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eReader-Nutzer: Städtisch, gebildet, viellesend

Während in der Vergangenheit hauptsächlich Erhebungen zur Kauf- und Zahlungsbereitschaft zu eBook Reader und digitaler Inhalte durchgeführt wurden, kommen im Zuge der zunehmenden Verbreitung von Lesegeräte nun auch mehr und mehr ihre Nutzer zu Wort beziehungsweise ins Bild. Die Ergebnisse zweier in den letzten Tagen publizierter Studien offenbaren dabei durchaus Überraschendes.

Harris Interactive befragte im August 2700 Amerikaner ausführlich zu ihrem Leseverhalten. Erste Feststellung: Acht Prozent lesen bereits elektronisch. Wenig überraschend geben eReader-Nutzer mehr Geld für Literatur aus und schmökern entsprechend mehr als der Durchschnitt – die Investition in ein digitales Lesegerät (egal wie teuer) wird schließlich nicht ohne Grund bzw. Lesebedürfnis vorgenommen.

newkindle6Interessanter ist da schon die Feststellung, dass eReader-Nutzer infolge ihrer Anschaffung mehr lesen – 53% der Befragten gaben das an. Über die Gründe dazu kann aktuell nur spekuliert werden: Der direkte und leichte Zugang zu eBooks über integrierte Online-Shops könnte ein Faktor sein, das in den USA niedrige Preisniveau (häufig 50% unter Print) ein Anderer. Sicherlich lassen sich die Auskünfte aber nicht 1:1 auf den deutschen Markt übertragen.

Gleichsam überraschend und erwartbar ist die geographische Aufteilung der eReader-Nutzer und -Interessenten (12% der Noch-Nicht-Elektronischleser liebäugelt mit einer Anschaffung innerhalb der nächsten sechs Monate). Die meisten eBook Reader Nutzer gibt es derzeit an der dicht besiedelten Ostküste: 14% lesen hier schon elektronisch – im Landesdurchschnitt sind es wie gesagt 8%, im weitläufigen mittleren Westen und im Süden der USA nur jeweils 6%.

buchladenIn den USA ist das stationäre Buchhandelsnetz längst nicht so ausgebaut wie bei uns, wobei in abgelegenen Gegenden die Suche nach einem Buchladen naturgemäß schwerer fällt als im städtischen Raum. In sofern wäre eigentlich zu erwarten gewesen, dass ‚Landbewohner‘ im besonderen Maße den leichten Literaturzugang als wesentlichen Vorzug von Lesegeräten schätzen und entsprechend vermehrt zuschlagen würden – tatsächlich ist aber das Gegenteil der Fall. Auch hier lässt sich über die Gründe nur spekulieren – vielleicht sind ‚Städter‘ einfach innovationsfreudiger, vielleicht kommen die kompakten eReader auch eher ihrem Leseverhalten (häufig unterwegs) entgegen.

ipad-ibooks-readingDie Harris Interactive Studie fasste unter den Sammelbegriff eReader alle elektronischen Geräte, mit denen die Befragten lesen- dedizierte eBook Reader ebenso wie etwa das iPad. Im Rahmen des Untersuchungsdesigns geht das in Ordnung, verstellt aber natürlich den Blick auf Differenzen zwischen den verschiedenen Nutzergruppen.

Genau dieser Frage ging Nielsen Research nach, bat dazu 5.000 amerikanische Besitzer von ‚connected devices‘ (eBook Reader, Tablets, Netbooks, Smartphones, Pocketkonsolen) um Auskunft. Soziodemographisch taten sich dabei erwartungsgemäß deutliche Unterschiede zwischen den Käufern der verschiedenen Endgeräte auf.

connected_devices_01So wird der Amazon Kindle praktisch in gleichem Maße von Männern wie Frauen genutzt (52%:48%). Beim iPad ist das Geschlechterverhältnis dagegen deutlich schief: 2/3 der iPad-Nutzer sind männlich. iPad-Nutzer sind weiterhin deutlich jünger (63% unter 35 Jahren) als Kindle-Nutzer, verdienen außerdem (entsprechend?) ein bisschen weniger.

