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Führende illegale E-Book-Download-Seite macht dicht

piratenflaggeLeiser Abschied eines großen Störenfrieds: buecherkiste.org, eine der größten und bekanntesten Anlaufstellen für den illegalen Download von deutschsprachigen E-Books, ist vom Netz gegangen. Doch die Nachfolger stehen schon in den Startlöchern.

buecherkiste.org, rein optisch ein unscheinbarer Blog, bot mehrere Tausend topaktuelle E-Books zum gratis Download an. Für die aktuellen Spiegel-Bestsellerlisten für Belletristik und Sachbücher gab es sogar eigene Channels – hier war bisweilen mehr digital verfügbar als in Kindle Store & Co.. Einen großen Teil ihrer Besucher erhielt die Seite von Google: Bei einer typischen Suche nach “Buchname + ebook” rankte die Seite bei vielen Titeln über den ersten legalen Angeboten.

Rechnerischer Schaden in Millionenhöhe

Ausgehend vom Analysedienst Alexa (eine Amazon-Tochter) hat buecherkiste.org zum Zeitpunkt der Schließung wohl 20.000 bis 30.000 tägliche Besucher gehabt – ein Wert, von dem die meisten legalen Angebote weit entfernt sind. In Anbetracht von Besucheraufkommen und Breite des “Sortiments” ist offensichtlich: Der (rechnerische) wirtschaftliche Schaden für die Verlagsbranche allein durch diese eine Seite ging in die Millionen.

In sofern dürfte die Nachricht, die seit dem 31. Oktober auf buecherkiste.org zu lesen ist, für große Genugtuung bei Händlern, Verlegern und Autoren gesorgt haben. Auf der Startseite erklären die Macher, ihr Projekt aus Zeitgründen selbst offline zu nehmen – aus dem ehemaligen Fünfer-Team seien nur noch zwei Mitarbeiter geblieben, für die die Verwaltung einfach zu viel arbeit sei. Interessant ist der folgende Zusatz:

Zusätzlich zur Personalknappheit kommen sich häufende Beschwerden von Autoren und Verlagen, welche, mit der Zeit, im Ton deutlich schärfer wurden.

“Buchpiraten” wie die Leute hinter buecherkiste.org waren lange Zeit eine außergewöhnliche Spezis in der Warez-Szene. So war die eBook-Warez-Seite Buecherkiste bis zuletzt nahezu werbefrei, für die Hinterleute war das Verteilen digitaler Literatur praktisch Selbstzweck. Aus Rücksicht auf die Verlage ließ man nach Veröffentlichung eines Titels sogar vielerorts eine Schonfrist verstreichen, bevor das E-Book illegal zum kostenlosen Download angeboten wurde.

Illegale E-Book-Szene professionalisiert sich

Mit dem Marktwachstum infolger immer mehr E-Book-Readern und Tablets im Umlauf geht auch eine sichtbare Professionalisierung und Kommerzialisierung der illegalen E-Book-Projekte einher. Neben einem allseits bekannten Warez-Forum mit großer E-Book-Rubrik sprießen immer mehr Projekte aus dem Boden, bei denen man die zahlreichen E-Book-Downloads zwischen großflächigen Werbebannern erklicken muss. Und diese Anbieter werden sich sicherlich nicht mehr von bösen Briefen verärgerter Autoren beeindrucken lassen.

Die Buchindustrie reagierte darauf unlängst mit einer Zusammenarbeit mit der GVU, die schon lange für Film- und Software-Branche auf Piratenjagd geht. Angesichts skurriler Fahndungsmethoden und einer heute wie eh und je florierenden Filmstreaming-Szene muss hier allerdings die Erfolgsfrage erlaubt sein. Die Branche würde besser daran tun, innovative Geschäftsmodelle a là Spotify (weiter)zu entwickeln und mit attraktiven legalen Angeboten Kunden für sich zu begeistern, anstatt vor den Piraten zu erstarren, Lesefreunde zu kriminalisieren oder sich in Scharmützel zu begeben, die kaum zu gewinnen sind. Einen ersten Schritt in diese Richtung kann jeder Publisher für sich machen: Die prall gefüllten Sortimente der Bücherkiste und ihrer Nachfolger offenbaren wie im Brennglas die ganze Nutzlosigkeit von hartem DRM.

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Kommentare


Dieter D. 21. November 2012 um 21:58

[Edit: bitte keine Links zu illegalen Angeboten, danke /jh]


NEWS! – Piraterie im E-Book-Markt « OnleiheVerbundHessen 30. November 2012 um 17:06

[…] Leiser Abschied eines großen Störenfrieds: buecherkiste.org, eine der größten und bekanntesten Anlaufstellen für den illegalen Download von deutschsprachigen E-Books, ist vom Netz gegangen. Doch die Nachfolger stehen schon in den Startlöchern. (Quelle: https://www.lesen.net/) Lesen Sie den ganzen Artikel hier […]


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