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Kindle Scout: Buch-Voting von Amazon läuft an

Nach einer zweiwöchigen Bewerbungsphase für Autoren hat Amazon in dieser Woche sein Autoren-Entdeckungs-Tool Kindle Scout auch für die Leserschaft live geschaltet. Von Beginn an buhlten 59 Manuskripte um die Gunst der Leserschaft und infolge dessen um einen Autorenvertrag. Dabei überlässt Amazon nichts dem Zufall und im Endeffekt auch nicht der Community, es sind gleich mehrere unsichtbare Filter eingebaut.

Manuskripte, die über Kindle Scout ausgewählt werden, werden exklusiv fünf Jahre lang von einem Amazon-Verlag publiziert. Autoren erhalten 1.500 US-Dollar Vorschuss, 50 Prozent Umsatzbeteiligung und Marketing-Unterstützung von Amazon. In Indie-Foren regt sich ein wenig Unmut über die Umsatzbeteiligung, die niedriger ist als bei direkter Publikation (70 Prozent). Allerdings dürften sich in den nächsten fünf Jahren erfahrungsgemäß die Provisionen deutlich nach unten bewegen, und der Wert des Werbe-Paketes und der sich daraus ergebenden hohen Sichtbarkeit dürfte immens sein. Bei Kindle Scout ausgewählte eBooks werden ausschließlich bei Amazon erhältlich sein, was angesichts der Dominanz des Online-Händlers in den USA zu verschmerzen ist.

Bei kindlescout.amazon.com sind die Entwürfe in die Genres Science Fiction/Fantasy, Romantik und Thriller/Mystery eingeteilt, andere Werke akzeptiert Amazon derzeit nicht. Für Manuskripte, die mit Cover und langem Excerpt präsentiert werden, kann 30 Tage lang gevotet werden. Wird ein eBook von Amazon verlegt, bekommen es alle, die dafür gevotet haben, für lau.

Doppelte Qualitätskontrolle seitens Amazon

Kindle Scout: Fragwürdige Cover, gute Texte

Kindle Scout: Fragwürdige Cover, gute Texte

So ganz traut Amazon der Weisheit der Masse (und vielleicht auch der Ehrlichkeit seiner Autoren) allerdings nicht, weshalb es zwei dicke Qualitätsfilter gibt. Zum einen selektiert Amazon händisch die Titel, für die überhaupt gevotet werden kann. Zum anderen sind viele „Nominierungen“ kein Gewähr dafür, dass ein eBook auch tatsächlich verlegt wird. Amazon formuliert es so: „Umso mehr Nominierungen dein Buch bekommen, desto wahrscheinlicher ist es, dass es die Aufmerksamkeit unseres Kindle-Scout-Teams erlangt und publiziert wird.

The Digital Reader hat sich das Angebot schon intensiver angeschaut und merkt eine sehr durchwachsene Qualität der Cover (von amateurhaft bis professionell) sowie eine durchweg ordentliche Textqualität an – die Prüfung aller eingereichten Manuskripte durch Amazon-Mitarbeiter führt hier erwartungsgemäß zu einem Qualitätsstandard, der deutlich über dem Indie-Durchschnitt liegt.

Etablierte Autoren führen Voting an

Ein Blick auf die „Hot & Trending“ Titel offenbart, dass Kindle Scout keinesfalls nur ein Tool für unbekannte Jung-Autoren ist. Im Gegenteil sind die Autoren der meistgevoteten Titel zu einem großen Teil alte Hasen, die bereits auf publizistische Erfahrungen zurückblicken können, Steve Gannon etwa oder Neal Wooten. Diese Autoren können über Netzwerke und sozialen Kanäle ihre bestehenden Fans zum Voting animieren (was von Amazon erwünscht ist) und sich dadurch an die Spitze setzen. Für neue Autoren macht es das nicht einfacher, überhaupt Sichtbarkeit zu bekommen, zumal hier das Matthäus-Prinzip greift (wer hat, dem wird gegeben).

Trotz doppeltem Filter und Voting-Prinzip handelt es sich zweifelsohne um einen der spannendsten Ansätze im Bereich Crowdfunding für Bücher, schon weil Amazon mit seiner Reichweite dahintersteht. Wie es nicht geht, illustriert seit Monaten unfreiwillig die Münchner Verlagsgruppe mit ihrem Portal 100Fans – die Plattform hat offensichtlich kaum regelmäßige Besucher, und den pitchenden Autoren scheint in den seltensten Fällen die Aktivierung von Fans zu gelingen (dafür geht das MVG-Konzept an anderer Stelle auf). Erfolgsversprechender erscheint der Ansatz des Piper Verlages, der seinen Schreibwettbewerb #erzaehlesuns auf Wattpad ausrichtet und die Autoren damit dort abholt, wo sie ohnehin sind.

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Kommentare


Kindle Scout veröffentlicht erste Leser-Favoriten, erweitert Genres » lesen.net 25. Februar 2015 um 12:04

[…] Monate nach dem Start der Buchvoting-Plattform Kindle Scout publiziert Amazon die ersten 10 Favoriten unter eigener […]

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