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[Folien] eBooks für Kleinverlage

logo_boersenvereinAn einer Beschäftigung mit eBooks kommen Verlage heutzutage nicht mehr vorbei; das offenbarte sich einmal mehr bei der Jahrestagung vom Arbeitskreis kleinerer unabhängiger Verlage in Frankfurt, wo sich ein bedeutender Teil des Programms mit der Digitalisierung beschäftigte. Im Vorfeld einer spannenden Podiumsdiskussion zum Thema, die hier bereits  dokumentiert wurde, hielt ich einen einführenden Vortrag zum Status Quo im eBook Markt sowie zu Chancen und Risiken für die versammelten Kleinverleger.

Nachfolgend finden sich die beim 45-minütigen Vortrag gezeigten Folien sowie einige erklärende Schlagworte. Aufgrund des breiten Ansatzes im Verbund mit der – dafür – knappen Zeit konnten viele Sachverhalte nur oberflächlich behandelt werden; in Anbetracht des in Sachen eBooks größtenteils doch sehr unbeschlagenen Publikums war es primäres Ziel, einen ersten Überblick zur Thematik zu verschaffen und den Verlagsmenschen ein wenig die Furcht vor einer notwendigen Beschäftigung mit dem fremdartigen Thema zu nehmen. Statt dessen sollten die die Chancen des “digital shift” gerade auch für ‘Unabhängige’ in den Vordergrund gerückt werden, die es gegenwärtig bei stationären Buchfilialisten und großen Online-Händlern nicht gerade einfach haben (Abschläge 50% plus).

  • Branche im Umbruch, aktuell geraten vor allem die großen Händler ins Schlingern (Borders, Barnes & Noble). Print stagnierend bis rückläufig, eBook dagegen großer Wachstumsmarkt mit >100% jährlichem Wachstum. Noch auf niedrigem Niveau, aber die Endgeräte sind jetzt da (vgl. “iPod-Effekt” in der Musikindustrie)
  • eBook Reader: Verschiedene Klassen, teilweise mit angebundenen eBook Stores; hier Differenzen zwischen verschiedenen Ansätzen (Kindle: Geschlossenes Ökosystem; Oyo: Auch andere DRM-Quellen nutzbar). Schon früh absehbar, dass iPad kein “Kindle-Killer”
  • eBooks: USA: Alles vernetzt, große Hersteller/Verkäufer sind gleichzeitig große Hardwarehersteller (Ausnahme Google → Googles Geschäftsmodell der Bereitstellung eines Marktplatzes aber auch nicht 1:1 adaptierbar, weil Buchpreisbindung). Extrem große Konzentration: Allein Amazon könnte 2012 fast die Hälfte der Umsätze auf sich vereinen.
  • In Deutschland: Überschaubare Zahl an (relevanten) Händlern. Verschiedene Reichweite, aber auch verschiedene Ausstattungsmerkmale (Libri : Verschlüsseln alle eBooks mit Adobe DRM – dann zwar theoretisch für iPad nutzbar, praktisch aber unbekannt/nicht praktiziert)
  • zunehmend teilweise oder vollumpfänglich branchenfremde Player (Google, Apple), die sich an Distribution versuchen. Stichwort „Vernetztes Lesen“, App-Ökosysteme (aber: Plattformbetreiber wie Apple halten die Hände auf, wollen 30% Revenue Share. Ist das noch lukrativ?)
  • Enhanced eBooks: noch viel Experimentelles, kein ROI. Allerdings: Damit auch Chance, „Nicht-Leser“ anzusprechen und zu Kunden zu machen bzw. anzufixen (also auch als Marketinginstrumente interessant!)
  • Besondere Textformen (Kindle Singles: Essays, Kurzgeschichten); „Entbündelung“ – kommt durchaus gut an (→ Hohe Chartpositionen im Kindle Store)
  • Piraterie: Wechselverhältnis Endgerät <-> Inhalte. Lange Zeit kein großes Thema, weil noch keine Hardware verfügbar
    Heute: Immer günstigere, immer attraktivere Endgeräte.
  • Was tun gegen Piraterie? Pricing muss angemessen  und nachvollziehbar sein (Differenz zu Print), außerdem kein Kopierschutz bzw. allenfalls Social DRM. Allerdings: Kindle Books (kopiergeschützt!) in den USA ein großer Erfolg, dito Apple Apps; Grund: Convenience (1x gekauft, überall verfügbar)
  • Händler werden zu Verlegern. Thalia hat’s einmal angedacht, Amazon realisiert es in den USA bereits. Wofür noch Verlage? Auch Autoren werden zu (Selbst)Verlegern. Beispiel Rowohlt: „Wollen (mit Enhanced eBooks) Autoren zeigen, wofür wir gut sind. Hier kommt Aufgabe auf Verleger zu, einen (Markting-)Mehrwert zu generieren – kann auch in Coaching im Social Web resultieren, ansonsten „Verbreitung der Literatur über möglichst viele Kanäle“ (allerdings: Auch ein Agent/Personal Distributor kann  das tun). Verlage müssen Lesern und Autoren ihre Daseinsberechtigung neu beweisen.
  • Potenziale für Verlage. Großer Vorteil von eBooks: Größere Marge, potenziell bessere Sichtbarkeit (weil Ladentheken de facto grenzenlos. Also: Es muss ureigenstes Interesse kleiner Publisher sein, eBooks nach vorne zu bringen. Vorsicht heute leistet Piraten Vorschub
  • Steigerung der eigenen Sichtbarkeit → Branding! Sich Nische suchen, hier Marke werden und Reputation aufbauen. Beispiel z.B. Terzio „Service“ im Sinne z.B. von Zusatzangeboten im Internet, Aufbau und Pflege von Communitys. Gute Möglichkeit für Branding z.B. durch eBook-Cover

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Kommentare


Thomas Knip 21. Februar 2011 um 00:13

Puh, ich hoffe mal, du hast die Kleinverleger mit den ganzen Informationen nicht erschlagen. Die Folien sehen schon mal nach einer guten Marktbetrachtung aus.

(Nicht nur) Ich gehe aber davon aus, dass der Markt in den nächsten Jahren beim Vertrieb eine Konzentrierung erleben wird.
Verlage, die selbst anbieten, werden eine Nische sein.
Das Gros der Leser wird über die “üblichen Verdächtigen” einkaufen (Convenience).

Von daher wird es in Zukunft umso wichtiger, bei den “Großen” vertreten zu sein, um überhaupt wahrgenommen zu werden.

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