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Entlassungswelle bei Kobo

Drei Monate nach seiner Einsetzung lässt der neue Kobo-Chef Hiroshi Mikitani Taten sprechen. Der Japaner, der von Kobo-Mutter Rakuten an der Spitze des kanadischen E-Reading-Spezialisten Kobo installiert wurde und hier Firmengründer Michael Serbinis ablöste, trennt sich von 63 Mitarbeitern. Auch in Deutschland wird konsolidiert.

In der am gestrigen Donnerstag publizierten Meldung zur Entlassungswelle beim Toronto Star finden sich seitens Kobo die üblichen PR-Phrasen zu solchen Anlässen: Man habe „die Organisationsstruktur geändert“, um alle Ressourcen auf „Innovation, Partner und Leser“ zu kanalisieren. „Teams wurden umstrukturiert und optimiert“ – dieser Optimierung fielen 63 Arbeitskräfte zum Opfer, was ungefähr 15 Prozent des gesamten Personals betrifft. Weltweit beschäftigt Kobo nach Angaben vom Toronto Star 400 Menschen, wobei nicht klar ist, ob sich diese Angabe auf den Zeitraum vor oder nach der Entlassungswelle bezieht.

Auch in Europa hat Kobo Federn lassen müssen. Für Kunden sichtbar ist das am ehesten durch die komplett eingestellten Social-Media-Aktivitäten von Kobo Deutschland. Die Facebook-Seite mit mehreren Tausend Fans wurde gelöscht, zuvor wurde für weitere Infos auf die internationale Seite verwiesen. Der jüngste deutsche Tweet hat gerade Einjähriges gefeiert. Weiterhin hat sich Kobo von seiner deutschen PR-Agentur getrennt (die Kommunikation erfolgt jetzt komplett aus Luxemburg), auch festangestellte deutsche Mitarbeiter verließen das Unternehmen.

Wachablösung von Amazon vom Tisch?

Eine Konsolidierung nach jahrelangem Wachstumskurs ist für junge Unternehmen nicht ungewöhnlich. Auch der Zeitpunkt – kurz nach der Einsetzung eines Mannes an der Unternehmensspitze, der als als Turn-Around-Spezialist bekannt ist – überrascht wenig. Bei der aktuellen Marktentwicklung gerade in Nordamerika, wo die US-amerikanische Nummer 2 Barnes & Noble massive Verluste im Digital-Bereich einfährt und sich lieber heute als morgen aus dem Geschäft verabschieden würde, kommt dem personellen Aderlass aber noch eine andere Bedeutung zu.

Er wirft die Frage auf, wie ernst es Kobo ist mit dem Plan, Amazon auf breiter Basis Konkurrenz im weltweiten E-Reading-Geschäft zu machen. In den letzten Jahren gingen die Nutzerzahlen zwar steil nach oben. Eine Reduktion der personellen Schlagkraft, um möglichst schnell schwarze Zahlen zu schreiben, ist aber kaum die richtige Strategie zum weiteren Ausbau von Marktanteilen.

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Kommentare


Sony Reader jetzt mit Kobo Store » lesen.net 23. Juni 2014 um 10:50

[…] günstig. Bei deutschsprachigen E-Books gibt es aber zahlreiche Lücken im Sortiment, und die jüngsten Entlassungen bei Kobo werden kaum zu einer besseren Programmpflege führen. Selbst für aktuelle Bestseller […]

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