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Hartes DRM: Buchhändler wollen „Beratungsgebühren“ von Verlagen

Harter Kopierschutz ist für den Handel nicht nur ein Kaufhindernis, durch Adobe DRM entsteht Händlern auch ein erheblicher Beratungsaufwand. Erste Buchhändler wollen diese Kosten nun an den Verursacher weitergeben, die Buchverlage.

Michael Riethmüller, Vorsitzender der mehrere Hundert Mitglieder zählenden Händlerinitiative Buy Local und selbst Buchhändler (RavensBuch), will „jetzt die Verlage bei den Beratungskosten und Reklamationen in die Pflicht“ nehmen. Als erstes seien Gutschriften von den Holtzbrinck-Verlagen S. Fischer und KiWi eingefordert worden, berichtet der Buchreport.

DRM „Kundenbindungsprogramm für Amazon“

Mit hartem Kopierschutz begünstigten Verlage die internationale Konkurrenz von Amazon und Apple, für die DRM „ein fulminantes Kundenbindungsprogramm“ sei. Riethmüller fordert seine Buchhandelskollegen auf, seinem Beispiel zu folgen, damit Verlage „aus ihrer Schlafmützigkeit erwachen“.

Während sich große Buchhandelsketten eigene Callcenter für E-Reading-Support leisten (der zu einem großen Teil Adobe-DRM-Probleme betrifft), sind inhabergeführte Buchhändler auf sich alleine gestellt. In beiden Fällen bedeutet die Beratung einen großen zeitlichen Aufwand, nicht zuletzt auch für die Schulung. War wurde die DRM-Integration in den letzten Jahren immer unsichtbarer – bewegt man sich nur innerhalb der Tolino Cloud, ist nicht einmal mehr die Hinterlegung einer Adobe-ID erforderlich -, viele technisch wenig affine Lesefreunde sind aber nach wie vor überfordert und brauchen Hilfe.

Händler und Verlage denken um

Verlage (und Autoren und Agenten, die diesen häufig keine Wahl lassen) in die Pflicht zu nehmen, ist für Händler hier ein sinniger Ansatz, wobei die öffentliche Einforderung von Gutschriften wohl primär in die PR-Schublade einzuordnen ist. Die entscheidenden Gespräche werden hinter den Kulissen und wohl vor allem von den Großen geführt.

Noch vor wenigen Jahren sagte der damalige Weltbild-Chef Carel Halff, ihm seien keinerlei Kundenprobleme im Zusammenhang mit Adobe DRM bekannt. Osiander-Chef (und Börsenverein-Vorsteher) Heinrich Riethmüller stieß jüngst in ein komplett anderes Horn – hier scheint sich ein Problembewusstsein entwickelt zu haben.

Noch bleiben die großen Verlagskonzerne Bonnier (Piper, Ullstein, Carlsen …), Holtzbrinck (Rowohlt, Droemer Knaur, …) und Random House (Heyne, Goldmann, Blanvalet) stramm auf der harten DRM-Linie, im Hintergrund gibt es aber Bewegung. Holtzbrinck verzichtet bei Einzeltiteln auf Autorenwunsch auf harten Kopierschutz, auch bei Random House gibt es nach unseren Informationen sehr konkrete Überlegungen in Richtung DRM-Alternativen. Die verlegerische Einheitsfront bröckelt, zugunsten von Händlern und Kunden.

<Bildnachweis: Book Store von Shutterstock>

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Kommentare


Aus dem Lesetagebuch: KW 5 – 2015 : Die Leserin bloggt … 1. Februar 2015 um 08:00

[…] Lesen.net: Verlage sollen Beratungskosten für DRM-geschützte eBooks übernehmen! ⇒ Oh ja, bestraft die, die dafür verantwortlich sind [Bin sofort dafür!]! Die sollen für ihre Hindernisse, die sie selbst in der Welt aussetzen, selbst aufkommen. Nur: Mal ganz ehrlich. Welche Beratung? Ich habe drei Buchhandlungen in Sachen eBook getestet und ich war entsetzt über so viel Unwissen! Die Beratungen dort waren durchwegs falsch, total gelogen, beinahe schon betrügerisch oder der Verkäufer gab bei Detailfragen zu, nicht darüber bescheid zu wissen. Zum Glück für die Kunden, dass ich, wenn ich vor Ort bin, sie gerne aufkläre. Das Resultat bisheriger Aufklärungen: Zwei kauften wie beabsichtigt einen Tolino vor Ort, einer kaufte gar keinen eReader und zwei weitere legten ihre Tolino-Geräte zurück und wollten lieber Kindle-Geräte kaufen. Die armen wussten gar nichts von dem bösen DRM und dem besser funktionierenden Kopierschutz bei Amazon. Wenn Beratung, dann bitte ehrlich! [Das waren jetzt aber nur drei getestete Buchhandlungen von tausenden, die es gibt, und in denen es vielleicht kompetente, ehrliche Beratung gibt! Hoffe ich.] […]

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