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GfK: Nur jeder zweite E-Reader-Besitzer kauft eBooks

Zur Leipziger Buchmesse Mitte dieses Monats hat das Marktforschungsinstitut GfK eine aktuelle Vermessung der Buchindustrie vorgelegt. Glaubt man den vorgelegten Zahlen zum Thema E-Reading, werden viele eBook Reader ausschließlich zum Schmökern piraterierter Titel genutzt.

2013 haben 5 Prozent der deutschen Bevölkerung E-Books gekauft, vermeldete das Börsenblatt unter Berufung auf das GfK Handels-Panel zum Buchkauf. Das entspricht 3,4 Millionen E-Book-Käufern, eine Million mehr als 2012. Im Durchschnitt kaufte jeder 6,4 eBooks (2012: 5,5) und gab dafür 7,58 Euro aus (2012: 7,21 Euro).

Im gleichen Jahr sollen aber 9 Prozent der Deutschen einen eBook Reader ihr Eigen genannt haben. Hier rangiert die Kindle-Familie mit 43 Prozent deutlich vor Tolino (12 Prozent), Sony und Trekstor (jeweils 11 Prozent). Demnach hätte die Hälfte der eBook-Reader-Besitzer 2013 kein einziges E-Book gekauft. Die Kollegen vom Buchreport kommentierten das an diesem Montag, dies „lässt vermuten, dass häufig auf kostenlos oder illegale Titel zurückgegriffen wird – oder viele Lesegeräte ungenutzt bleiben“.

Dazu ist anzumerken, dass die GfK-Zahlen zur Geräteverbreitung quantitativ gesehen sehr unglaubwürdig sind. So geht der IT-Branchenverband Bitkom von 1,8 Millionen verkauften Lesegeräten in den Jahren 2011-2013 aus, 2010 sollen es unter 150.000 und 2009 unter 100.000 gewesen sein – in Summe also rund 2 Millionen Geräte. Der GfK-Umfrage nach sind mehr als dreimal so viele Geräte im Umlauf, wohlgemerkt ist hier ebenfalls die Rede von dedizierten Lesegeräten.

Zwar werden die Bitkom-Zahlen innerhalb der Branche als zu niedrig beurteilt (etwa von Weltbild-Chef Carel Halff), die GfK-Ergebnisse sind aber genauso unrealistisch. Die GfK ist als ErheberAnalyse-Partner der Spiegel-Bestsellerlisten und mit dem eBook Store und Vertrieb Ceebo übrigens auch aktiv im E-Book-Markt unterwegs.

Noch keine russischen Verhältnisse

Unstrittig ist freilich, dass viel pirateriert wird. Gerade im betrachteten Jahr 2013 gab es mit boox.to eine auch außerhalb der typischen Szene vielgenutzte Plattform (die kurz vor Weihnachten dichtmachte). Von Verhältnissen wie in Russland, wo nur 15 Prozent der eBook-Leser Geld ausgeben und eine drastische Anti-Piraterie-Kampagne läuft, sind wir zwar wohl noch weit entfernt. Nicht zuletzt mit der zunehmenden Verbreitung von Smartphones und Tablets kommen aber sicherlich auch hierzulande viele „Gelegenheitspiraten“ hinzu, die man nur mit attraktiven legalen Alternativen zur Bezahlung bewegen kann.  Dass es aktuell keine mit dem „alten“ boox.to gleichwertige illegale E-Book-Seite gibt, ist ein zeitlich begrenzter Glücksfall für die Branche.

<Bildnachweis: Piraterie von Shutterstock>

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Kommentare


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