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Illegale E-Book-Seite TorBoox: 800.000 Downloads monatlich?

Bildschirmfoto 2013-04-26 um 14.05.05Viel wird diskutiert über die tatsächlichen Schädigung der Buchindustrie durch illegale E-Book-Downloads. Die noch recht junge eBook-Warez-Seite boox.to (TorBoox) befeuert die Diskussion jetzt mit der Offenlegung ihrer Zugriffs- und Download-Zahlen.

Im Zuge eines Relaunches bekam die als E-Book-Suchmaschine mit Index konzipierte Seite einen Statistikbereich. Demnach soll die Seite im April bislang rund 4,5 Millionen Zugriffe erhalten haben (ob Visits oder Page Impressions, ist unklar), bis zum Monatsende sollen es über 5 Millionen sein. Das bedeutet ein rasantes Wachstum: Im Januar verzeichnete die Seite (ebenfalls laut eigenen Angaben) nur knapp 900.000 Zugriffe.

Bildschirmfoto 2013-04-26 um 14.06.18

Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Downloads nach eigenen Angaben von rund 100.000 im Januar auf 800.000 im April. Die Downloads verteilen sich auf gegenwärtig 27.000 E-Books von 8.400 Autoren, E-Book-Sammlungen gibt es auf boox.to nicht. Der berichtende Buchreport stellt diese Zahlen der GfK-Schätzung von 13,2 Millionen verkauften E-Books in Deutschland im Gesamtjahr 2012 gegenüber. Wie immer muss dabei allerdings auch die Frage nach dem tatsächlichen Umsatzverlust gestellt werden, längst nicht jedes heruntergeladene Buch wäre sonst gekauft worden. Die Größe und insbesondere das schnelle Wachstum der illegalen E-Book-Seite sind aber schon bemerkenswert.

Betreiber kaum zu fassen

Laut Buchreport liegen dem Börsenverein bereits etliche Beschwerden von Verlagen bezüglich boox.to und dessen Betreiber „Spiegelbest“ vor, man stört sich insbesondere am „offensiven Auftreten“ der E-Book-Piraten. Tatsächlich lässt „Spiegelbest“ in seinem Blog keine Provokation aus, stellt sich in eine Reihe mit Robin Hood und gibt bereitwillig Einblicke in die Infrastruktur – der Börsenverein müsse schon eine sechsstellige Summe in die Hand nehmen, um überhaupt in die Nähe seiner Server zu kommen, heißt es in einem am gestrigen Donnerstag publizierten Artikel.

Unabhängig von „Spiegelbest“: Der Kampf gegen Content-Piraten ist und bleibt einer gegen Windmühlen, wie das Beispiel kino.to illustriert (beziehungsweise die Dutzenden nach Schließung des Portals aus dem Boden geschossenen Nachfolgeseiten). Auch das Ende der Bücherkiste hatte ganz offensichtlich keinen nachhaltigen Effekt auf das illegale Angebot. Attraktive und komfortable legale Angebote sind und bleiben der Königsweg, um die zweifellos vorhandene Zahlungsbereitschaft der Lesefreunde im digitalen Raum abzuschöpfen.

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Kommentare


Frodo 26. April 2013 um 15:53

Dann sollen sie das Geld nehmen und diesen
von sich selbst so überzeugten Herr spiegel(das best lass ich lieber fallen)
Dingfest machen,denn alle Warez Boards
nehmen sich die eBooks von diesem Netz.

Es gibt keinen der dies in diesem Umfang macht so wie der angesprochene.

Ich kann nur im Namen der Autoren und Verlage hoffen das sie ihn schnell bekommen.

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ereader2407 26. April 2013 um 16:54

auch Musik wurde von uns zunächst illegal runtergeladen, seit es Einzeltitel für 99 cent und Alben für 5 Euro gibt – kaufen wir sie. Solange ebooks fast genauso teuer wie die Print-Ausgaben sind, ohne dass Materialwert, Lagerung, Transport usw. das rechtfertigen, werden wir sie nicht kaufen!!

