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Kindle in Motion: “Leichte” Anreicherungen als Option

Auf der Suche nach dem “Buch 2.0”, das konventionelle Texte mit multimedialen Erweiterungen verknüpft, hat sich Amazon ein interessantes neues Format einfallen lassen. eBooks aus der Sparte “Kindle in Motion” lassen sich auch auf dedizierten Lesegeräten schmökern, spielen ihre ganze Stärke aber erst auf Smartphones und Tablets aus. Die Leser der ersten Stunde sind begeistert.

Enhanced eBooks haben eine kurze und höchst wechselhafte Geschichte. In der Buchindustrie galten sie um 2010, dem Erscheinungsjahr des ersten iPad, als das nächste große Ding. Weil großen Investitionen in aufwändige Multimedia-Projekte wie die Rowohlt-Digitalbuch-Plus-Reihe aber nur marginalen Erlösen gegenüberstanden, sind Enhanced eBooks inzwischen eine Ausnahmeerscheinung (und erfolgreiche Titel eine wahre Rarität).

In der Branche hat sich der Glaube durchgesetzt, Bücher auf Smartphones und Tablets müssten komplett neu gedacht werden. Beispielhaft dafür steht Oolipo, in der Lese-Streaming-App von Bastei Lübbe sollen kurze Geschichten etwa im Whatsapp-Nachrichten-Stil erzählt werden. Umso mehr Beachtung verdient, was Amazon sich mit “Kindle in Motion” ausgedacht hat. Der Online-Händler führte das neue Format ohne jegliche Ankündigung ein, zuerst bemerkt wurde es von Mitgliedern des Autoren-Forum Kboards.

Animationen, Videos, Hintergründe – auf Zuschaltung

Hintergrund von KIM-Titel

Hintergrund von KIM-Titel

Bislang gibt es lediglich 6 Kindle in Motion Titel, die allesamt von Amazon selbst verlegt (und entsprechend auch gestaltet) wurden. Schon beim Besuch einer der Artikelseiten kommt es zum Aha-Erlebnis: Das Cover ist ein Video, der Hintergrund der Artikelseite angepasst. Beide Elemente, Videos und thematische Hintergründe, finden sich auch in den “Kindle in Motion” eBooks wieder. Hinzu kommen passende Animationen, die laut Amazon “die Erzählung unterstützen”.

Die Anreicherungen werden nur auf Wunsch eingeblendet und natürlich nur auf kompatiblen Geräten, sprich Tablets und Smartphones. Anders als “konventionelle” Enhanced eBooks lassen sich die Titel aber auch ganz normal auf einem eBook Reader schmökern. Dann gibt es naturgemäß nur den Text.

Die eBooks kosten mit und ohne Animation gleich viel. Amazon betont, “Kindle in Motion” gebe es “ohne zusätzliche Kosten” für den Leser. Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit – die Produktionskosten und infolge dessen der wirtschaftlich sinnvolle Verkaufspreis liegen höher, E-Ink-Leser quersubventionieren gewissermaßen das angereicherte Leseerlebnis von LCD-Lesern.

Überragend positives Leser-Echo

Das Fachblog The Digital Reader hat sich einige der 200 bis 400 Mbyte schweren Kindle-in-Motion-Titel angesehen und ist angetan. Vor allem die angepassten Hintergründe würden das Leseerlebnis klar bereichern. Sie seien technisch sauber umgesetzt und passten sich an verschiedene Text- und Bildschirm-Größen an.

Auch das Echo von Käufern der Kindle-in-Motion-Titel ist überragend positiv. Die Animationen werden mehrheitlich als “toller Bonus” beschrieben. Einige Leser wünschten sich bereits, jedes Buch hätte “Kindle in Motion”.

Hoher Marketing-Wert für Kindle-Plattform

"Film im Buch"

“Film im Buch”

Amazon wird die positiven Rückmeldungen sehr genau registrieren. Wenn sich die Begeisterung auch in den Download-Zahlen wiederspiegelt, wird das Experiment mit Sicherheit auf weitere Amazon-Publishing-Titel ausgeweitet.

Wie so oft bei Amazon dürfte die direkte Refinanzierung nicht an erster Stelle stehen. Bei mehreren KIM-Launchtiteln wurden für die Video-Enhancements professionelle Schauspieler engagiert, diese Kosten allein durch zusätzliche Verkäufe aufgrund dieser Enhancements (!) wieder hereinzubekommen ist unrealistisch. Als weiteres Alleinstellungsmerkmal der Kindle-Plattform kann “Kindle in Motion” aber einen enormen Marketing-Wert haben.

In Indie-Kreisen wird nun natürlich darüber diskutiert, ob ein Tool zur Anreicherung der eigenen Titel in Aussicht steht. Wenn, dann müsste das ein sehr standardisiertes Baukastensystem sein. Der technische Aufwand, um etwa Fledermäuse durch eine Seite fliegen zu lassen, ist doch enorm.

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