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Hanser: [Subjektiver] Wert von Content nimmt ab

hanser_1Der Hanser Verlag publizierte Anfang des Monats eine Mathe-App für iOS-Devices (1,59 Euro im App Store), die sich aktuell einiger Beliebtheit erfreut. Steffen Meier hat sich mit der Projektverantwortlichen Johanna Schaumann (Projektmanagerin E-Book bei Hanser) über die App, deren Erstellung und Markteinschätzungen unterhalten.

(SM -> Steffen Meier, JS -> Johanna Schaumann)

SM: Die App „Mathe mit dem Känguru“ des Hanser Verlages scheint ja gefühlt nach der vielen positiven Berichterstattung ein Riesenerfolg zu sein.

hanser_2JS: Ja. wir hatten zeitweise über 200 Downloads pro Tag, als wir Nr. 1 im Bereich Bildung waren. Im Gesamtstore Österreich und Deutschland wurde die App eingestuft unter „Neu und beachtenswert“, die zweithöchste Auszeichnung der Apple-Redaktion. Da sind wir schon stolz drauf.

SM: Zu recht. Aber was genau hat ein Känguru mit Mathe und dem AppStore zu tun?

JS: Die App ist eine Vorbereitung für den Mathematikwettbewerb „Mathe mit dem Känguru„, der jährlich am 3. Donnerstag im März vom Verein Mathematikwettbewerb Känguru e.V. (mit Sitz an der Humboldt-Universität zu Berlin) an über 9000 Schulen durchgeführt wird. Es sind witzige, knifflige und abwechslungsreiche Mathematikaufgaben aus den Klassenstufen 3/4, 5/6 und 7/8 die im Trainings- und Prüfungsmodus gelöst werden können.

SM: Wie wurde das Konzept technisch umgesetzt?

hanser_3JS: Mit der Technik habe ich mich nicht so beschäftigt, dafür habe ich mit der Firma Pyades und Herrn Becker einen genialen Ansprechpartner und Kenner der Appszene, der unsere Ideen technisch umsetzt. Es wird regelmäßig Updates der App mit neuen Aufgaben geben, Ziel ist es eine App zu entwickeln die „lebt“ und damit für den Käufer interessant bleibt.

SM: Welches Marketing wurde dafür betrieben?

JS: Die klassischen Marketingmaßnahmen, als da sind Presse, Newsletter, Banner, auch ein Video für die App; und die Kollegen aus Berlin haben in den Ankündigungen für die Schulen immer auf die App hingewiesen.

SM: Publiziert Hanser momentan mehr Mobile Books oder echte Anwendungen.

JS: Mehr Mobile Books, da der Aufwand groß und der Lernprozess für echte Anwendungen erst am Anfang ist.

SM: Wer organisiert das beim Hanser Verlag?

JS: Für mobile Books gibt es einen funktionierenden Workflow, in dem alle Abteilungen eingebunden sind.
Echte Anwendungen sind reine Projektarbeit, die von mir organisiert und in enger Zusammenarbeit mit dem anderen Abteilungen umgesetzt wird. Mein Schwerpunkt ist die Konzeption und technische Umsetzung, die Kollegen machen mehr das Marketing.

SM: Kurz ein Blick in die Zukunft: Wohin wird bei Hanser und Branche der Trend gehen? Also eher Mobile Book oder „echte“ Apps als Anwendungen?

JS: Von Trend kann man nicht reden, es geht darum die auf dem Markt befindlichen Geräte zu bedienen. Ich denke, je nach Content müssen dann die entsprechend geeigneten Devices und Systeme bedient werden. Wichtig ist mir noch der Hinweis, dass die Wertigkeit von Content abnimmt.

SM: Die Wertigkeit von Content nimmt ab?

JS: Am Wert eines Buches, sagen wir für 10.- Euro, zweifelt niemand. Am Wert einer App für diesen Preis aber schon, die Kunden sind hier einerseits sehr preissensibel, andererseits auch sehr verwöhnt, was die Wertschätzung von reinem Inhalt angeht. Als Beispiel: die klassische Musik-CD hatte einen Wert, mp3-files aber sind (fast) wertlos. Obwohl der Inhalt derselbe ist. Da müssen Verlage sich andere Wege überlegen.

SM: Dein Tipp an die „mobilen“ Kollegen aus Verlagen?

