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Kindle: Erster deutscher Großverlag ist im Boot

Amazon-Kindle-2-01.jpgUnter der Überschrift “Lasst mich rein, ich bin ein Verlag!” beklagte Steffen Meier vom Ulmer Verlag auf lesen.net im Oktober – wenige Tage vor Auslieferungsbeginn des internationalen Kindle 2 – fehlende Möglichkeiten für deutsche Verlagshäuser, das eigene Programm im Kindle Store anzubieten. Nicht ohne Grund: Amazon selbst sah im Kindle 2 lange Zeit “ein englischsprachiges Gerät” mit entsprechend limitierter Zielgruppe. Doch die Zeiten ändern sich.

Vergangene Woche öffnete der Konzern seine Publishing-Plattform DTP auch für deutsche Verlage und Autoren, innerhalb weniger Tage vervielfachte sich das Angebot deutschsprachiger Literatur im Kindle Store auf inzwischen 948 Titel. Parallel dazu spricht das Unternehmen mit deutschen Großverlagen über die Bereitstellung kompletter Verlagsprogramme, wie das Börsenblatt für seine aktuelle Ausgabe recherchierte.

Die Kollegen erkundigten sich in einigen großen Verlagshäusern nach dem Stand der Dinge. Während bei Ullstein und Holzbrinck noch verhandelt wird, hat die Verlagsgruppe Lübbe ihren Deal bereits gemacht. Von Andra Tenorth, Leiterin Herstllung und Einkauf beim traditionsreichen Verlag, heißt es zum Thema unmissverständlich: “Amazon wird auch im E-Book-Bereich die Möglichkeit von uns bekommen, unsere Titel zu vertreiben.”

das_verlorene_symbol_robert_langdon_band_3Entsprechend lassen sich wohl schon bald etliche mehr oder weniger bekannte Titel des Kölner Verlagshauses kabellos im Kindle Store shoppen. Das wohl populärste deutschsprachige eBook von Bastei/Lübbe ist Die Tore der Welt von Ken Follett. Lübbe verlegt darüber hinaus die deutsche Ausgabe von “The Lost Symbol”, hat den Bestseller aber noch nicht in digitaler Form heraus gebracht.

Amazon scheint (nun endlich) fest entschlossen, den Kindle Store auch für Freunde deutschsprachiger Literatur attraktiv zu machen. Dazu sucht das Unternehmen seit ein paar Tagen auch personelle Verstärkung: Ein “Senior Account Manager Amazon Kindle” soll vom Standort München aus “die Erweiterung des Angebots an Inhalten” vorantreiben.

Parallel dazu wurden im hiesigen Kindle Store einige eBooks offenbar auf Kosten von Amazon verbilligt: Gemeinfreie Dokumente von Goethe, Hesse oder Mann kommen momentan für 1 US-Dollar auf den Kindle – eigentlich ein unmöglicher Preis, weil das Unternehmen in Europa pauschal 2 US-Dollar Roaminggebühren auf den Listenpreis draufschlägt. Hier wurde also offenbar mit dem Ziel manuell nachjustiert, attraktive Angebote für interessierte Anwender zu schaffen.

Kindle-DX-4-Right Hand.jpgAlles in allem ist der Charme vom 240 Euro teuren Sechs-Zoller für Deutsche seit Jahresbeginn deutlich gestiegen. Das Unternehmen aus Seattle scheint nach der globalen Markteinführung vom Kindle 2 und im Zuge der Internationalisierung des Kindle DX nun auch seine Content-Plattform lokalisiert in andere Länder zu bringen – erfreulicher Weise steht dabei neben Frankreich auch Deutschland ganz oben auf der Prioritätenliste.

Das geschieht zum Leidwesen der Konkurrenz, allen voran txtr: Die Berliner positionierten ihren “deutschen Kindle” bislang auch über das einzigartig umfangreiche deutschsprachige Contentangebot. Nachdem der txtr Reader gerade erst auf unbestimmte Zeit verschoben wurde und hierzulande weit und breit kein anderer 3G-Reader in Sicht ist, könnte Amazon so erst einmal leichtes Spiel auf dem deutschen Markt haben – zurecht.

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24 Kommentare

Zum Thema: Kindle: Erster deutscher Großverlag ist im Boot

Nemoi 24. Januar 2010 at 10:46 Uhr

freut mich sehr – hab vor Weihnachten lange überlegt, und mich dann doch für den Kindle entschieden. Bin sehr zufrieden und mittlerweile beim vierten Buch. Wenn die anderen deutschen Verlage jetzt nachziehen, gibt es da wirklich erst mal nichts zu beanstanden. Jetzt noch eine Symbian Anwendung, und ich bin restlos zufrieden.

Marcus 24. Januar 2010 at 11:49 Uhr

Wie findet man eigentlich speziell deutsche Titel im Kindle Store um mal einen Überblick über das Angebot zu erhalten? Ein Kategorie scheint es nicht zu geben.

