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Nach drei Jahren AKEP-Spitze: Steffen Meier zieht Bilanz

So etwas wie der Außenminister des digitalen Wandel im Buchmarkt war Steffen Meier in den vergangenen drei Jahren. Seit September 2011 fungierte er als Sprecher des Arbeitskreis Elektronisches Publizieren (AKEP). Ende Oktober gibt Meier, der hauptberuflich als Leiter Produktinnovation beim Aggregatoren Readbox tätig ist, den Staffelstab weiter. Zeit für eine Bilanz.

Eine zentrale Herausforderung in den vergangenen Jahren sei es gewesen, alte und neue Branchenwelt zusammen zu bringen, sagte uns Steffen Meier. “Wichtig war mir in allem immer eine Öffnung, weg vom Kaminzimmer hin zu denen, die das digitale Geschäft verstehen oder verstehen wollen. Wenn mir das in Teilen gelungen ist, bin ichs zufrieden. Auf diese Menschen wird es in Zukunft ankommen, ob die Buchbranche als solche eine Zukunft hat.”

Rückhalt in Verband und Branche mit Luft nach oben

steffen meierZwar habe es hier in den letzten Jahren Entwicklungen gegeben, ein Branchenkonsens sei aber noch weit weg. Und so wünscht sich Steffen Meier für seine Nachfolger “mehr Rückhalt, sowohl im Verband als auch in der Branche. Da hatte ich in der Vergangenheit dann doch auch oft den Eindruck paralleler Welten und wenn man sich allein die Größenordnungen der einzelnen etwa im Verband organisierten Gruppierungen ansieht (von denen der AKEP schlicht der größte ist, nie aber der prominenteste war) fragt man sich schon, wieviel Gutenberg da noch drin steckt. Sicher mehr als gut tut. “

Gegenüber den Herausforderungen, die der E-Book-Markt mit sich bringt, würden viele Branchenteilnehmer nach wie vor die Augen verschießen. Meier bilanziert, “wir leben in extrem dynamischen Entwicklungen und Zeiten, das Problem ist nur: mittendrin nimmt man diese Entwicklung nicht wirklich wahr, oft nur im Rückblick. Und das führt dann auch zu einem “Na, so schlimm wirds schon nicht werden”, oder noch fataler “Alles hysterischer Humbug, warten wirs mal ab”. Ich war immer wieder erstaunt, wieviele Branchenkollegen im Vier-Augengespräch letztere Position vertraten. Natürlich hilft Hysterie nicht weiter und manchmal ist die Politik der ruhigen Hand ja gar nicht schlecht. Das heisst aber nicht, die Augen zu verschließen.”

Keine Auseinandersetzung mit Smartphone und Buchpreisbindung

“Nehmen wir als Beispiel das Smartphone. Im Massenmarkt von Apple als iPhone eingeführt vor gerade einmal sieben Jahren hat es fast einen Gattungsbegriff definiert und bestimmt zunehmend das Nutzungsverhalten der jungen Generation. Unternehmen wie Google und Facebook und viele andere haben das erkannt und stellen ihre Produkt-Strategie darauf um. Langsam aber sicher kristallisiert sich aber auch heraus, dass in vermutlich nicht einmal sieben weiteren Jahren dieses Gerät das bestimmende Lesegerät sein wird. Weltweit ist es das in sehr vielen Ländern ja schon. Fakt ist aber auch, dass es die Buchbranche weitgehend nicht geschafft hat, in den letzten sieben Jahren dieses Gerät sinnvoll für sich zu nutzen und ich habe Sorge, dass dies auch beim Wandel des digitalen Lesens so geschehen wird. Natürlich ist eine sinnvolle Reaktion, ein sinnvoller Umgang mit Veränderungen nicht einfach, keine Frage. Über 500 Jahre Gutenberg taugen aber nicht als Entschuldigung für ein mürrisches Einkuscheln in der Komfortzone.

Und es gibt auch außerhalb des Digitalen Herausforderungen: ob es eine Buchpreisbindung in 10 Jahren noch geben wird ist zumindest fraglich. Aber die Einzigen, die sich wirklich damit beschäftigen, sind die Verbandskollegen – die Lobbyarbeit betreiben, was im Kern aber auch ihre Aufgabe ist, auch wenn das viele ungern hören. Ich sehe aber nirgends eine breite diskursive Auseinandersetzung in der Branche darüber, wie eine Verlagslandschaft ohne diese aussehen könnte. Es gab eine solche schon einmal um die Jahrtausendwende, wir brauchen diese jetzt wieder, und zwar ohne Angst und selbstbewußt. Ein guter Kaufmann sollte immer einen Plan B in der Schublade haben.”

Mauspad vom E-Book-Manager

Trotz alledem (oder gerade deswegen) will Steffen Meier dem Verband erhalten bleiben. er leitet zusammen mit Wibke Ladwig die neu aufgestellte Kommission “Digitales Marketing & Kommunikation” innerhalb des AKEP. Beim Kick-Off-Meeting auf der AKEP-Tagung vor zwei Wochen illustrierte ein Verlagsmitarbeiter, zuständig für E-Books, den unbefriedigenden Status Quo wunderbar mit einem Erlebnisbericht: Neulich sei er gefragt worden, ob er denn ein Mauspad für den Kollegen übrig habe, wo er doch was mit Internet mache.

<Bildnachweis: Typischer PC in der Buchbranche von Shutterstock>

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Kommentare


Farewell, AKEP! | Meier-meint.de 13. Juni 2014 um 13:58

[…] Johannes Haupt hatte mich für lesen.net um einen Rückblick zu 3 Jahren Sprecheramt gebeten, den er journalistisch aufgearbeitet hatte (Dafür meinen Dank!). Da mein ursprünglicher Text einige weitere persönliche Punkte und auch […]

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