JS: Netzwerken, auch im eigenen Haus und nicht immer nur an Buch denken.

SM: Zum Schluss: Was ist deine ganz persönliche LieblingsApp?

JS: Beruflich „Mail“, da im Evernet sehr praktisch, privat zum Entspannen MJ Quest.

SM: Danke für das Gespräch.

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Kommentare


Chräcker 29. März 2011 um 07:10

Hilfe: bisher kamen meine Kinder zu mir und sagten: „hab mich gemeldet, als der Lehrer fragte, wer am Mathewettbewerb des Landes/der Stadt/des Feuerwehrvereins xy teilnehmen möchte“ und ich, etwas stolz: „toll“ – und das wars, Kind ging hin und kam zuweilen sogar weiter.

Jetzt sollte ich mir also überlegen, Trainingsmaterial zu kaufen, um das Kind gegen den anderen vortrainierten nicht vollendst zu frustrieren? (Keine grantige Überlegung von mir, es scheint ja auch sonst nicht nutzlos zu sein, das Matheverständnis per spielerischer Anwendung etwa zu erhöhen, aber diese enge Verknüpfung mit einem Wettbewerb für Kinder ist schon ein kleiner Tacken weiter… ein kleiner!)

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Jürgen Schulze 29. März 2011 um 08:05

Interessanter Nebensatz: Die Wertigkeit hat abgenommen.
Obwohl es eigentlich das selbe ist, ist der Kunde für ein „Ding“ mehr bereit zu zahlen als für Bits&Bytes.
Der Mensch muss sich halt doch gerne etwas ins Regal stellen.
Oder ist es am Ende doch nicht das selbe?
Jürgen

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Uwe Matrisch 29. März 2011 um 09:44

Ich glaube nicht, dass die Wertigkeit von Inhalt abnimmt, aber der Wert von Inhalt wird flüchtiger.
Am richtigen Ort, zur richtigen Zeit kann ein bestimmter Inhalt sehr viel Wert sein und wird dann auch entsprechend bezahlt werden. Eine Stunde später ist er für den Nutzer vielleicht nichts mehr wert.
Das hat sehr viel mit Vorratsinhaltshaltung und Content on demand zu tun. Der Verlag muss den Kunden also in Zukunft viel besser kennen: wann und wo braucht und will er meinen Inhalt so dringend, dass er dafür mehr Geld ausgibt als ich es ihm sonst zugetraut hätte.

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Bigboo73 31. März 2011 um 08:56

der Wert von Inhalt nimmt nicht ab, aber die „Wertschätzung“ nimmt definitiv ab.

Mal ganz ehrlich, früher hat man in der Grabbeltheke Schund für 5-10 DM gekauft.

Heute beschweren sich schon User über 79 Cent Apps wenn diese nicht absolut genial sind, sogar unter manchen gratis apps (richtige gratis apps nicht reduzierte) stehen Kommentare wie „Abzocke, Beschiss“ nur weil sie 1min ihrer Zeit verschwendet habe und das Programm heruntergeladen haben, da muss man ein dickes Fell entwickeln ;)

Seit dem apple appstore hat sich da einiges bewegt, ich bin selbst Softwareentwickler und weiß wovon ich rede.

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Tim 31. März 2011 um 10:04

Die Preisentwicklung nach unten bei (US-Bellistrik-)Ebooks und Apps finde ich in der Tat auch mittlerweile etwas extrem, aber letztendlich – solange die Masse der abgesetzten Produkte es wieder ausgleicht so dass trotzdem insgesamt genug Geld fließt – positiv für Autor und Konsument, trotz 99 Cent App oder 1,99$ Ebook. Problematisch wird es halt wenn der Konsument diese Niedrigpreis-Erwartung dann auf eBooks oder Apps überträgt, die eben nicht hunderttausendfach verkauft werden. Alleine deswegen kann man IMHO auch bei deutschsprachigen Ebooks gar nicht erwarten dass die genauso billig werden wie US Ebooks, welche einen ungleich größeren Markt bedienen. Schade halt dass die deutschen Verlage aber stattdessen ins andere Extrem verfallen. Hoffentlich hat der Hanser Verlag hier mit seinem im Vergleich zu anderen deutschen Verlagen doch sehr innovationsfreudigem und realistischen Ansatz dauerhaften Erfolg.

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