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MediaMarkt/Saturn übernimmt txtr [2. Update]

Das insolvente Berliner E-Reading-Startup txtr lebt weiter – unter dem Dach der Media-Saturn-Holding. Ein größeres Bemühen der Handelsriesen, im eBook-Markt Fuß zu fassen, könnte weitreichende Konsequenzen haben. Amazon und insbesondere Kobo könnten in Mitleidenschaft gezogen werden.

[Ursprünglicher Artikel vom 07.04.2015, Updates unten]

Für den insolventen eBook-Händler txtr ist ein Käufer gefunden. Wie einigen an txtr angeschlossenen Verlagen vergangene Woche schriftlich mitgeteilt wurde, werden die Geschäfte von April an von der Media-Saturn-Holding fortgeführt. Das berichtet der US-Fachdienst Publishers Marketplace. Eine Bestätigung und Kommentierung seitens der beteiligten Parteien konnten wir dazu am Dienstagvormittag  nicht einholen – die Pressestelle von Media Saturn musste erst einmal Rücksprache halten, im Berliner txtr-Büro scheinen alle Festnetz-Telefonnummern abgeschaltet.

[Update 07.04. 14:00 Uhr: Inzwischen haben wir eine Bestätigung der Transaktion von einer Media-Saturn-Sprecherin erhalten. In der Erklärung heißt es: „Media-Saturn übernimmt den operativen Betrieb und die Content-Verantwortung von txtr, also den Kontakt mit den Kunden und Verlagen. Die txtr Plattform war und ist Teil unserer digitalen Entertainment-Strategie im Bereich eBooks. Das wollen wir auch künftig weiter auf- und ausbauen, daher übernehmen wir auch einige Mitarbeiter aus dem Controlling, dem Support sowie dem Einkauf“.]

Media-Saturn-Holding: Bisher hauptsächlich Geräteverkauf

Kein Erfolgsmodell: eBook Store von Media Markt

Kein Erfolgsmodell: eBook Store von Media Markt

Die Berliner txtr GmbH – gestartet als Amazon-Rivale mit eigenem Lesegerät, in den letzten Jahren aber vornehmlich als Dienstleister im Geschäftskundenbereich aktiv, musste im Januar dieses Jahres Insolvenz anmelden. Seither gab es bereits einen gewissen personellen Aderlass, so sollen große Teile des Entwicklerteams inzwischen für Zalando arbeiten.

Mediamarkt betreibt unter ebook-download.mediamarkt.de bereits seit viereinhalb Jahren einen eigenen eBook Store, der unternehmensintern allerdings nie die ganz große Priorität hatte. Das wird schon daran deutlich, dass der Konzern derzeit keinen einzigen eBook Reader mit Anbindung an diesen Store im Sortiment hat. Statt dessen verkaufen die Elektronikmärkte von Media Markt und der Schwestermarke Saturn Lesegeräte von Kindle und Kobo.

Kobo-Lesegeräte powered by txtr?

Vor allem für Kobo hat die Präsenz bei MediaMarkt/Saturn eine große strategische Bedeutung. Wenn das Handelsunternehmen mit dem Kauf von txtr den Verkauf ankurbeln und dafür „eigene“ Lesegeräte mit entsprechender Anbindung anbieten will – und anders lassen sich heutzutage keine zusätzlichen eBook-Käufer mehr hinter dem Ofen hervorlocken -, könnte die deutsche Regalfläche von Kobo empfindlich schrumpfen.

Vielleicht tritt Kobo aber auch selbst als Dienstleister für MediaMarkt/Saturn auf und lässt Kobo-Lesegeräte mit „vorinstallierten“ txtr Stores verkaufen. Angesichts der durchwachsen beurteilten Qualität des deutschen Kobo eBook Store wäre das aus Lesersicht nicht unspannend.

[Update 18.05.2015: Inzwischen ist die Übertragung des Stores von txtr an Media-Saturn abgeschlossen. Am heutigen Montag wurden alle txtr-Kunden per E-Mail darüber informiert, der Store werde ab sofort von der Juke Entertainment GmbH, Ingolstadt betrieben. Dabei handelt es sich um eine 100-prozentige Media-Saturn-Tochter. Bemerkenswert ist, dass dieser Zusammenhang weder in der E-Mail noch auf txtr.com auch nur erwähnt wird. Für txtr-Bestandskunden dürfte der Name des Elektronik-Filialisten doch deutlich bekannter und vertrauenserweckender sein, als es die Juke Entertainment GmbH per se ist.]

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