskraft für die Leserschaft.

Klassische Online-Werbeformate

Beispielhafte Werbeformate bei Readfy

Beispielhafte Werbeformate bei Readfy

In Sachen Werbeformen fehlen zumindest zum Start die ganz großen Innovationen. Eingesetzt werden Banner am unteren Bildschirmrand und ganzseitige Anzeigen zwischen Kapiteln, also im Grunde genommen klassische Online-Werbeformate. Diese Formate ziehen einerseits unzweifelhaft Aufmerksamkeit auf sich (was Werbung auch tun muss), stellen aber auch eine erhebliche Beeinträchtigung des Leseerlebnisses dar. Ob Leser dazu über ein kurzes Ausprobieren hinaus bereit sind – wir sind skeptisch.

Abomodell hat Readfy schon in der Schublade

Erstmalig kündigt Readfy im WSJ-Gespräch kostenpflichtige Vertragsmodelle an. Wie bei Spotify soll die werbefinanzierte Version also perspektivisch der “Anfütterung” dienen, Leser sollen in kostenpflichtige Monatspläne (4,99 Euro beziehungsweise 9,99 Euro) überführt werden. Damit stünde Readfy in direkter Konkurrenz zu Skoobe, die bereits über einen quantitativ wie qualititatv wesentlich hochwertigeren Titelkatalog verfügen und über ihre Eigentümerstruktur (Holtzbrinck, Bertelsmann) ungleich leichteren Zugriff auf Inhalte haben.

100.000 Euro Anschubkapital kamen vom Inkubator 1st Mover, weiteres Geld soll von Montag an über die Crowdfunding-Seite Companisto eingesammelt werden. Wie viel genau, dazu gehen die Angaben auseinander: Im WSJ-Artikel ist von 100.000-300.000 Euro die Rede, auf Companisto wird das gesuchte Kapital mit 25.000-100.000 Euro angegeben. Im Beteiligungsvertrag ist als maximale Beteiligungssumme 500.000 Euro genannt. Wahrscheinlich ist, dass die Gesellschafter erst einmal mit einer niedrigen Funding-Schwelle starten wollen und bei einer guten Response weitere Anteile ausloben.

Teures Investment mit hohem Risiko

Der Schritt in Richtung Crowd ist für ein Startup wie Readfy keine dumme Idee – bei einem Anteilspreis von 5 Euro werden sich zahlreiche Kleinstinvestoren finden, die zu einem großen Teil dann sicherlich auch als Beta-Tester und vor allem als Multiplikatoren in Erscheinung treten werden. Ob ein ernsthaftes Investment eine gute Idee ist, steht freilich auf einem ganz anderen Blatt. Mit 1,5 Millionen Euro ist Readfy für die Unternehmensphase (kein Proof of Concept, keine nennenswerten Patente oder Verträge) extrem ambitioniert bewertet. Wir wünschen den Machern viel Erfolg mit ihrem mutigen Geschäftsmodell, haben aber doch erhebliche Zweifel an der Tragfähigkeit – Readfy muss erst noch beweisen, dass es für Verlage und Leserschaft einen Mehrwert schaffen kann.

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Kommentare


readfy: eBooks kostenlos lesen dank Werbung » lesen.net 31. Januar 2014 um 21:51

[…] [Update 31.01.14: Gratis-eBook-Flatrate Readfy startet Beta-Phase, will Geld von Crowd] […]

Antworten

Startup readfy – kostenlose, werbefinanzierte E-Books | Meier-meint.de 31. Januar 2014 um 23:33

[…] kostenloses, da werbefinanziertes Modell an den Start gebracht. Kollege Johannes Haupt hat bei lesen.net gewohnt kompetent alle relevanten Fakten zusammengefasst – hier soll der Aspekt […]

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Readfy App im Kurz-Test (+Video) » lesen.net 11. Februar 2014 um 16:09

[…] Mit der Idee einer werbefinanzierten eBook Flatrate sammelt Readfy gerade Crowd-Kapital ein, zahlreiche Medien berichten über das Konzept. Was von der Lese-App in der Praxis zu halten ist, klärt unser kurzer Test. […]

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E-Book-Flatrate readfy sammelt 500.000 Euro ein » lesen.net 25. März 2014 um 11:10

[…] Düsseldorfer E-Book-Flatrate-Anbieter readfy hat sein Crowdfunding am gestrigen Montag erfolgreich abgeschlossen. Innerhalb von fünf Wochen sammelte readfy […]

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E-Book-Flatrate Readfy jetzt offen für alle » lesen.net 2. April 2014 um 14:29

[…] dem Start von Crowdfunding und Beta-Phase Ende Januar hat sich kaum etwas am Sortiment getan. Quantitativ ist die Auswahl zwar schon […]

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eBook Flatrate Readfy: Kampf ums Konzept » lesen.net 14. Januar 2015 um 22:53

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