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Kindle Books ohne DRM doppelt so erfolgreich wie mit DRM

E-Books, die ohne Kopierschutz bei Amazon angeboten werden, verkaufen sich doppelt so häufig wie E-Books mit hartem DRM. Dies zeigt der dritte Quartalsbericht von Author Earnings, einer Website, die Autoren Informationen und Ressourcen bei der E-Book-Veröffentlichung bereitstellt.

Author Earnings sammelt seit einem halben Jahr Daten zu den Verkaufszahlen und Einkünften von Verlagen und Indie-Autoren. Dafür werden die Daten von 120.000 über den US-amerikanischen Kindle Store verkauften E-Books analysiert. Zusätzlich wurde für die Auswertung im Bericht Juli 2014 erstmals untersucht, ob und wie ein Kopierschutz die Verkaufszahlen von E-Books bei Amazon beeinflusst.

64 Prozent aller Verkaufseinheiten bei Amazon sind nicht DRM-geschützt

Beim Vertrieb über Amazon können Verlage und Indie-Autoren grundsätzlich selbst über den Einsatz von DRM entscheiden. Gemäß der Analyse von Author Earnings nutzen in den USA fast 100 Prozent der Verlage bei Amazon hartes DRM. Bei den Self-Publishern hingegen werden nur circa 50 Prozent der E-Books mit einem DRM-Schutz verkauft. Die anderen 50 Prozent der Indie-E-Book-Veröffentlichungen unterliegen keinem DRM-Schutz, machen im Vergleich allerdings 64 Prozent aller Verkaufseinheiten insgesamt aus.

Vergleich durchschnittlicher täglicher  Gewinn von Indie-E-Books mit bzw. ohne DRM-Schutz

Vergleich durchschnittlicher täglicher Gewinn von Indie-E-Books mit bzw. ohne DRM-Schutz

Die Vermutung liegt nahe, dass DRM-freie Titel vor allem darum so stark nachgefragt werden, weil sie aus Indie-Feder stammen und damit besonders günstig sind. Um das auszuschließen, hat Author Earnings zusätzlich den durchschnittlichen täglichen Gewinn von DRM-geschützten Indie-E-Books im Vergleich zu DRM-freien Indie-E-Books in allen Preissegmenten untersucht. Demnach erzielen DRM-freie Indie-E-Books zu fast allen Preisen einen höheren Gewinn  als E-Books mit DRM-Schutz. Daraus schlussfolgert Authors Earning, dass „DRM E-Book-Verkäufen in jedem Preissegment schadet“.

Leser wissen meist nicht, ob ein E-Book DRM-geschützt ist

Diese These steht freilich auf hölzernen Füßen. Denn die meisten Leser wissen nicht, ob ein Kindle Book mit hartem Kopierschutz versehen ist oder nicht. DRM-freie E-Books sind am Hinweis “Gleichzeitige Verwendung von Geräten: Keine Einschränkung” zu erkennen. Fehlt dieser Vermerk, ist davon auszugehen, dass das E-Book einem DRM-Schutz unterliegt. DRM-Freie E-Books lassen sich mithilfe von Programmen wie Calibre in andere Formate umwandeln und so auch auf Geräten lesen, die Kindle E-Books nicht von Haus aus unterstützen. Das ist vor allem darum wichtig, weil viele populäre Indie-E-Books exklusiv bei Amazon verkauft werden. A propos: Man könnte das Studienergebnis auch so lesen, dass viele erfolgreiche Indie-Autoren ihre E-Books bewusst ohne hartes DRM verkaufen, während sich Anfänger noch ganz an den scheinbaren Schutz vor illegalen Verfielfältigungen klammern.

Kopierschutzfreie Verlagstitel bei Amazon Mangelware – auch wegen Amazon

In Deutschland bröckelt die DRM-Front auf Verlagsseite nur langsam. Zwar sollen gemäß einer Umfrage des Börsenverein die Mehrheit der Verlage ihre E-Books inzwischen nur mit weichem DRM (Wasserzeichen) oder ganz kopierschutzfrei versehen. Bei den führenden Verlagsgruppen von Holtzbrinck über Random House bis Bonnier wird aber nach wie vor nahezu durchweg auf hartes DRM gesetzt. Und die Titel vieler Verlage, die ansich ohne hartes DRM ausliefern (Bastei Lübbe, neuerdings Hoffmann und Campe), sind bei Amazon nur verschlüsselt zu haben – nach unseren Informationen liegt das am Online-Händler, der den Kopierschutz auf Verlagsanfrage offenbar nur widerwillig ausstellt.

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