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Joosr: Nächste Lese-App für komprimierte Bücher

Nicht-fiktionale Bücher so verdichten, dass die wesentlichen nutzwertigen Inhalte in 15 bis 30 Minuten zu erfassen sind – ein einleuchtendes Modell, an dem sich inzwischen zahlreiche Anbieter versuchen. Die neue App Joosr hat hier einen im Vergleich eher konventionellen Ansatz. Bleibt die Frage: Taugen Abstracts überhaupt zur Wissensvermittlung?

Erst seit kurzer Zeit mischt das britische Startup Joosr mit im Geschäft für Buch-Zusammenfassungen, entsprechend überschaubar ist derzeit noch das Angebot. 143 Kurzfassungen von Fach- und Sachbüchern, aber auch von Biographien wie der über Steve Jobs umfasst das Sortiment, monatlich sollen mindestens 20 neue Zusammenfassungen hinzukommen.

Aktuell ist Joosr nur per iOS-App nutzbar, eine Android-Fassung ist in Entwicklung. Nach einer 15-tägigen kostenlosen Testphase sind 5,99 Euro pro Monat für einen Flatrate-Zugang zum gesamten Sortiment zu bezahlen.

Gutes halbes Dutzend Anbieter

Blinkist App

Blinkist App

Joosr gesellt sich zu etwa einem halben Dutzend weiterer Unternehmen, die Zusammenfassungen von nicht-fiktionalen Büchern anbieten. Die meisten internationalen Anbieter und auch Joosr setzen ganz auf die Weltsprache englisch, deutschsprachige Komprimierungen gibt es beim Schweizer Veteran GetAbstract (schon seit 1999 im Markt) und beim Berliner Startup Blinklist. Dort gibt es auch Vertonungen und multimediale Aufbereitungen der gekürzten Bücher. Die gerade erst gestartete App Joosr fokussiert sich dem gegenüber derzeit noch auf reinen Text.

Aber lohnt sich die Investition von Zeit und Geld in die Abstract-Dienste überhaupt, oder ist man mit der Lektüre der „Volltexte“ doch besser bedient? Klar ist: Analog zu Speed Reading, das ebenfalls eine schnellere Wissenvermittlung verspricht, besteht die Gefahr, dass die Zeitersparnis auf Kosten von Wissen und Erkenntnissen geht. Der „Guardian“ hat den Start von Joosr zum Anlass genommen, dieser Frage mit einer Probe aufs Exempel nachzugehen.

Guardian-Redakteuerin Diane Shipley führte sich die Blinkist-Fassung des populärwissenschaftlichen Bestsellers „Eine kurze Geschichte der Zeit“ von Stephen Hawking zu Gemüte und war durchaus angetan. In 14 „Blinks“ (einzelnen Zusammenfassungen) sei eine ganze Menge Informationen in leicht verständlicher Form präsentiert worden, sie habe einiges Wissen mitnehmen können. Jedenfalls mehr als bei der Lektüre des „Volltextes“, die Shipley nach wenigen Seiten ob der Komplexität aufgegeben hat – ein Aspekt, der nicht unterschätzt werden sollte.

„Lesen oder nicht lesen“ ist die Frage

Für fiktionale Texte gibt es gleichartige Komprimierungsdienstleister noch nicht, wohl aber Experimente mit nativ schnell konsumierbaren und smartphonetauglichen Inhalten. Die neuen Bookshots von James Patterson sind ein Beispiel dafür, die in Entwicklung befindliche Streaming-Flatrate Oolipo von Bastei Lübbe ein anderes. Das bedeutet gleichwohl nicht den Untergang des literarischen Abendlandes, befindet Guardian-Redakeurin Shipley: Die Frage sei heute nicht, was gelesen werde, sondern ob überhaupt gelesen werde. Abstracts und Kurz-Romane, aber auch Hörbücher böten einen Zugang zu Inhalten, die ansonsten aus Zeitgründen überhaupt nicht ins Auge gefasst würden, etwa zugunsten der neuesten TV-Serie.

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Kommentare


Joosr: Neue Lese-App für Abstracts | AUTHORS CHOICE 14. Juli 2016 um 17:25

[…] lesen.net, theguardian.com, ilpost.it […]

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Joosr: Nächste Lese-App für komprimierte Bücher | OnleiheVerbundHessen 16. September 2016 um 17:06

[…] Quelle: Joosr: Nächste Lese-App für komprimierte Bücher » lesen.net […]

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Blinkist im Test: Das taugen die Fachbuch-Zusammenfassungen 1. August 2017 um 17:14

[…] liegt preislich etwas über der App Joosr, die genauso funktioniert. Blinkist bietet aber schon weitaus mehr Titel an und kann […]

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