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Kindle: Viele neue deutsche eBooks im US-Store

goldmannSchritt für Schritt kommt der deutsche Kindle näher: Nachdem das Lesegerät seit Oktober 2009 auch hierzulande beziehbar ist, erste Verlage bereits vor einem Jahr ihre Bestrebungen nach einer Listung im Kindle Store kund taten und Amazon gegenwärtig auf der Suche nach deutschem Personal für die hiesige Markteinführung ist, sind nun endlich die ersten deutschsprachigen Inhalte von Großverlagen online – gegenwärtig allerdings noch „US only“.

Über die Digital Text Platform können Autoren und Kleinverlage zwar schon lange deutsche eBooks in den Kindle Store laden, die dann auch für Kindle-Nutzer aus Deutschland verfügbar sind; unter den aktuell gut 6.000 so veröffentlichten deutschsprachigen Titeln findet sich allerdings vorwiegend Public Domain Literatur sowie weithin unbekannte Bücher.

kindle-front-graphiteDie Großverlage wurden sich lange Zeit nicht mit Amazon einig, wesentliche Streitpunkte sollen Revenue Share und Pricing (und hier vor allem die Differenz zu Print) gewesen sein; zumindest bei letzterem Punkt gibt es eigentlich wenig Verhandlungsspielraum, weil eBooks hierzulande bekanntlich buchpreisgebunden und somit bei Amazon eigentlich nicht günstiger als anderswo bepreist sein dürften.

Im Ausland angebotene deutschsprachige Bücher sind allerdings von der Buchpreisbindung befreit – und an der daraus resultierenden flexiblen Bepreisung der im amerikanischen Kindle Store online gestellten deutschen eBooks wird bereits deutlich, was Amazon vom gegenwärtigen Preisgefüge hierzulande hält. Die eBooks im Kindle Store liegen preislich nicht nur deutlich unter den Printausgaben, sondern sind auch wesentlich günstiger als die Angebote in deutschen eBook-Shops.

Die Bertelsmann-Tochter Arvato stellte mehrere Tausend Titel von verschiedenen Verlagen in den amerikanischen Kindle Store; die prominentesten Programme kommen wohl von den hauseigenen Labels Heyne und Goldmann (Angebot nur sichtbar ausgeloggt + bei Anwahl von „United States“ als Region oder über US-Account), die bereits gut 400 beziehungsweise 500 eBooks online stellten.

Amazon zeigt die Verkaufspreise im Verhältnis zum „Digital List Price“ an, womit natürlich der gebundene eBook-Preis gemeint ist. Bei den Goldmann-Titeln beträgt hier der Abschlag durchweg mindestens 20% – weil es sich beim „Listenpreis“ um Netto-Angaben (zzgl. 19% Mehrwertsteuer) handelt, ist die reale Ersparnis sogar noch höher.

inderschlangeEin Beispiel: Das brandneue Sachbuch „In der Schlange: Mein Jahr auf Hartz IV“ kostet als Hardcover 17,99 Euro, das eBook liegt bei 13,99 Euro – preisgebunden und damit deutschlandweit einheitlich. Amazon verkauft dieses eBook nun für 9,99 US-Dollar beziehungsweise 7,25 Euro – ein Abschlag von nahezu 50%.

Bei diesen Preisen – und angesichts des deutlich größeren englischsprachigen Angebots insbesondere im Bezug auf aktuelle Bestseller – ist die Vesuchung natürlich groß, seinen Kindle auf einen US-Account zu registrieren. In der Vergangenheit hat Amazon hier die Kontrollen recht lax gehandhabt (die Angabe einer New Yorker Starbucks-Filiale als persönliche Postadresse reichte völlig), ist allerdings seit ungefähr letztem Sommer – wohl auf Betreiben der Rechteinhaber – recht wachsam im Bezug auf eine korrekte „Einordnung“ seiner Kunden. Wer keine US-Kreditkarte sein Eigen nennt und nicht mit amerikanischer IP-Adresse auf Einkaufstour im Kindle Store geht, wird von Amazon schnell um eine Verifizierung der Identiät gebeten. Spätestens dann wird es ungemütlich, im „Worst Case“ ist der Account inklusive sämtlicher Einkäufe futsch.