44% der befragten Kindle-Besitzer haben ein jährliches Einkommen größer 80.000 US-Dollar – eine Marke, die nur 39% aller iPad-Besitzer erreichen oder übertreffen. Der überdurchschnittliche Verdienst von Kindle-Nutzern korreliert dabei mit einer besonders guten Ausbildung: 27% dürfen sich mit einem Master- oder Doktor-Titel schmücken.

Damit offenbaren sich auch auf der Nutzer-Ebene klare Differenzen zwischen den Geräteklassen ‚Surf-Tablets‘ und ‚eBook Reader‘: Auf der einen Seite bunte Alles-Könner fürs Surfen, Mailen, Filme & Fotos kucken und vielem mehr; auf der anderen Seite weitgehend monofunktionale Lesegeräte, die zu kaum etwas anderem als Textwiedergabe gut sind.

Da überrascht es wenig, dass Tablets eher von einer jungen und unterhaltungsorientierten Nutzergruppe mit – absolut gesehen – eher peripherer Literaturaffinität geshoppt werden, während Käufer von elektronischen Lesegeräten im Wesentlichen den klassischen Buchhandelskunden repräsentieren (abgesehen vom Geschlechterverhältnis).

follett-text-popupDurch die Masse der verkauften Tablets entwickeln sich iPad & Co. zwar trotzdem zu einem wichtigen Vertriebskanal für elektronische Literatur. Die „serious reader“ lesen aber eher woanders – eine Erkenntnis, die auch bei der Konzeption erweiterter Buchformen mit einbezogen werden sollte.

<Nielsen via Basic Thinking>

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Kommentare


carokann 3. Oktober 2010 um 14:22

Sicher kein Dauerzustand. Die Bücher unter denen sich heute die Tische z.B bei Thalia biegen, werden bald auch auf den e-reader gelesen werden.

Wir sind halt noch ganz am Anfang.

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Gerriet 3. Oktober 2010 um 17:13

Alles braucht sein Zeit, dasselbe war es mit Podcastes, Screencast etc.

Man muss nicht immer so ungeduldig sein. Ich finde nur solche SAchen wie Ipads eine Sackgasse sind, weil sie von einer Firma gepflegt werden, Das ganze kann vor-aber auch nachteile haben.

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R 3. Oktober 2010 um 17:17

Stimmt, als wirklich anspruchsovll sind die fließband-artig produzierten Vampir-Romanzen (mit immer gleich aussehenden Titelgestaltungen) wahrlich nicht zu bezeichnen…

Antworten

eBooks: der Siegeszug des [neuen] Lesens | MedienFabrik 4. Oktober 2010 um 16:01

[…] hoch interessanten Beitrag des von uns sehr schätzten Blog von lesen.net haben wir eine von Harris Interactive durchgeführte […]

Antworten

Bigboo73 5. Oktober 2010 um 08:20

Verdammt ich bin zu alt für mein IPad, muss ich doch weiter auf meinem Hanvon lesen… ;) Ich finde Studien wo 2000 oder 5000 Menschen befragt werden schon irgendwie zweifelhaft…

Studien in Deutschland werden sowieso erst Interessant wenn es ein nahezu komplettes E-Book Angebot gibt, da dann erst die Kunden kommen. Zum jetzigen Zeitpunkt würde bei einer 1000 Menschen Studie wahrscheinlich 0 rauskommen, weil man niemanden mit einem Ebookreader findet ;).

Zur USA: wer schonmal im mittleren Westen der USA unterwegs war weiß warum da wenig gelesen wird, dafür ist der Begriff „Hinterwald“ erfunden worden :D

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Fünf eReading-Megatrends in 2011 » Debatte, eBooks, eReader » lesen.net 29. Dezember 2010 um 16:39

[…] als typische Gadgetkäufer sind an elektronischen Lesegeräten Interessierte – analog zu Buchkäufern – zumeist eher mittleren Alters und noch nicht mit einem […]

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Studie: 40% aller iPad-Nutzer haben auch einen Kindle » eReader » lesen.net 4. Januar 2011 um 14:57

[…] 49% der Teilnehmer räumten ein, weniger als 10 Bücher im Jahr zu lesen. Auf der anderen Seite gaben aber auch 16% an, mehr als 26 Bücher jährlich wegzuschmökern – die Zielgruppe von Herstellern dedizierter Lesegeräte. […]

Antworten

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