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Rafsrafs 26. April 2013 um 20:13

Die digitalen Ausgaben sind teilweise ja sogar DOPPELT so teuer. Siehe z.B. Homicide.

http://www.amazon.de/Homicide-Ein-Jahr-mörderischen-Straßen/dp/3453676351

Was soll man dazu sagen? Bin ich froh, dass ich die Print-Ausgabe besitze.

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Paradoxus 27. April 2013 um 14:09

Na ja, Bestseller … wenn’s den Druck auf die Verleger erhöht, konkurrenzfähige Angebote zu machen, ist es okay. Am sympathischsten sind mir aber die Seiten, wo man auch ältere, niemals digital erschienene Werke, die vergriffen aber noch nicht gemeinfrei sind, als mit viel Anstrengung selbst erstelltes E-Book bekommt. Vielleicht ist das mal ein Anstoß für Verlage, sich ein wenig um ihre Backlist zu kümmern — zu anständigen Preisen. (Gilt übrigens auch für Filme: erst Jahre nach einer sehr guten Digitalisierung einer VHS-Kassette hat sich zB der Rechtebesitzer erbarmt, den grandiosen Ameisen-Thriller „Phase IV“ auf DVD zu pressen. Da gibt es ganze Communities, die solche Schätze retrodigitalisieren und mit viel Aufwand restaurieren — „Piraten“ ist das das falsche Wort.)

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Julia 27. April 2013 um 21:01

Und warum macht ein seriöses eBook-Portal nun auf einmal Werbung für eine Raubkopierseite? Warum nicht gleich die Downloadlinks hier bei den Bestsellerlinks veröffentlichen?

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samy 28. April 2013 um 08:44

@Julia

Und? Was heißt hier Werbung? Werde da etwas will findet die Seiten auch so. Und zu Dokumentation muss man schon den Namen nennen.

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julia 28. April 2013 um 16:04

Buchreport und Co nennen den Namen auch nicht. Man muss sicherlich nicht den Namen nennen oder Links setzen, um über die Problematik zu berichten. Hiermit wird ja geradezu provoziert, dass noch mehr Leute die Seite finden und nicht nur die, die aktiv danach suchen.

Sorry Johannes, aber das geht hier langsam echt zu weit…

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Johannes 28. April 2013 um 17:56

@julia Wir setzen keine Links, aber wie samy schon sagt, der Name gehört zur Berichterstattung (für uns zumindest). Es ist auch eher nicht so, dass wir mit dieser Praxis alleine sind (jedes Wort ein anderer Link).

Ciao
Johannes

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logicuss 4. Mai 2013 um 13:59

@ ereader2407

„auch Musik wurde von uns zunächst illegal runtergeladen, seit es Einzeltitel für 99 cent und Alben für 5 Euro gibt – kaufen wir sie. “

Hört sich so an, als ob es keine illegalen Downloads mehr gäbe – das Gegenteil ist der Fall – mit „wir“ und „uns“ sollte man etwas vorsichtiger operieren.

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gimoo 7. Mai 2013 um 00:00

Naja, in jedem Fall kommen aus der Musikindustrie versöhnliche Worte demzufolge Piraterie nun die Geschäfte nicht mehr in dem Sinne kaputt macht.

Wichtig dabei war natürlich auch der DRM-Verzicht. Kauft man ebooks wird man extremst gegängelt, weil man einem vorschreibt, wo und unter welchen Bedingungen gelesen wird. Dafür dann Preise nahe dem Buch zu nehmen…. Da sind die Ehrlichen die Dummen.

Kein Wunder warum dann einige zu solchen Plattformen greifen. Da kümmert es nicht, ob man das Buch auf Kindle, AdobeDRM oder sonstwo liest.

Wasserzeichen wäre mehr als ausreichend. Wer wirklich will, kommt ohnehin leicht an die illegale Version. Alle anderen werden gegängelt.

Vom Gebrauchmarkt fange ich gar nicht erst an, der muss auch für mich nicht sein. Man bezalt aber nahezu Neupreis eines Papierbuchs und dank DRM darf das dann nicht mal meine Frau auf ihrem Gerät lesen….

Dieser DRM-Mist ist auch der Grund, warum ich noch nicht groß im Ebookmarkt zuschlage(und primär „analog“ bleibe – Piraterie kommt trotzdem nicht in Frage). Der Preis muss für mich nicht wirklich runtergehen. Ich will das Buch aber auch Zukunft noch mal lesen können ohne mir Gedanken zu machen, ob ich da evtl. ein altes Gerät reaktiviert werden muss oder ob der DRM-Server noch läuft.