Einen offiziellen Starttermin für den deutschen Kindle Store gibt es nach wie vor nicht. In der Branche geht man von einer Live-Schaltung innerhalb der nächsten nächsten 60 Tagen aus, ein markantes Datum in diesem Zeitraum wäre die Leipziger Buchmesse Mitte März. Ob Amazon auch hier preisaggressiv zu Werke geht und damit einen (so oder so konsequenzenreichen) Rechtsstreit mit dem Börsenverein zur Gültigkeit der Buchpreisbindung für eBooks vom Zaun bricht, ist die große Frage im Zusammenhang mit dem Projekt.

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Kommentare


Yu 23. Februar 2011 um 20:32

Wie ist das eigentlich… Ich bevorzuge Texte auf Englisch zu lesen, insbesondere natürlich, wenn das die Originalsprache ist. Dadurch bin ich in einigen Fällen zusätzlich noch zu erstaunlichen Preis- und weniger erstaunlichen aber ebenso erfreulichen Wartezeitersparnissen gekommen.

Besteht diese Möglichkeit bei EBooks ebenfalls?

Aktueller Fall: A Song of Ice and Fire; Englisch: Pro Band ab ~7€. Deutsch: Jeder Band in zwei Teilbände zu je 15€ (ebenfalls Taschenbuch) aufgeteilt.) Mir ists sogar schonmal passiert, dass ich statt dem Taschenbuch ein Hardcover gekauft habe, weil ich aufgrund des Preises (englische Ausgabe) nicht genauer geschaut habe, mir sicher war, ein Taschenbuch zu bekommen. Das Hardcover hat dann nicht ins Regal gepasst :-)

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Johannes 23. Februar 2011 um 23:06

@Yu Sollte nicht schwer rauszufinden sein: Logg dich halt mit deinem deutschen Amazon-Account auf amazon.com ein & schau‘, ob „deine“ eBooks für dich zugänglich sind.

Ciao
Johannes

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treimann 23. Februar 2011 um 23:27

Sara von Stephen King geht ohne Probleme mit einen normalen Account den ich seit Anfang 2010 im USA Shop habe. Soviel ich damals gelesen habe, werden die .de Accounts im US Shop ohne Probleme migriert auch mit einer nicht US Kreditkarte wenn noch kein US Account vorhanden ist. So war das bei mir damals.

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Johannes 23. Februar 2011 um 23:31

So ist es natürlich auch heute noch, aber du bekommst halt nur das (rechteseitig) für Europa bestimmte Angebot angezeigt, welches teilweise auch anders (meist höher) bepreist ist. Stand heute haben wir etwa 140.000 Titel weniger (600.000 im europäischen Store, 740.000 im US-Store), darunter wie gesagt a) viele Bestseller b) die gerade von Bertelsmann online gestellten deutschen eBooks.

Ciao
Johannes

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Icke 24. Februar 2011 um 07:39

Das verstehe ich jetzt nicht ganz, warum stellt Bertelsmann mehrere tausend Bücher in den Kindle Shop, wenn man die als deutscher gar nicht kaufen kann?
So viele Amis werden wohl nicht auf deutsche Literatur abfahren…

Wer macht da überhaupt nen Strich durch die Rechnung, unsere Gesetze, oder will Bertelsmann uns nur weiter schröpfen?

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Yu 24. Februar 2011 um 09:08

@ Johannes: Genau das ist der große Haken für mich. Print kann ich mir aus dem Ausland bestellen. Bei Ebooks wird das plötzlich beschränkt? Komische Auffassung von Modernisierung… Oder gibt es bei Print ähnliche Beschränkungen, nur dass sie mir da nicht aufgefallen sind?

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plantagoo 24. Februar 2011 um 11:05

Es ist wirklich schade, wie sich die Industrien jahrelang gegen die „digitale Revolution“ mit Händen und Füssen wehren, nur um dann doch irgendwann einzusehen, dass es nichts bringt.