Nemoi 24. Januar 2010 at 12:46 Uhr

Nachtrag: die Suche nach deutschen Büchern ist momentan wirklich noch sehr umständlich. Unter dem von Euch verwendeten Stichwort “German” finden sich übrigens auch Bücher, in deren Beschreibung irgendwo German vorkommt. Wenn amazon den europäischen Markt wirklich erschließen will, dann sollten sie die Kindle-Bücher auch in amazon.de etc. aufnehmen

Stephan 24. Januar 2010 at 13:42 Uhr

Du musst einfach nur nach “german edition” suchen und dann vielleicht noch die Suche nach Erscheinungsdatum sortieren. Dort findest du die neusten deutschen Bücher.

D Askey 24. Januar 2010 at 15:59 Uhr

Nicht nur der Kindle Markt ist für deutsche Verhältnisse umständlich. Auch das Gerät lässt viel zu wünschen, was “Internationalisierung” betrifft. Zum einen wird es mit einem US-Stecker geliefert, sodass man als Erstes einen Adapter holen muss. Zum anderen wird beim Kauf nicht erwähnt–oder wenn schon, dann nur im Kleingedruckten–dass die drahtlose Übertragung in Europa kostenpflichtig ist, und recht teuer, eigentlich.

Stephan 24. Januar 2010 at 17:28 Uhr

Ich finde, dass der Kindle der zu Zeit beste Reader ist. Schönes Design, gute Bedienung und demnächst noch deutsche Bücher.

Johannes 24. Januar 2010 at 17:39 Uhr

@D Askey Drahtlose Übertragung kostet dich auch in Europa nix bzw. nur indirekt, weil Amazon eine Pauschale auf den VK-Preis schlägt (s.o.) – die fällt aber auch bei USB-Übertragung an. Adapter kostet 5 Euro, ist kein großes Ding in meinen Augen.

@Nemoi/Marcus: Die Suche oben (Link “948 Titel”) listet alle eBooks in der Amazon-Kategorie german/kindle books. Da hat sich zwar tatsächlich die eine oder andere ger-eng-Übersetzung eingeshclichen, im Wesentlichen ist das aber ein guter Überblick. Ansonsten wie auch schon von Stephan geschrieben nach “german edition” (mit Anführungsstrichen) suchen.

Ciao
Johannes

Chräcker 25. Januar 2010 at 09:05 Uhr

Ich giere seit Jahren nach eBooks. Alleine wegen dem erhofften Marktrutsch schaue ich auf den Vorprescher Amazon. Gleichwohl möchte ich meine “Bücher” auch in elektronischer Form nicht von der Lebenszeit eines Unternehmens abhängig machen. Denn lesen kann ich sie nur auf dem Kindle beziehungsweise von Amazon erlaubte drittgeräte (wie zur Zeit iPhone) lesen. Sollte es das Unternehmen Amazon so nicht mehr geben, kann heute mir keiner sagen, was mit meinen “Büchern” dann ist, sobald mein letzets lesegerät den geist aufgibt und ein neues Teil anstehen würde. Man stelle sich nur mal vor, man hätte vor zehn Jahren bei AOL sich mit Büchern eingedeckt. Das Lesegerät von Commedore.

Chräcker

Chräcker 25. Januar 2010 at 12:00 Uhr

Jup. Deswegen kommt eigentlich nur ein Kopierschutz infrage: keiner. Ich möchte die Dinge, die ich kaufe, auch dann “behalten”, wenn sie nur aus ausgerichtete Magnetpartikel auf meiner Festplatte bestehen. Das systembedingte umkopieren in “aller Zukunft” muß gewährleistet sein.

Die Musikindustrei hat das endlich gelernt, und schon kauf ich wieder Musik.

Bücher, die ich in 30 Jahren vielleicht alle schlagartig verlieren könnte, will ich doch nicht wirklich heute kaufen.

Thomas Knip 26. Januar 2010 at 02:27 Uhr

Verlage können seit vorletztem Freitag bei allen eBooks auswählen, ob sie mit oder – wie ich bei meinen Titeln – ohne DRM veröffentlichen.
Das erlaubt nicht nur das Lesen auf unbegrenzt vielen Kindle-Geräten gleichzeitig, sondern ermöglicht über Tools wie calibre auch die Konvertierung in ein anderes Format. Und somit für andere Reader in Zukunft.
Einfach dem Verlagen auf die Zehen treten, damit sie den Wunsch des Kunden im Blickfeld behalten.

Lena 27. Januar 2010 at 11:51 Uhr

Deutsche Bücher auf dem Kindle wären nett – zwar lese ich vorwiegend englische Romane, aber es soll ja auch noch den ein oder anderen deutschen Autoren geben… ;-)

Mich würde aber die Frage der Buchpreisbindung interessieren. Deutschsprachige E-Books müssen aufgrund der Preisbindung genauso teuer sein wie ihre gedruckten Kollegen – oder verwechsel ich hier etwas?

Viele Grüße,

Lena