"Groupon für E-Books": Es funktioniert

Der Group-Shopping-Pionier Groupon befindet sich seit geraumer Zeit in Turbulenzen. Wesentlicher Grund: Viele Händler sind unzufrieden mit den Ergebnissen ihrer Aktionen, insbesondere das erhoffte nachhaltige Wachstum der Kundschaft durch die Promotion bleibt vielfach aus. Anders sieht es im Publishing-Bereich aus: Immer mehr erhalten zeitlich befristete Promotionen Einzug in den E-Book-Bereich, und scheinbar sind alle Parteien zufrieden.
Von 23 auf 13.000 E-Book-Verkäufe täglich
Die New York Times beschreibt in einem lesenswerten Stück, was für extreme Effekte eine zeitlich befristete Preisreduktion haben kann – vor allem, wenn man sich einen starken Marketing-Partner wie Amazon sucht. So seien die Verkaufszahlen des Thrillers "Gone, Baby, Gone" von 23 pro Tag auf 13.071 an dem Tag heraufgeschnellt, als das Buch ein Kindle Daily Deal war (1,99 US-Dollar statt 6,99 US-Dollar). "1,000 Recordings to Hear Before You Die" verkaufte sich weniger als 1x täglich, am Tag des Kindle-Deals gingen 10.000 Exemplare über die virtuelle Warentheke.
Daily Deals machen E-Books sichtbar – das gilt im diffusen digitalen Raum, ganz ohne Präsentiertische bei Buchhändlern, als ihre größte Stärke. Eine Amazon-Managerin beschreibt die Deals als Megaphone, mit denen Autoren neue Leser auf sich aufmerksam machen könnten.
Die Schattenseiten von Daily Deals
Freilich gibt es nicht nur Gewinner bei den immer häufigeren Preisaktionen – und das nicht nur, weil längst nicht jede Rabattierung so einschlägt wie in den genannten Beispielen. Lange Zeit waren die Vergünstigungen eine Bastion der Indie-Autoren, die damit ihre Werke bis in die Spitze der (Kindle-)Bestsellerlisten katapultiert haben. Seit immer mehr Verlage auf den Zug aufspringen, wird die Luft oben dünner – Beleg dafür sind die von uns eingefrorenen Bestsellerlisten, in denen sich praktisch von Woche zu Woche immer weniger Indie-Titel tummeln. Der Erfolg einer Marketingmaßnahme frisst hier sozusagen seine Kinder.
Ein weiterer Aspekt, der im New-York-Times-Artikel nur beiläufig angeschnitten wird, aber für Controller in Verlagen von überragender Relevanz ist, ist das Thema Habitualisierung. Sind Leser erst einmal daran gewöhnt, nicht mehr als 5 Euro für hochwertige Verlagstitel auszugeben, wird es ganz schwer, höhere Preise bezahlt zu bekommen. Der Erfolg von Dan Browns Inferno (20 Euro als E-Book) zeigt zwar, dass wir noch nicht an diesem Punkt sind, zumindest im Bezug auf Mega-Bestseller. Anders herum drückt aber auch der große Erfolg der Kindle Deals in den vergangenen Wochen aus, was für eine überragende Bedeutung der Preis bei der Kaufentscheidung hat.




Kommentare
Gerhard Schröder 31. Mai 2013 um 13:39
Eine weitere Methode ist es seine Werke in kleinere Einheiten herunter zu brechen und nur einige Stücke zum kleinen Preis / Kostenlos anzubieten.
Gibt es dazu Beispiele?
Thomas 31. Mai 2013 um 15:41
Das wird von vielen Branchenkennern als wenig effektiver Weg betrachtet. Leser wollen gerade bei Belletristik eine Schwarte, keine Häppchen.
Siehe dazu auch die aktuelle Untersuchung von Smashwords.
http://blog.smashwords.com/2013/05/new-smashwords-survey-helps-authors.html
Ralf 7. Juni 2013 um 13:45
Das Dumme in Deutschland ist nur, dass da Preisbindungswächter schon bei dem bloßen Gedanken an solche oder andere 'Rabattaktionen' grüne Flecken im Gesicht bekommen. Ganz zu schweigen von der akkut einsetzenden Schnappatmung.