Warum lernen die Verlage nicht von den Fehlern der Musikindustrie? Digitale eBooks müssen zu vernünftigen Preisen (Print und Handel fallen weg), ohne DRM-Gängelung den Kunden angeboten werden – dann laufen die Umsätze – genauso wie bei der MI (wieder).

Nein, stattdessen wird auf so einem schwachsinn wie der Buchpreisbindung rumgeritten und eBooks für ein paar cent weniger als die Printversion angeboten.

Das Ergebnis ist das gleiche wie bei der Musik. Wer Kunden gängelt und seine Produkte zu teuer anbietet treibt seine Kunden in den Untergrund. DA gibt es nämlich (alle) Bücher ohne DRM.

Liebe Verlage: Kapiert es endlich. Lernt von der MI. Danke.

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Rudi 24. Februar 2011 um 13:06

Ich sehe darin lediglich den Mal wieder verzweifelten Versuch einen nationalen Hochpreismarkt irgendwie ins Internet zu bekommen ohne das der ‚Inter(national)‘ wird.
Meine Prognose, man wird scheitern.

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treimann 24. Februar 2011 um 15:10

@Johannes gebe ich dir mit Punkt (A) recht. Die deutschen Bücher kann ich aber dennoch in der „Europa-Anzeige“ kaufen und das ist ja genau was man will. Also sehe ich darin kein Problem, wenn man im Shop nach „Heyne Verlag“ sucht, findet man diese und kann jene auch kaufen. Oder ich sitze auf der Leitung ;)

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Johannes 24. Februar 2011 um 15:21

@treimann Du bekommst unter http://www.amazon.com/gp/search/ref=sr_adv_b/?search-alias=stripbooks&unfiltered=1&field-keywords=&field-author=&field-title=&field-isbn=&field-publisher=heyne+Verlag&node=&field-p_n_condition-type=&field-feature_browse-bin=618073011&field-binding_browse-bin=&field-subject=&field-language=&field-dateop=&field-datemod=&field-dateyear=&sort=relevanceexprank&Adv-Srch-Books-Submit.x=19&Adv-Srch-Books-Submit.y=17 im eingeloggten Zustand eBooks angezeigt und hast _keinen_ US-Account? Fällt mir ehrlich gesagt schwer zu glauben; das müsste ein gravierender Bug im Shop Management von Amazon sein & wäre in den letzten 24h bereits gefixt worden.

@Icke, Yu Geht natürlich um Rechte, aus dem gleichen Grund sind ja zB viele Youtube-Videos (v.a. Mucke) nicht nutzbar.

Ciao
Johannes

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treimann 24. Februar 2011 um 15:28

@Johannes haben den Link ausprobiert und bin mit meinen Account angemeldet, ich sehe die Bücher und kann sie sogar kaufen. ABER du hast mich glaub oben nicht ganz gelesen ;) wenn du per Amazon.de Account einen Kindle auf der .com Seite gekauft hast (bei mir ist eine Schweizer-Kreditkarte) plus Schweizer Wohnort, bekommst du automatisch einen US-Account. Damit kannst du dann die Bücher kaufen. Vielleicht hilft das ja weiter.

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Tim 24. Februar 2011 um 19:38

@Treimann: Johannes hat schon recht, als deutscher Kunde (mit bei den Kindle-Einstellungen gewähltem deutschen Wohnort) sieht man die Bücherliste gar nicht erst, hab’s gerade ausprobiert (und habe auch per Amazon.de Account einen Kindle auf der .com Seite gekauft). Dass es bei dir funktioniert liegt vermutlich an der Schweizer Adresse. Neutraler Boden auch auf dem Buchmarkt :-)

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treimann 24. Februar 2011 um 20:51

@tim dann ist der magische „Part“ der Wohnort, egal welchen Account man verwendet. In diesen Fall schon sehr sehr …. wenn man das so sagen darf. Aber vielleicht wird sich das auch für .de Kunden mit Start der Buchmesse ändern. Ansonsten macht das ganze wenig Sinn. Danke für die Infos.