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Leben mit Piraten | 22. Mai 2013 um 10:04

[…] des Urheberrechts lässt sich in den Weiten des Internets kaum verhindern. Immer wieder finden sich Mittel und Wege den Kopierschutz von gekauften Büchern zu entfernen und diese dann der wachsenden Leserschaft […]

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Robbie 29. Juni 2013 um 19:43

Gimoo trifft genau den Kern.
So bleibt man beim Papierbuch – und verstopft die 2-Zimmer-Wohnung mit einigen Tausend Bänden. Das würde ich gerne ändern. Aber Bücher, die ich nicht einfach verleihen oder verschenken kann oder die irgendwann einfach nicht mehr funktionieren, sind im Moment gefühlt zu teuer.

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8 populäre Irrglauben zum E-Reading » Debatte, eBooks, eReader » lesen.net 25. Juli 2013 um 13:40

[…] Rabatt, so die Argumentation. Mit den vermeintlich unverschämten Preise werden häufig auch illegale Downloads gerechtfertigt (Motto: “Selbst […]

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Thomas Elbel 13. August 2013 um 09:28

Der Verweis auf die im Vergleich zu den Papierausgaben viel zu teuren Verlags eBooks ist nichts als eine dumme Ausrede. Man könnte genauso gut argumentieren, die Papierausgaben seien zu billig. Da niemand von uns die internen Kalkulationen der Verlage kennt, ist das alles Selbstbelügerei. Ich weiß zumindest vom Geschäftsführer eines deutschen Großverlages, dass man dort im Verlustbereich arbeitet und nur aufgrund ständigen Nachschießens eines bibliophilen Privatinvestors überlebt.
Außerdem listen die Buchpiratenseiten ohne mit der Wimper zu zucken auch eBooks von selbstpublizierenden Autoren zu denen es gar keine Papierausgabe gibt. Bsp.: http://www.boox.to/?x=65f79439b5a72f31030e2cbf4cc9d2db&k=618cce5e3d59d03796b040bf0767d139&q=lubitsch&time=20130813
Diese Seiten sind kriminell. Wer sich dort bedient, macht sich selbst die Finger schmutzig. Da gibt es keine Ausrede.

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Manuel Bonik 30. August 2013 um 15:30

Ein Beitrag zur Versachlichung:
http://www.buchreport.de/blog.htm?p=3321

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Robert 2. September 2013 um 21:06

Volle Zustimmung, Gimoo.

R.

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Buch Retter 12. Oktober 2013 um 18:09

Spiegel ist Geschichte.

Vorbemerkt: Ich hätte den Text gerne auf dem Blog www.torbooks.org veröffentlicht. Hat nicht sollen sein … kommt er also in dieser Form.

TorBoox und Spiegelbest gehen getrennte Wege

Sie haben so wie es im Augenblick aussieht ihm wohl sein „eigenes“ Tor Board vor der Nase weggenommen.
Mag auch sein das sein „Kampf“ gegen die Giganten doch nur laue Luft war.
Mag sein das die GVU ihm auf die Spuren kam.

Fest steht alle Autoren dürfen sich freuen,denn ohne die Identifikations Figur wird auch dieses Warez Board schnell verschwinden.

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Das war das E-Reading-Jahr 2013 » lesen.net 15. April 2015 um 15:48

[…] (Werbe-)Geld zu verdienen versuchen, machte boox.to-“Pressesprecher” Spiegelbest mit vollmundigen Erfolgsmeldungen, langen Analysen und offensiven Forderungen an die Branche von sich reden. Spätestens als der […]

Antworten

eBook-Piraterie-Razzia, ein Jahr danach: Alles auf Anfang – fast » lesen.net 10. Mai 2017 um 11:34

[…] Im Fadenkreuz der Ermittler waren unter anderem “Spiegelbest”, Betreiber der 2013 sehr erfolgreichen Download-Seite (und kurzzeitig illegalen eBook Flatrate) boox.to und später eines Download-Forum. Weiterhin […]

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