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Erst lesen, dann zahlen: Innovatives Shop-Konzept für Viel-Leser und Self-Publisher

Wer hat sich nicht schonmal darüber geärgert, Geld für ein Buch ausgegeben zu haben, das nicht hielt, was es versprach? Und wie oft möchte man ein tolles eBook, an Freunde weitergeben, kann das aber auf Grund des Kopierschutzes nicht? Ein neuer, unabhängiger Online-Bookstore löst jetzt beide Probleme. Ganz nach dem Grundsatz: Read it, Love it, Price it, Share it.

276 Titel von 130 Indie-Autoren werden zur Zeit bei OpenBooks.com angeboten. Der Clou: Die Bücher können gratis und ohne Anmeldung mit nur einem Klick heruntergeladen werden.

Seite mit Payment-Link im eBook

Seite mit Payment-Link im eBook

Kein fester Preis und kein Kopierschutz

Jeder Download enthält das eBook in drei verschiedenen Formaten: epub, mobi und pdf. Die eBooks enthalten kein DRM oder andere Arten von Kopierschutz. Sie können also frei und legal kopiert und verbreitet werden. Die Weitergabe an Freund und Bekannte ist sogar ausdrücklich erwünscht. „Ich mag es Bücher, die ich liebe, mit anderen zu teilen. Aber die aktuellen eBook-Publishing-Modelle unterstützen das nicht. Tatsächlich ist das sogar schwieriger, als jemandem die Print-Ausgabe eines Buches zu geben“, erklärte OpenBooks-Gründer Michal Kicinski, als er sein Projekt auf der Londoner Buchmesse vorstellte.

Bezahlt werden die Bücher entweder direkt auf der Seite oder über einen Payment-Link, der in jedem Buch und jeder Kopie zu finden ist. Das heißt die Bücher werden zwar kostenlos zur Verfügung gestellt, die Leser werden aber dazu aufgerufen ein Produkt, was ihnen gefallen hat, auch entsprechend zu bezahlen. Das heißt auch Leser, die das Buch über Dritte bekommen haben, ohne den Shop zu besuchen, sind potenziell zahlende Kunden. Jedes Buch ist mit einer Preisempfehlung versehen, die gezahlte Summe kann aber unabhängig davon vom Leser selbst bestimmt werden. Bezahlt wird sicher und transparent über PayPal. Bereits auf der Bezahl-Seite wird direkt angezeigt, wie der Preis  sich zusammen setzt.

Wo das Geld hingeht, ist auf den ersten Blick ersichtlich

Wo das Geld hingeht, ist auf den ersten Blick ersichtlich

Vorteile für Autoren

Tatsächlich geht das meiste Geld, immerhin 70 Prozent, an den Autor des Buches. Damit bietet OpenBooks vor allem neuen Indie-Autoren eine interessante Plattform ihre eBooks direkt, ohne einen weiteren Distributor, zu veröffentlichen und zu verkaufen. Die Handhabung ist ausgesprochen einfach. Man meldet sich an, erstellt ein Autoren-Profil, lädt sein Buch hoch und legt eine Preisempfehlung fest. Innerhalb von 72 Stunden sollte das Buch dann auf der Seite erscheinen. Neben den 70 Prozent Vergütung lockt OpenBooks mit weiteren Vorteilen: veröffentlichte Rezensionen und Autoren-Porträts erhöhen die Aufmerksamkeit, unmittelbarer Überblick über die Verkaufszahlen steht zur Verfügung, die freie Weiterverbreitung verspricht hohes virales Potenzial und – last but definitely not least – alle Rechte am Werk bleiben beim Autor.

Philosophie von OpenBooks

Das Bezahl-System beruht unmittelbar auf dem Zusammenhang von Leistung und Anerkennung – nur ein gutes Produkt macht auch Gewinn. Die Leser werden dazu aufgefordert diese Anerkennung in Form von Geld-Spenden auszudrücken. Die Autoren dagegen sollen sich durch den Lohn nicht nur geschätzt fühlen, sondern auch dazu motiviert werden weiter zu schreiben. So erhalten die Leser gleichzeitig die Möglichkeit neue Autoren zu entdecken und zu unterstützen, ohne sich bei Nicht-Gefallen über rausgeschmissenes Geld zu ärgern.

Zuspruch und Kritik

Die Meinungen der Presse zu diesem Konzept gehen stark auseinander. Das Wirtschaftsmagazin Forbes lobt die Idee als unserer Zeit angemessen, kann sich eine Ausbreitung außerhalb des Self-Publishing-Sektors aber nicht vorstellen. Anna Baddeley vom britischen Guardian dagegen hält das Konzept „Erst Lesen, dann Zahlen“ für einen unrealistischen Tagtraum. Sie kann sich nicht vorstellen, dass ein solches Modell auf Dauer erfolgreich ist. Für sie bedeutet „Zahle was du willst“ am Ende nur, dass niemand bezahlt.

Bildschirmfoto 2015-04-28 um 15.22.24“Pay what you want” bei Humble Bundle

Die Idee die Leser selbst ihren Preis bestimmen zu lassen ist nicht neu. Weithin dafür bekannt sind beispielsweise Humble Bundle und Story Bundle. Dort werden alle zwei Wochen mehrere eBooks zu einem bestimmten Thema (sogenannte Bundles) angeboten. Der Käufer kann selbst entscheiden, wie viel er für die Bücher zahlen möchte. Ein höherer Preis wird meist durch zusätzliche Produkte belohnt. Bei Story Bundle kann der Käufer außerdem entscheiden, wie viel Prozent des Kaufpreises an die Autoren gehen und man kann 10 Prozent für einen guten Zweck spenden.

Keine Möglichkeit für den deutschen eBook-Markt

Während sich englischsprachigen eBook-Freunde mit OpenBooks  wieder ganz neue Möglichkeiten bieten, ist für Konzepte dieser Art in Deutschland weiterhin kein Platz. Grund dafür ist, dass sie der gesetzlichen Buchpreisbindung widersprechen. So wurde ein ähnliches Projekt des Berlin Story Verlages bereits 2012 abgeschmettert. In anderen Bereichen, beispielsweise der Gastronomie, wird die „Zahl was du willst“-Idee dagegen auch hierzulande schon seit längerem getestet.

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Kommentare


OpenBooks.com: Erst lesen – dann zahlen | AUTHORS CHOICE 12. Mai 2015 um 14:54

[…] lesen.net, openbooks.com, forbes.com […]

Antworten

Zahlen, wenn es gefällt | Nachrichten für öffentliche Bibliotheken in NRW 22. Mai 2015 um 06:28

[…] www.lesen.net/ebook-news/erst-lesen-dann-zahlen-innovatives-shop-konzept-fuer-viel-leser-und-self-pu… via: Fachstelle Stuttgart, Info-Digital Mai 2015 […]

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