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Yu 24. Februar 2011 um 22:47

@tim: Ich wohne in Österreich, für mich blieb die Liste nach Anmeldung sichtbar Oo

Aber nur so nebenbei, bieten die deutschen Verlage die englischen Bücher überhaupt an?!

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Thomas Knip 25. Februar 2011 um 11:43

Ich finde es auch rechtlich interessant.

Da wird man als Kunde von Georestrictions gepeinigt, wo’s nur geht, die deutschen Random House-Verlage verkaufen aber plötzlich locker die deutschen eBooks in den USA.

Wusste gar nicht, dass die USA inzwischen zum „deutschsprachigen Raum“ zählen.

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Thjan 25. Februar 2011 um 12:52

Hmm …
Ich hab nen US Account, bei mir wird dieses Sachbuch „In der Schlange: Mein Jahr auf Hartz 4“ aber für knapp 20 Dollar angeboten!

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treimann 25. Februar 2011 um 13:32

@thjan was ja gut passt:

13.99 Euro = 19.33 US-Dollar kommt ja recht gut hin.

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Amazon hat den Sack mit Kohle gebracht: Kindle Shop bitte kommen! | POSTED PLANET 27. Februar 2011 um 16:18

[…] den Tag X vorzubereiten, an dem der Amazon Kindle Store auch in Deutschland die Pforten öffnet. Johannes meint auf Lesen.net, dass das schon anläßlich der Leipziger Buchmesse sein könnte und auch Ansgar auf eBook News […]

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Amazon hat den Sack mit Kohle gebracht: Kindle Shop bitte kommen! | MexxBooks – Mach ein Buch 27. Februar 2011 um 16:21

[…] den Tag X vorzubereiten, an dem der Amazon Kindle Store auch in Deutschland die Pforten öffnet. Johannes meint auf Lesen.net, dass das schon anläßlich der Leipziger Buchmesse sein könnte und auch Ansgar auf eBook News […]

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warum ich noch keinen ebook-reader habe « der blog ohne namen 30. März 2011 um 16:38

[…] deutschen verlage es sich nicht länger leisten, ihre ebook-sparten zu vernachlässigen. einiger nachrichten zufolge, könnte es nicht mehr allzu lange dauern (ich rechne mit ende dieses/anfang nächsten […]

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Ein Leser 7. April 2011 um 01:37

Der Vergleich mit der Musikindustrie hinkt. Der Druck auf die Verlage, die Inhalte zu digitalisieren ist weitaus geringer. Ebooks sind in Deutschland ein absoluter Nieschenmarkt. CDs kann man in Sekunden selbst digitalisieren. Gedruckte Bücher nicht. Die Verlage sind somit kaum in Zugzwang. Die Hauptzielgruppe hat kein Problem mit gedruckten Büchern. Ich halte es für einen cleveren Schachzug der deutschen Verlage erst mal die Füsse still zu halten und abzuwarten. Würde ich ein Verlag sein, ich würde Grundsätzlich keine digitalen Versionen anbieten. Mit den ebooks werden die Verlage nämlich überflüssig, weil der Autor dann am Ende seine Bücher selbst über Amazon vertreiben kann. In 20 Jahren werden die klassischen Verlage verschwunden sein. Übrig sind dann nur noch ein paar kleine, die sich auf Kunstdrucke spezialisiert haben. Möglicherweise gibt es dann noch ein paar „Verlage“, die quasi Serien als Marke anbieten – wie zB die Dummy- Reihe, wo dann mehere Autoren untergebracht und vermarktet werden. Fachverlage werden möglicherweise mehr ins Datenbank- Geschäft abwandern. So wie der Beck-Verlag, der seine Inhalte tlw. online im Abo anbietet. Man kann da für eine monatliche Gebühr auf stets aktualisierte Inhalte zugreifen.

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Kindle 3 (de) im Überblick » Topnews, eBooks, eReader » lesen.net 25. April 2011 um 20:07

[…] Kindle-Verantwortlichen suchte und kurz darauf etliche eBooks deutscher Großverlage auf Amazon.com online gingen, war praktisch täglich mit einer Live-Schaltung vom deutschen Kindle Store zu rechnen. Dass finale […]

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