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„Konkurrenzdruck“: Thalia Österreich erhöht Buchpreise

In Österreich gibt es anders als in Deutschland keinen fixen gebundenen Ladenpreis für Bücher, sondern lediglich einen Mindestpreis. Faktisch war das in der Vergangenheit gleichbedeutend, doch jetzt hat Filialist Thalia an der Preisschraube gedreht. Mit skurrilen Begründungen.

10,30 Euro, 13,40 Euro, 20,60 Euro: Die Preise der aktuellen Print-Bestseller auf Thalia.at sind aktuell in den meisten Fällen weder Fisch noch Fleisch, sprich weder glatt (wie 13 Euro) noch schwellig (wie 12,99 Euro).

Buchpreise in Österreich

Buchpreise in Österreich

Verantwortlich dafür zeichnen sich wie in Deutschland die Verlage. In der Regel wird der ohnehin höhere Bruttopreis (durch 10 statt 7 Prozent ermäßigte Umsatzsteuer) auf die nächste Zehnerschwelle aufgerundet. Anders als bei uns ist dieser Preis allerdings nur eine unverbindliche Empfehlung, zumindest nach oben hin. Denn während in Deutschland Händler die Bücher zum von den Verlagen bestimmten Preis zu verkaufen haben, dürfen sie in Österreich auch teurer sein und die Differenz als Reingewinn einstreichen.

Ausgerechnet der auch in der Alpenrepublik führende Buchhandelsfilialist Thalia macht nun von dieser bislang vorwiegend auf dem Papier bestehenden Möglichkeit Gebrauch, und zwar auf breiter Front. Sämtliche gebundenen Buchpreise werden in Bälde auf die nächste 90-Cent-Stufe erhöht, wie jetzt publik wurde. Aus 10,30 Euro werden dann also 10,90 Euro, aus 13,40 Euro 13,90 Euro und so weiter. Bei regelmäßigen Buchkäufern kommt da im Laufe der Zeit schon einiges zusammen.

„Originell“

Der Schritt sorgt nicht nur bei Kunden für Verwunderung, sondern auch in der Branche. Ein Vertreter des österreichischen Lobbyverbandes der Buchbranche bezeichnete den Schritt als „originell“: „Warum möchte man teurer werden? Um Internetanbietern noch mehr Kunden in die Arme zu treiben“?

Ein Thalia-Sprecher verweist in einem Statement auch auf die Internetanbieter, genauer gesagt auf den sich daraus ergebenen Konkurrenzdruck (und außerdem auf die insgesamt zu niedrigen Buchpreise und den schwierigen Umgang mit unrunden Preispunkten). Das durch den kostspieligen Wettbewerb mit Amazon weniger Geld bei Thalia hängenbleibt leuchtet betriebswirtschaftlich ein, ist den Kunden aber reichlich egal. Die werden bei nicht nur gefühlten, sondern ganz realen Kostenvorteilen erst recht in die Arme von Amazon getrieben, was der Bilanz von Thalia sicherlich auch nicht zuträglich ist.

<Bildnachweis: Buchpreise von Shutterstock>

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